Mittwoch, 19. Dezember 2018

ProSiebenSat.1 KKR und Permira machen Kasse

ProSiebenSat.1-Zentrale in München: Permira und KKR haben ihren kompletten Bestand an Vorzugsaktien verkauft

Die Finanzinvestoren KKR und Permira haben sich in einem ersten Schritt von ProSiebenSat.1-Aktien im Wert von knapp 500 Millionen Euro getrennt. Spätestens bis zur Hauptversammlung im Sommer wollen sich die Firmen komplett von dem TV-Konzern trennen.

Frankfurt am Main - Die Finanzinvestoren Permira und KKR haben den Einstieg in den Ausstieg beim Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 geschafft. Sie platzierten am Donnerstag über Nacht für knapp eine halbe Milliarde Euro ihren kompletten Bestand an ProSieben-Vorzugsaktien bei institutionellen Investoren und halten nun nur noch 88 Prozent der Stammaktien.

Händlern zufolge lag der Platzierungspreis mit 24,60 Euro nur 3 Prozent unter dem Schlusskurs vom Mittwoch. Mit den 485 Millionen Euro, die KKR Börsen-Chart zeigen und Permira mit der Platzierung zufließen, soll der auf knapp zwei Milliarden Euro geschätzte Schuldenberg der Holding Lavena abgebaut werden, in der KKR und Permira ihre Anteile an ProSiebenSat.1 Börsen-Chart zeigen geparkt haben. Die stimmrechtslosen ProSieben-Vorzüge sind nun vollständig im Streubesitz.

KKR und Permira nutzten den Aufwind der ProSiebenSat.1-Aktie, deren Kurs seit Juni 2012 um mehr als die Hälfte gestiegen ist. Am Donnerstag fiel sie nach Abschluss der Platzierung im frühen Handel um 3,3 Prozent auf 24,40 Euro. Mit der Platzierung steigt das Gewicht von ProSiebenSat.1 im Nebenwerteindex MDax weiter.

Potentielle Käufer müssen sich beeilen

"Jetzt hat der Zug den Bahnhof wirklich verlassen", sagte ein Insider mit Blick auf den Startschuss für den Verkauf. Mit dem Teilausstieg üben die Finanzinvestoren Druck auf mögliche Käufer für ProSiebenSat.1 aus. Denn auf der für den 23. Juli angesetzten Hauptversammlung soll über eine Zusammenlegung der Vorzugsaktien mit den bisher nicht börsennotierten Stämmen abgestimmt werden.

Die Stammaktien liegen zu 88 Prozent bei der Lavena, der Rest liegt beim niederländischen Medienhaus Telegraaf Börsen-Chart zeigen. Damit müsste ein neuer Ankeraktionär vorher zuschlagen, wenn er die Mehrheit der ProSiebenSat.1-Stimmrechte und damit die unternehmerische Kontrolle an dem Fernsehkonzern aus Unterföhring bei München um die Sender Pro7, Sat.1 und Kabel 1 erwerben will.

Den Auftrag, mögliche Käufer für die Anteile zu suchen, hat die Investmentbank JP Morgan. Als Interessenten werden in der Branche die Berliner Axel Springer AG Börsen-Chart zeigen und Rupert Murdochs Medienkonzern News Corp. Börsen-Chart zeigen gehandelt.

Heißer Anwärter auf den Dax

An der Börse platziert werden könnten die Stammaktien erst im Herbst, nach der Hauptversammlung. Doch auch dann könnten KKR und Permira wohl nicht auf einen Schlag aussteigen. "Dazu wäre das Paket zu groß", sagte ein Banker.

An der Börse sind ihre verbleibenden Anteile immer noch 2,4 Milliarden Euro wert. Nach einem zweiten Börsengang wäre ProSiebenSat.1 heißer Kandidat auf einen Einzug in die erste Börsenliga, den Dax.

Bereits der Verkauf des Skandinavien-Geschäfts von ProSieben war als erster Schritt zur Vorbereitung des Ausstiegs der 2006 eingestiegenen Finanzinvestoren gesehen werden. Sie dürfen dafür für das vergangene Jahr mit einer Dividende von 640 Millionen Euro rechnen, mit der die Lavena weitere Schulden abbauen kann. Angesichts der hohen Lasten waren die ProSiebenSat.1-Eigentümer in der Finanzkrise zeitweise unter erheblichen Druck von Banken und Hedgefonds geraten.

mg/rtr

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