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26.02.2013
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Folgen des Italien-Patts
"Die Angst ist wieder da"

Von Martin Hintze

Präsentation der Wahlergebnisse in Rom: Auch Neuwahlen gelten als eine Option
AP/dpa

Präsentation der Wahlergebnisse in Rom: Auch Neuwahlen gelten als eine Option

Italien droht politischer Stillstand. Rund um den Globus stürzen die Aktienkurse ab, die Risikoaufschläge für Staatsanleihen der Euro-Krisenländer steigen. Rainer Sartoris, Analyst bei HSBC Trinkaus, erklärt die Folgen der Wahl für die Euro-Zone.

mm: Herr Sartoris, hat der Wahlkrimi in Italien die schlimmsten Erwartungen der Anleger erfüllt?

Sartoris: Das Ergebnis ist eindeutig nicht das, was Anleger erhofft hatten. Durch die Patt-Situation wird eine Regierungsbildung sehr schwierig, dem Land droht eine politische Blockade. Auch Neuwahlen stehen als Szenario im Raum. Mit der Ruhe an den Kapitalmärkten könnte es nun vorbei sein.

mm: Das ist noch untertrieben. Die Finanzmärkte haben mit Entsetzen reagiert: Die Aktienmärkte sind tief im Minus, die Risikoaufschläge für Staatsanleihen der Euro-Krisenländer steigen. Droht eine erneute Eskalation der Euro-Krise?

Sartoris: Ich warne vor Panikmache. Noch ist kein ganzer Handelstag vergangen. Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen sind in der Spitze in Italien auf 4,9 Prozent und in Spanien auf 5,6 Prozent gestiegen - das ist noch weit entfernt von einer Eskalation.

mm: Wo sehen Sie die kritische Schwelle?

Sartoris: Kritisch wird es dann, wenn die Ratingagenturen aktiv werden. Davon sind wir aber noch weit entfernt.

mm: Muss die Europäische Zentralbank mit Anleihekäufen intervenieren?

Sartoris: EZB-Präsident Mario Draghi hat sehr deutlich definiert, wann die EZB eingreift. Dazu muss es zunächst einen Hilfsantrag stellen. Die EZB kann nur dann Staatsanleihen kaufen, wenn sich das Land unter dem Rettungsschirm ESM befindet und das ist bei Italien nicht der Fall.

mm: Welche Folgen hätte eine politische Blockade für Italiens Wirtschaft?

Sartoris: Italien hat trotz erster Erfolge der Monti-Regierung immer noch erhebliche Probleme. Im vierten Quartal 2012 ist das Wirtschaftswachstum wieder unter die Tiefstwerte von 2009 gerutscht. Der Weg zur Besserung würde durch einen Reformstau natürlich erheblich erschwert.

mm: Wird die zaghafte Erholung der Euro-Zone jetzt abgewürgt?

Sartoris: Das lässt sich momentan schwer sagen. Die Erholung der Euro-Zone war ohnehin nur eine Hoffnungsschimmer. Die Einkaufsmanagerindices in vielen Länder der Euro-Zone sind im Februar sehr schlecht ausgefallen. Es war vor allem die deutsche Konjunktur, von der die Erholung ausging. Die Angst vor einer Rückkehr der Euro-Krise ist wieder da.

mm: Ist das Wachstum in Deutschland bedroht?

Sartoris: Die Unruhe an den Finanzmärkten bis zum vergangenen Sommer hat dazu geführt, dass sich die Unternehmen mit Investitionen zurückgehalten haben. Der positive Ifo-Index deutet daraufhin, dass sich der Investitionsstau nun löst. Es wäre schlecht für die deutsche Wirtschaft, wenn die Unruhe an den Finanzmärkten nun zurückkehrt.

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