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21.11.2012
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Euro-Krise
"Draghi hat uns etwas Ruhe verschafft"

Von Arne Gottschalck

EZB-Präsident Mario Draghi: Umstrittene Finanztransaktionen zur Euro-Beruhigung
DPA

EZB-Präsident Mario Draghi: Umstrittene Finanztransaktionen zur Euro-Beruhigung

Die Europäische Zentralbank ist aktiv wie nie - und in Deutschland wächst die Kritik dagegen. Doch es hilft nichts, sagt Daniel Morris von JP Morgan Asset Management. Denn die EZB-Hilfe zeigt bereits Wirkung.

mm: Die Europäische Zentralbank ist so aktiv, dass es deutsche Bundesbankfans graust. Denn die Mittel, mit der sie so aktiv ist, sind gefährlich.

Morris: Ja, das längerfristigen Refinanzierungsgeschäften LTRO der EZB beispielsweise hat die Bankfinanzierung ersetzt. Damit haben die Zentralbanker zwar das Risiko für manche Euro-Staaten beseitigt, dass die Kreditvergabe in diesen Ländern eingeschränkt ist, dass die Wirtschaft illiquide wird. Doch generell ist das nicht die primäre Aufgabe der EZB.

mm: Die Bundesbank ist so entsetzt, weil dieses umstrittene Programm nicht das einzige riskante ist, das sich die EZB genehmigt hat. Auch für das Aufkaufprogramm OMT (Outright Monetary Transactions) gilt doch, das es nicht zu den primären Aufgaben der europäischen zentralbank gehört, oder?

Morris: Ja, auch dafür.

mm: Doch trotz all diesen umstrittenen bis gefährlichen Aktionismus: Griechenland kommt noch immer nicht voran - es hat also alles nichts genützt. Oder?

Morris: Doch, das hat es. Die Aufgabe der EZB ist es, sich auch mit der Lösung geldpolitischer Probleme zu beschäftigen. Bei Griechenland handelt es sich jedoch um ein fiskalpolitisches Thema, das insofern nicht von der EZB, sondern vom Staat gelöst werden muss. Das Land war fundamental in einer schwierigen Situation. Italien zum Beispiel steht viel besser da. Dort hat die Politik nun die Aufgabe, das Geld zu finden. Auch die Lage in Spanien ist anders gelagert als Griechenland: Spanien hat eher strukturelle Probleme. Glücklicherweise sind sie die Spanier mit vergleichsweise geringen Schulden in den Aufholprozess gestartet.

mm: Ist das deutsche Hartz-IV-Gesetz zur Kostensenkung ein Vorbild für andere Staaten in Europa?

Morris: Zumindest scheint es die Blaupause für andere Länder zu sein, denn de facto ist es das, was andere Länder jetzt implementieren wollen. Erinnern Sie sich noch an die Diskussionen in Deutschland? Das Konzept war seinerzeit hoch umstritten. Und es hat viel Zeit gebraucht, es durchzusetzen. Das bedeutet auch, dass wir den Reformländern Zeit geben müssen. Die Kernherausforderung wird sein, Wachstum zu generieren.

mm: Und die harte Forderung, schwache Länder einfach auszuschließen?

Morris: Das ist der falsche Ansatz und würde die Staatengemeinschaft teurer zu stehen kommen. Der kostengünstigere und bessere Weg für die Völkergemeinschaft ist in der gegenseitigen Unterstützung zu finden. Dass eine interne Abwertung funktionieren kann, sieht man wiederum an Irland und Spanien.

mm: Aber der Süden Europas ...

Morris: ... hat auf Kredit gelebt. Und die Staaten hatten den Blick nicht auf wichtige Änderungen, wie der Restrukturierung der Wirtschaft, gelegt. Das war ein Fehler, und der ist heute in einer Zeit geringen Wirtschaftswachstums schwer nachzuholen. Denn als Deutschland sich reformierte, herrschte breites Wirtschaftswachstum in der Welt.

mm: Und? Kommen wir wirklich voran?

Morris: Ja, Draghi hat die Prämie fürs Auseinanderbrechen der Euro-Zone gesenkt. Und das verschafft uns etwas Ruhe.

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    Daniel Morris ist Stratege bei JP Morgan Asset Management in Europa und damit auch für das Hinterfragen der globalen Trends verantwortlich.









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