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21.09.2012
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Finanzindustrie
Frauen sind Exoten

Von Arne Gottschalck

Wissenschaftlerin Nissen-Ruenzi: Gemeinsam mit ihrem Mann Stefan Ruenzi hat sie herausgefunden, dass weibliche Fondsmanager weniger Geld einsammeln als ihre männlichen Kollegen.
Uni Mannheim

Wissenschaftlerin Nissen-Ruenzi: Gemeinsam mit ihrem Mann Stefan Ruenzi hat sie herausgefunden, dass weibliche Fondsmanager weniger Geld einsammeln als ihre männlichen Kollegen.

Männer meiden Fonds, die von Frauen verwaltet werden, haben Wissenschaftler der Universität Mannheim herausgefunden. Bei der Rendite schneiden Fondsmanagerinnen jedoch nicht schlechter ab - die kundenbasierte Diskriminierung hat andere Gründe, erklärt Alexandra Nissen-Ruenzi.

mm: Aktienfonds, die von Frauen verwaltet werden, haben weniger Zuflüsse, sprich sind nicht so beliebt wie die von Männern gelenkten. Wie haben Sie das herausgefunden?

Nissen-Ruenzi: Es gibt in den USA einen kostenpflichtigen Datensatz, den CRSP Mutual Fund Database, aus dem man die Zuflüsse in alle in den USA ansässigen Aktienfonds berechnen kann. Diesen Datensatz haben wir verwendet, um jährliche Geldzuflüsse in diese Aktienfonds zu berechnen. Das Geschlecht des Fondsmanagers lässt sich ebenfalls aus diesem Datensatz ableiten, so dass wir dann durch einen Vergleich der Zuflüsse in Fonds mit männlichem beziehungsweise weiblichen Fondsmanager herausgefunden haben, dass weniger Geld in einen Fonds investiert wird, wenn dieser von einer Frau gemanagt wird - und zwar nachdem der Einfluss einer ganzen Reihe weiterer Einflussgrößen, die Zuflüsse beeinflussen können, herausgerechnet wurde.

mm: Wie groß ist der Volumensunterschied, statistisch gesehen?

Nissen-Ruenzi: Weibliche Fondsmanager sind im Durchschnitt für kleinere Fonds zuständig. Der durchschnittliche Volumensunterschied beträgt gut 138 Millionen US-Dollar.

mm: Und in Sachen Mittelzuflüsse?

Nissen-Ruenzi: Der durchschnittliche Fonds in unserem Beobachtungszeitraum von 1993 bis 2010 hat eine jährliche Wachstumsrate von gut 30 Prozent. Wird der Fonds von einer Frau gemanagt, hat der Fonds nur Zuflüsse von circa 15 bis 20 Prozent. Das bedeutet, dass die Wachstumsrate von Fonds sich fast halbiert, wenn eine Frau den Fonds managt.

mm: Bedeutet das auch, dass die Fonds - mangels Zuflüsse - eher von Schließung bedroht sind?

Nissen-Ruenzi: Das ist eine interessante Frage, die wir uns noch nicht angesehen haben.

mm: Wie hoch ist grundsätzlich der Anteil von Frauen im Fondsmanagement?

Nissen-Ruenzi: Der Anteil beträgt 10 Prozent. Dies entspricht interessanterweise ungefähr dem Anteil von Frauen in vielen anderen Führungspositionen wie zum Beispiel Unternehmensvorstände.

mm: Wie ist deren Leistung im Vergleich zur männlichen Konkurenz zu werten?

Nissen-Ruenzi: Wir finden in unserer Studie keinen Hinweis darauf, dass sich der Erfolg weiblicher und männlicher Fondsmanager unterscheidet, gemessen an der Rendite und verschiedenen Performancekennzahlen der Aktienfonds. Weibliche Fondsmanager weisen sogar einige aus Anlegersicht wünschenswerte Eigenschaften auf. So verfolgen sie konsistentere Anlagestile und ihre Performance ist stabiler über die Zeit.

mm: Woran liegt es dann, dass die Fonds weiblicher Fondsmanager eher gemieden werden?

Nissen-Ruenzi: Dafür kann es viele verschiedene Gründe geben: Von Frauen gemanagte Fonds könnten weniger beworben werden und deshalb weniger bekannt sein. Es könnte auch sein, dass Broker, die in den USA eine wichtige Rolle für die Investitionsentscheidung von Fondsinvestoren spielen, Fonds mit männlichem Manager stärker vertreiben. In unserer Studie zeigen wir, dass neben diesen Gründen auch Vorurteile gegenüber Frauen in der Finanzbranche eine Rolle spielen. In einem Experiment wiesen wir nach, dass die Teilnehmer mit den stärksten Vorurteilen gegen Frauen in der Finanzbranche am wenigsten in von Frauen gemanagte Fonds anlegen. Diese sogenannte kundenbasierte Diskriminierung trägt somit auch dazu bei, dass Fonds mit weiblichem Fondsmanger geringere Geldzuflüsse aufweisen - und ist vielleicht auch ein Grund, weshalb es in der Fondsbranche in den USA so wenige weibliche Manager gibt.

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