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18. Januar 2013, 13:52 Uhr

Logistikinvestment

Die Post geht ab

Von Lutz Reiche

Von wegen Langweilerinvestment: Die Post-Aktie hängt den Dax ab. Trotz der jüngsten Kursrally sehen Analysten weiterhin Schwung im Logistikmarkt und Chancen für die Post - vor allem nach dem geplatzten Deal der Konkurrenten UPS und TNT.

Hamburg - "Wir schmieden einen Weltmarktführer", hatte UPS-Vorstand Kurt Kuehn vollmundig angekündigt. Mit der milliardenschweren Übernahme der TNT Express wollten die Amerikaner den europäischen Paket- und Expressmarkt erobern, vor allem aber den Marktführer Deutsche Post DHL empfindlich treffen.

Das wird jetzt nichts. UPS blies den Deal in Erwartung des sicheren Nein der Brüsseler Wettbewerbshüter zu Wochenbeginn ab.

Geschichte wiederholt sich, möchte man meinen. Hatte die Deutsche Post vor ein paar Jahren mit ihren Expansionsplänen in den USA mindestens sieben Milliarden Euro in den Sand gesetzt, holte sich jetzt umgekehrt der amerikanische Platzhirsch auf europäischem Boden eine blutige Nase. "Big Brown", wie UPS in den USA genannt wird, steckt in einer Sackgasse, die Europa-Strategie gilt vorerst als gescheitert. TNT wiederum steht vor einem Scherbenhaufen, könnte ohne neuen Partner womöglich ganz vom Markt verschwinden, mutmaßen manche Experten.

Nutzt der Deutschen Post der geplatzte Deal? "Selbstverständlich", sagt Analyst Ingo Schmidt von der Hamburger Sparkasse. "UPS wagte damit den Großangriff auf den Kernmarkt der Deutschen Post . Dieser Angriff ist gescheitert." Auch aus Sicht der Branchenexperten von Commerzbank und DZ Bank ist der Rückzug alles andere als eine schlechte Nachricht für den ehemaligen Staatskonzern Deutsche Post.

Post-Aktie reagiert nur moderat auf geplatzten UPS-Deal

Die schnelle Expansion des Konkurrenten UPS in Europa scheint zumindest vorerst in weite Ferne gerückt. Sollte doch ein Express- und Paketkonzern mit einem Umsatz von mehr als 45 Milliarden Euro entstehen. Zum Vergleich: Die Deutsche Post, die mit ihren DHL-Sparten international als am besten aufgestellter Logistikkonzern gilt, brachte es 2011 exklusive des Briefgeschäfts auf 39 Milliarden Euro Umsatz.

Die Schlappe des schärfsten Konkurrenten scheint die Post-Investoren indes nur wenig zu beeindrucken: Die Aktie "Gelb" hat in der laufenden Handelswoche von der Nachricht kaum profitiert. UPS sei zwar vorgeprescht, eine große Überraschung sei die Nachricht aber nicht, sagen Beobachter. Denn im Verlauf der elf Monate währenden Hängepartie hätte sich bereits abgezeichnet, dass UPS trotz seines Angebots, einzelne Bereiche abzustoßen, die Einwände der Wettbewerbshüter nicht würde ausräumen können.

Ähnlich sieht es William Foggon, Analyst der Berenberg Bank. Im Grunde ändere sich nichts am Status quo. Dass sich die Wettbewerbsintensität für die Deutsche Post nicht erhöhe, sei sicherlich positiv für das Unternehmen. "Aber das innereuropäische Express-Geschäft nimmt keine Schlüsselrolle in der Wachstumsstrategie der Deutschen Post ein", begründet der Londoner Experte die träge Reaktion der Aktie. Großes Wachstumspotential sähe der Konzern vielmehr im internationalen Expressgeschäft für Business-Kunden. Eigenen Angaben zufolge ist die Deutsche Post DHL in diesem Segment sowohl in Asien als auch in Europa mit rund jeweils 38 Prozent Marktführer.

Post-Aktie alles andere als ein Langweiler

Dabei sind die Papiere alles andere als ein Langweiler. Ein Kursplus von rund 40 Prozent bescherten sie ihren Besitzern im Jahr 2012 und haben den Dax damit sowohl auf Einjahressicht als auch auf Zweijahressicht hinter sich gelassen. Dass Investoren auf im Kern gute Nachrichten zuletzt eher verhalten reagiert haben, scheint daher plausibel, meint Analyst Schmidt von der Hamburger Sparkasse.

Laut Reuters sehen sieben Analysten - darunter Berenberg und Hamburger Sparkasse - den Titel nicht zuletzt angesichts des rasanten Kursverlaufs als Halteposition. 20 weitere Analysten trauen der Deutschen Post nach gegenwärtigem Stand eine Fortsetzung des Erfolgskurses zu. Sie empfehlen die Aktie des Logistikkonzerns entweder zum Kauf (11) oder sehen in ihr einen echten "Outperformer" (9).

