Sonntag, 30. April 2017

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Notenbankchef Kuroda Die japanische Bazooka

Ein deutliches Signal: Haruhiko Kuroda, Chef der Bank of Japan, rockt die Märkte

Die Zentralbank Japans hat Ernst gemacht - und mit einer neuen Politik die währungspolitische Bazooka abgefeuert. Ein Kracher für die Börse. Und für die Wirtschaftspolitiker des Westens ein Denkanstoß.

Hamburg - Ob Mr. und Mrs. Watanabe über die harte Kurskorrektur der Bank of Japan (BoJ) erfreut sind, weiß man nicht. Mr. und Mrs. Watanabe sind das, was hierzulande der Ottonormalverbraucher ist. Mitbekommen zumindest dürften sie es haben, wie Haruhiko Kuroda den Kurs der Zentralbank neu bestimmte.

Ein "Feuerwerk der lockeren Geldpolitik", titelt die Commerzbank im fernen Frankfurt. "Weit über den vorigen Markterwartungen", schreibt JP Morgan aus Amerika. Japan will es wissen - und sich mit Inflation aus der Deflation befreien. Dazu hat die Zentralbank um Gouverneur Kuroda ihr "quantitative easing" deutlich ausgeweitet. Ein Schuss aus der Bazooka - und zwei Treffer.

Der erste ist der Aktienmarkt, der zweite die Zentralbanken der Welt. Lange bevor Kuroda den Abzugshebel drückte, krankte Japan an Deflation - an sinkenden Preisen, zurückhaltenden Kosnumenten, an einer horrenden Staatsverschuldung, eben an der Abwärtsspirale, die zuletzt auch als japanische Krankheit beschrieben wurde.

Ein übles Umfeld für eine Volkswirtschaft, aber auch schlecht für die versprengte Schar jener, die japanischen Aktien die Treue hielten. Der japanische Leitindex Nikkei Börsen-Chart zeigen schaffte über fünf Jahre gerechnet nur ein knappes Minus. Der Dax Börsen-Chart zeigen hingegen konnte um mehr als 10 Prozent zulegen. Die Bazooka Kurodas könnte das nun ändern.

Die Probleme der Wirtschaft zuschütten

Denn Kuroda hat angekündigt, in weniger als zwei Jahren mit 1,4 Billionen Dollar die Wirtschaft zu stützen und dazu vor allem Wertpapiere aufkaufen zu wollen: Staatsanleihen, börsengehandelte Indexfonds und Reits. Der plötzliche Geldstrom soll Unternehmen und Konsumenten aus ihrer Lethargie reißen. Ein unkonventioneller Schritt vor allem vor dem Hintergrund, dass die japanische Zentralbank bislang eher verhalten agierte. Nun der entschlossene Schritt; eine Blaupause für andere Zentralbanken? So recht können sich die Experten darüber nicht einigen

"Als großes Pilotprogramm" sieht es June-Yon Kim, Manager des Fidelity Japan Fund. Ein Programm, das "Japan in unvermessenes Terrain katapultiert, zumindest im Vergleich zu anderen entwickelten Länden." Und entsprechend "achten Märkte und Zentralbanken anderer Länder die weiteren Schritte der BoJ, schon weil die skizziert hat, wie es weitergehen soll." Andere sind da eher skeptisch. Denn Japan mache nur das, was andere Zentralbanken bereits gemacht haben - die Probleme der Wirtschaft zuzuschütten.

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