Samstag, 16. Februar 2019

Algo-Trading Brüssel will schnellen Börsenhandel bremsen

Die Arbeit macht der Rechner: An den europäischen Börsen soll der Hochfrequenzhandel erheblich eingeschränkt werden

Wer an der Börse handelt, soll Papiere künftig mindestens eine halbe Sekunde halten müssen. Diese unscheinbar wirkende Neuregelung plant das Europa-Parlament, um dem superschnellen Börsenhandel Einhalt zu gebieten. So genannten Algo-Tradern wäre dadurch die Grundlage entzogen. 

Brüssel - Im Kampf gegen Spekulanten will das Europäische Parlament deutlicher als in Deutschland geplant den Hochfrequenzhandel an den Börsen einschränken. Die Abgeordneten pochen auf eine Mindesthaltdauer für Kaufaufträge und nehmen damit die sogenannten Algo-Trader ins Visier, die über computergesteuerte Order kleinste Kursschwankungen in Bruchteilen einer Sekunde ausnutzen.

Händler sollten verpflichtet werden, die Aufträge mindestens eine halbe Sekunde bestehen zu lassen, hieß es am Donnerstag in Parlamentskreisen. Darauf hätten sich die Fraktionen als gemeinsame Position für die Verhandlungen mit den Regierungen über die verschärften Vorgaben für den Wertpapierhandel (Mifid II) geeinigt. Das Ergebnis soll in der kommenden Woche vom zuständigen Ausschuss abgesegnet werden, die Richtlinie 2014 in Kraft treten.

Eine Mindesthaltdauer von 0,5 Sekunden entzieht dem Algo-Trading die Geschäftsgrundlage: Die Computerprogramme feuern in dieser Zeit bisher unzählige Aufträge ab. Experten zufolge macht diese Art des Handels in Deutschland inzwischen etwa 40 Prozent der Order an den Börsen aus, in den USA sind es 70 Prozent. Die Methode steht im Verdacht, durch ihre Automatisierung Kursentwicklungen massiv zu verstärken.

Die schwarz-gelbe Koalition in Berlin hat auf eine Mindesthaltdauer verzichtet, als sie Ende Juni ihre Eckpunkte für eine stärkere Kontrolle des Hochfrequenzhandels vorgelegt hat. Auch die Börsen selbst haben ein Interesse an schärferen Vorgaben für das Algo-Trading. Die Flut von Aufträgen verstopft die IT-Systeme, sorgt aber für verhältnismäßig wenig Umsatz.

Im Streit um Provisionen für Finanzprodukte nimmt das Parlament eine großzügigere Haltung ein als die EU-Kommission in ihrem Mifid-Vorschlag. Den Parlamentskreisen zufolge wollen die Abgeordneten Vermittlungsgebühren erlauben, verlangen aber eine umfassende Offenlegung.

cr/rtr

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