Post-Finanzvorstand Larry Rosen dürfte die Experten in ihrer positiven Einschätzung diese Woche noch bestärkt haben. Zwar hielt sich er mit einem Kommentar zu möglichen Auswirkungen des geplatzten Deals aufs eigene Geschäft vornehm zurück, erklärte aber - Zufall oder nicht - am selben Tag vor Analysten, dass der Konzern "bestens gerüstet" sei, seine Marktposition in diesem Jahr auszubauen.

Vorstand stimmt Investoren auf stetes Wachstum ein

Zum einen erneuerte Rosen die Gewinnprognose von 2,6 bis 2,7 Milliarden Euro für das Jahr 2012 (2011: 2,44 Milliarden). Die Wettbewerber UPS und FedEx hatten sie dagegen senken müssen. Zum anderen bekräftigte er auch das mittelfristige Gewinnziel von 3,35 bis 3,55 Milliarden Euro bis 2015. Dabei sollen die DHL-Sparten ihr Ergebnis im Jahresschnitt zwischen 10 und 15 Prozent steigern und den Löwenanteil zum Gesamtgewinn beitragen: zwischen 2,7 und 2,9 Milliarden Euro.

Da das Management für gewöhnlich eher konservative Prognosen ausgibt, halten Analysten die Ziele nicht für überzogen. "Die Verbraucher bestellen immer mehr im Internet, die Post profitiert davon, liefert die Sendungen aus", sagt Schmidt. Im Grunde müsse der Konzern in diesem "rapide wachsenden Markt" seine Position lediglich verteidigen, um entsprechend mitzuwachsen.

Das scheint der Post zu gelingen: Im Vorweihnachtsgeschäft knackte sie erstmals die Marke von sieben Millionen Sendungen am Tag. Auch im Gesamtjahr 2012 hat das Unternehmen so viel Pakete wie nie zuvor in Deutschland ausgeliefert. Der Wachstumstrend im Internetversandhandel soll anhalten und damit der Paketmarkt jährlich um 5 bis 7 Prozent zulegen, ist Rosen überzeugt.

Dividendenrendite gilt als attraktiv

Davon will die Post natürlich profitieren. Das muss sie auch, denn das Internet hat ebenso seine Kehrseite für den Konzern: E-Mails ersetzen immer öfter den Brief, Online-Werbung die traditionelle Flugblattwerbung im Postkasten. Im abgelaufenen Jahr dürfte das Briefvolumen um bis zu 5 Prozent zurückgefallen sein, schätzen Experten. Ablesen ließ sich die Entwicklung zuletzt im dritten Quartal: Der Umsatz der Briefsparte "Mail" rutschte um rund 2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal ab, das operative Ergebnis der Sparte gar um mehr als 18 Prozent.

Gleichwohl sehen die meisten Analysten die Post mit den Wachstumstreibern Paketgeschäft im deutschsprachigen sowie dem rasant steigenden Expressgeschäft im asiatischen Raum gut für die Zukunft aufgestellt. Dabei versteht es der Konzern auch, seine Logistikkompetenz weiter auszubauen und in klingende Münze umzusetzen, wie Analyst Volker Sack von der NordLB betont. So vermeldete die kräftig wachsende DHL-Sparte "Supply Chain" Mitte dieser Woche, dass der Konzern die Lager- und Transportaktivitäten von Panasonic in Großbritannien betreuen wird. Das Vertragsvolumen beläuft sich auf rund 120 Millionen Euro.

Keine Experimente - Hoffen auf Anziehen der Konjunktur in Europa

Operativ ist der Konzern also auf einem guten Weg, wächst aus eigener Kraft und will das auch künftig so halten. An einer Übernahme im Expressgeschäft ist die Post nicht interessiert, "auch nicht an TNT", stellt das Management klar. "Die Post ist in den wichtigen Märkten sehr gut aufgestellt, sie braucht solche Experimente nicht", sagt auch Schmidt. Zieht die Konjunktur in Europa wie erhofft im zweiten Halbjahr 2013 an und sollte auch Chinas Wirtschaft wieder an Tempo gewinnen, wird die Deutsche Post davon profitieren und dies die Aktie weiter antreiben, ist der Experte überzeugt.

Die NordLB hat in dieser Woche ihr Kursziel für die Aktie von 17 auf 19 Euro heraufgesetzt. Goldman Sachs traut ihr gar 22,50 Euro zu - auf gegenwärtiger Basis wäre das ein stolzer Aufschlag von rund 5 Euro. Eine ganze Reihe von Analysten begründet ihre Kaufempfehlung für die Aktie "Gelb" auch mit der attraktiven Dividendenrendite.

Bleibt die Ausschüttungsquote konstant bei 55 Prozent und hebt der Konzern die Dividende für 2012 leicht auf 75 Cent (2011: 70 Cent) an, was Analysten vermuten, betrüge die Dividendenrendite aktuell rund 4,5 Prozent. Erst kürzlich begebene Anleihen des Unternehmens werfen nicht einmal die Hälfte ab. In dem gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld sei dies ein "starkes Argument" für die Post-Aktie, sind sich die Experten einig, zumal der Titel überdies mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp über 12 gegenüber ihren Wettbewerbern als günstig bewertet gilt.


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