Montag, 30. März 2015

Kursrally Die lautlose Börsenparty

SAP, Eon, Commerzbank: Die meistgehandelten Aktien im Dax
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DPA

Die Kurse klettern, doch anders als früher hat der aktuelle Aufschwung die Handelsumsätze an der Börse kaum steigen lassen. Nur wenige Anleger, so scheint es, treiben die Notierungen auf ihre aktuellen Höhen. Leidtragende des Umsatzschwundes sind Betreiber wie die Deutsche Börse AG.

Hamburg - Ein wenig verwundern kann das schon: Die Aktienmärkte legten 2012 zum Großteil eine großartige Performance hin, der deutsche Aktienleitindex Dax Börsen-Chart zeigen gewann seit dem 02.01.2013 weiter leicht hinzu, gestern war ein besonders starker Börsentag und heute geht es erneut aufwärts - aber die Betreiber der Börsenplätze verzeichnen mitunter drastische Rückgänge in ihren Geschäftsergebnissen.

So zum Beispiel die Deutsche Börse Börsen-Chart zeigen. Das Unternehmen meldete schon vor Tagen für 2012 vorab einen Gewinneinbruch um mehr als 22 Prozent. Der Umsatz ging im gleichen Zeitraum um 14 Prozent zurück.

Bemerkenswert erscheint das auf den ersten Blick, weil zur gleichen Zeit die Aktienkurse in Frankfurt eine Höhenflug hinlegten. Der Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen etwa beendete das vergangene Jahr mit einem Plus von 29 Prozent. Der MDax Börsen-Chart zeigen mittelgroßer Werte performte sogar noch besser. Er stieg um deutlich mehr als 30 Prozent und erreichte Ende des Jahres Höchststände jenseits der 11.000 Punkte - um bis zum heutigen Tag ein Rekordhoch zu erreichen.

Kurse klettern, Umsätze fallen: Mit diesem augenscheinlichen Paradoxon steht die Frankfurter Börse nicht allein da. Ähnliches lässt sich beispielsweise an der Wall Street beobachten, wenn auch in schwächerer Ausprägung. Dort brachte es beispielsweise der US-Standardwerteindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen im vergangenen Jahr auf ein Plus von gut 7 Prozent. Der breiter gefasst S&P 500 legte sogar mehr als 13 Prozent zu.

Party ohne Gastgeber

Wie dagegen das Jahr für die US-Börsengesellschaft NYSE/Euronext verlief, verkündete das Unternehmen vor rund zwei Wochen: Der Umsatz brach um 18 Prozent ein, der Nettogewinn sogar um knapp 30 Prozent.

Als Erklärung für die negative Geschäftsentwicklung trotz haussierender Börse geben die Gesellschaften vor allem einen Grund an: schwache Handelsumsätze. Tatsächlich bestätigt ein Blick auf die Entwicklung der Transaktionsvolumina, dass 2012 eines der seit langem Umsatzschwächsten Jahre an der Börse war. Am Kassamarkt der Frankfurter Börse etwa wechselten Papiere im Wert von nur wenig mehr als einer Billion Euro den Besitzer. Zum Vergleich: 2007, kurz vor der Wirtschaftskrise also, als die Finanzwelt noch in Ordnung war, waren es beinahe 2,5 Billionen Euro (siehe Grafik links oben). Die Handelsumsätze beispielsweise an der Wall Street entwickelten sich ähnlich.

"Das ist ein interessantes Phänomen", sagt Philipp Häßler, Analyst bei Equinet. "Bislang galt im allgemeinen die Regel, dass steigende Aktienkurse auch mit steigendem Umsatzvolumen an der Börse einhergingen. Das scheint im vergangenen Jahr nicht so gewesen zu sein."

Im Gegenteil: Die Börsenparty 2012, so scheint es, fand weitgehend statt, ohne dass der Gastgeber etwas davon mitbekommen hätte. In Frankfurt gingen die Umsätze im vergangenen Jahr allein gegenüber dem Vorjahr um beinahe 24 Prozent zurück. Darin spiegelt sich einerseits die Zurückhaltung der Investoren angesichts der Euro-Schuldenkrise und unsicherer Kapitalmärkte. Auf besonders breiter Basis steht die aktuelle Kurshausse also wohl nicht.

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