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11.09.2012
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Schattenbusiness
Islamische Banken starten Anlauf auf Deutschland

Von Katharina Pfannkuch

Das Gesicht des Islams: Der Glaube prägt nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch das Finanzgebahren
dapd

Das Gesicht des Islams: Der Glaube prägt nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch das Finanzgebahren

Bisher ist es schiefgegangen. Das islamkonforme Finanzgeschäft hat in Deutschland keinen Erfolg, obwohl hierzulande Millionen Muslime wohnen. Jetzt aber will es ein Geldhaus wissen: Deutschland steht vor der Eröffnung einer muslimischen Vollbank.

Hamburg - "Deutschland sucht den Halal Broker 2012" - mit diesem Slogan geht das Dortmunder Unternehmen My Islamic Banking (MIB) ab September auf Kundenfang. Drei Monate lang können die Mitspieler ein fiktives Anlagekapital von 100.000 Euro in Aktien investieren und in das internationale Börsengeschäft einsteigen. Wer den meisten Gewinn erzielt, wird am Jahresende bei einer Gala als Sieger gekürt. Ein Börsenspiel ist eigentlich nichts besonderes, jede Sparkasse bietet so etwas an. Doch diesmal lesen sich die Spielregeln etwas anders - sämtliche Investitionen und Transaktionen müssen den Regeln des Islamic Finance entsprechen. So soll dem schwachen Marktpräsenz islamischer Geldhäuser in Deutschland auf die Füße geholfen werden.

Aktien von Unternehmen, die mit Alkohol, Waffen, Schweinefleisch oder pornographischen Produkten handeln, sind damit ebenso ausgeschlossen wie Investitionen in Unternehmen, deren Zinseinkommen am Gesamtumsatz 5 Prozent beträgt.

"Allah hat den Kauf erlaubt, aber das Zinsnehmen verboten", heißt es in der zweiten Sure des Koran - das Zinsverbot ist das zentrale Element des Islamic Finance. Jeder Transaktion muss zudem ein realwirtschaftlicher Vermögensgegenstand zu Grunde liegen, gemäß dem Grundsatz "Handle nur mit dem, was dir gehört". Schließlich sind auch zu hohe Risiken verboten, was Subprime-Kredite ausschließt. Die Grundsätze werden auch auf den internationalen Finanzmärkten angewandt: Ob islamische Banken, islamische Kapitalmärkte oder islamische Versicherungen - für alle modernen Finanzgeschäfte gib es eine schariakonforme Alternative. Eigentlich keine schlechten Voraussetzungen für einen Neustart im krisengebeutelten Bankgewerbe. Doch so recht zündete das Konzept in Deutschland bislang nicht.

Dabei wird das weltweite Volumen islamgerecht verwalteter Assets auf bis zu 700 Milliarden US-Dollar geschätzt. In über siebzig Ländern bieten rund fünfhundert islamische Banken und Finanzdienstleiter ihre Dienste an, das Islamic Financial Services Board (IFSB) prognostiziert weiteres Wachstum. Zentren des internationalen Islamic Finance-Marktes sind Malaysia, die Vereinigten Arabischen Emirate und Großbritannien.

Der Pionier unter den europäischen Wettbewerbern buhlt erfolgreich um die Gunst der muslimischen Kunden: 2004 entstand mit der Islamic Bank of Britain die erste vollständig islamische Bank Europas, die bereits drei Jahre nach ihrer Gründung 64.000 Konten verwaltete. Unter der Regierung Gordon Browns wurde 2007 sogar die Rechtslage angepasst, um muslimische Kunden zu locken: Steuerliche Hürden wurden ebenso beseitigt wie die Pflicht zur staatlichen Einlagensicherung. Diese besteht bei konventionellen Sparkonten, widerspricht jedoch der islamischen Pflicht, jedes finanzielle Risiko gerecht zu teilen.

Bald Islambank in Deutschland?

Eine solche Sonderregelung kommt für den deutschen Markt aus Sicht der Finanzaufsicht Bafin zwar nicht in Frage. Doch die Behörde zeigt sich schon seit Längerem interessiert am Finanzgeschäft nach Allahs Regeln: So lud die Aufsicht im Mai bereits zum zweiten Mal zu einer hochkarätig besetzten Konferenz über Islamic Finance in Frankfurt am Main ein. Der Andrang war groß: Banker, Juristen und Investoren aus dem In- und Ausland tauschten sich im Frankfurter Hof bei Halal-Häppchen über die Möglichkeiten des islamkonformen Finanzgeschäfts in Deutschland aus. Mit rund 5 Millionen Muslimen in der deutschen Bevölkerung scheint hier ein erfolgversprechender Markt zu liegen, doch große Erfolge blieben bisher aus. Bundesweit sind nur fünf kleine Anbieter aktiv, die islamische Finanzprodukte entwickeln und vertreiben. Doch das könnte sich zukünftig ändern.

Laut Financial Times soll der Finanzaufsicht Bafin im Oktober der erste Antrag auf eine Volllizenz für eine islamische Bank in Deutschland vorgelegt werden. Die Kuveyt Türk, ein türkisch-kuwaitisches Joint-Venture, operiert bereits seit 2012 mit einer Teillizenz der Bafin in Mannheim und transferiert die Gelder der Kunden ins Ausland, wo sie islamkonform angelegt werden. Mit dem Antrag auf eine Volllizenz soll nun das gesamte Geschäft in Deutschland abgewickelt werden können - gemäß den Regeln der Scharia.

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