09.12.2012
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Börsenrallye
Anlage-Notstand treibt die Kurse

40 Prozent und mehr: Die acht Kursraketen im Dax
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dapd

Der Dax hat den höchsten Stand seit fast fünf Jahren erreicht - und dennoch trauen die meisten Anleger in Deutschland Aktien nicht über den Weg. Sie bleiben ihren Lieblingsanlagen mit schwacher Rendite treu. Wie man aus alten, teuren Gewohnheiten herauskommt.

Frankfurt am Main - Der deutsche Aktienmarkt wird nach Ansicht vieler Experten auch in der neuen Woche zulegen. "Viele Investoren haben die jüngsten Kursgewinne verpasst und müssen nun rein in den Markt", sagt Fidel Helmer, Berater bei Hauck & Aufhäuser. "Zudem werfen etwa Staatsanleihen kaum etwas ab, daher kommt man Aktien einfach nicht vorbei."

Ähnlich optimistisch äußert sich Marktexperte Robert Halver von der Baader Bank: "Einige Anleger sind unterinvestiert, das spricht für weitere Kursgewinne." Der Dax Chart zeigen gewann in der alten Woche 1,5 Prozent und schloss am Freitag bei 7518 Punkten. Am Donnerstag hatte er mit 7534 Punkten den höchsten Schlusskurs seit Januar 2008 erreicht.

Mit einem Plus von rund 25 Prozent seit Anfang Januar steuert der Leitindex zudem auf sein bestes Jahresergebnis seit 2003 zu. Allerdings gibt es am Markt auch skeptische Stimmen: "Es drängt sich die Frage auf, ob die Kursgewinne der letzten Wochen und Monate auf einem soliden Fundament stehen - und hier ist unseres Erachtens ein großes Fragezeichen zu setzen", heißt es etwa bei der Landesbank Berlin.

So sei konjunkturell noch keine Wende in Sicht. Ein Aktienhändler warnte mit Blick auf den anhaltenden US-Budgetstreit und die Schuldenkrise in Europa: "Es liegt noch einiges im Argen. Bei negativen Nachrichten kann es schnell abwärts gehen."

ThyssenKrupp mit Zahlen im Rampenlicht

Unter den Einzelwerten dürfte ThyssenKrupp in den Fokus der Anleger rücken. Am Montag berät der Aufsichtsrat über den jüngsten Umbau des Vorstands. Der Personalausschuss des Kontrollgremiums hatte am Mittwochabend mit der angekündigten Entlassung der Vorstände Olaf Berlien, Edwin Eichler und Jürgen Claassen Konsequenzen aus einer Serie von Unregelmäßigkeiten gezogen. Zudem wird es auch um den Abschluss des Geschäftsjahres 2011/12 (per Ende September) gehen, der am Dienstag in Essen vorgestellt werden soll.

Dem Konzern drohen erneute Verluste aus seinem Amerika-Geschäft. Womöglich muss Vorstandschef Heinrich Hiesinger auf die Stahlwerke in Brasilien und den USA erneut Milliardenabschreibungen vornehmen. Der Manager sucht händeringend nach Käufern für die Werke, deren Baukosten auf zwölf Milliarden Euro explodiert waren.

Streit um US-Haushalt

Darüber hinaus dürfte die Zitterpartie um den US-Haushalt die Investoren weiter beschäftigen. Allerdings gehen die meisten Marktteilnehmer davon aus, dass sich Demokraten und Republikaner auf einen Kompromiss einigen und die USA die sogenannte "Fiskalklippe" umschiffen werden. Sollten sich die Politiker in Washington nicht auf einen neuen Etat verständigen, drohen zum Jahreswechsel automatische Ausgabenkürzungen. Gemeinsam mit auslaufenden Steuererleichterungen könnten sie die weltgrößte Volkswirtschaft in eine Rezession stürzen.

Kommentare der US-Notenbank im Fokus

Die in den USA anstehenden Konjunkturdaten - etwa zum Einzelhandel - sollten den Markt eher stützen. "Nachdem Hurrikan 'Sandy' Teile der US-Wirtschaft kurzzeitig lahmlegte und etliche Konjunkturindikatoren für Oktober drückte, dürften die Daten für November nächste Woche wieder nach oben zeigen", erklärt Commerzbank-Experte Christoph Balz. Da sich der Wettereinfluss kaum verlässlich beziffern lasse, seien die Prognosen diesmal allerdings mit größerer Unsicherheit behaftet. Bei der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed am Mittwochabend dürften Anleger sehr genau auf Aussagen zur Verfassung der Wirtschaft und zur Geldpolitik achten. Laut dem jüngsten Konjunkturbericht der Währungshüter wächst die US-Konjunktur weiter nur mit gemäßigtem Tempo.

Für Deutschland steht am Dienstag der ZEW-Konjunkturbericht an. Von Reuters befragte Analysten rechnen mit einem Anstieg des Indikators auf minus 12,0 Punkte im Dezember nach minus 15,7 Zählern im November. Dann dürfte sich zeigen, ob bei den befragten Finanzprofis die Angst vor dem anhaltenden US-Haushaltsstreit schwerer wiegt als die Erleichterung darüber, dass die Staatsschuldenkrise in Europa etwas abgeflaut ist.

40 Prozent und mehr: Die Kursraketen im Dax

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