Samstag, 27. August 2016

Anlageprofi Flossbach "Die Aktie ist mit Abstand die beste Anlage"

Profitipps: Aktien, die Bert Flossbach im Depot hat
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Die Schuldenkrise und Konjunktursorgen treiben Anleger en masse aus dem Aktienmarkt. Allerdings nicht Bert Flossbach. Im Gegenteil, der erfolgreiche Vermögensverwalter erwartet eine heftige Inflation und hält die Aktie für das beste Mittel dagegen. Im Interview sagt er, warum.

mm: Herr Flossbach, der Aktienmarkt kennt momentan offenbar nur eine Richtung, nämlich abwärts. Überrascht Sie das?

Flossbach: Vom Ausmaß her schon. Grundsätzlich muss man zurzeit natürlich stets mit Schwankungen rechnen, insbesondere wegen der Unwägbarkeiten der Euro-Schuldenkrise.

mm: Immerhin wurden die Kursgewinne der Rally zu Jahresbeginn inzwischen wieder komplett aufgezehrt.

Flossbach: So ist es.

mm: Sie raten regelmäßig zum Erwerb von Aktien als Mittel gegen eine Inflation, die mit Sicherheit bevorsteht, wie Sie sagen. Bleiben Sie trotz der Kursstürze der vergangenen Wochen dabei?

Flossbach: Ich muss das korrigieren. Wir sehen nicht mit Sicherheit die Inflation kommen, sondern die Inflation ist die einzige praktikable Möglichkeit für viele Staaten, ihre hohen Schuldenquoten zu reduzieren. Daher ist sie hochwahrscheinlich. Die einzige Alternative wären Staatspleiten, sprich Haircuts. Die Schulden über Haushaltssanierungen zu reduzieren ist jedenfalls genauso unmöglich, wie über Realwachstum. Aber um Missverständnisse zu vermeiden: Die Aktie ist auch ohne große Inflation mit Abstand die attraktivste Anlage. Der Inflationsschutz macht sie sozusagen doppelt attraktiv.

mm: Momentan ist von steigender Inflation allerdings noch nicht viel zu bemerken. Im Gegenteil, zuletzt sank die Preissteigerungsrate. Zudem ist zu hören, dass das viele Geld, das die Notenbanken in die Märkte geben, und das für Inflation sorgen könnte, momentan gar nicht in der Realwirtschaft ankommt, sondern im Bankenbereich stecken bleibt. Mit welchem zeitlichen Horizont rechnen Sie bei Ihrem Szenario?

Flossbach: Ein übermäßiger Preisanstieg ist derzeit tatsächlich nicht zu beobachten. Allerdings wird oft vergessen, dass Inflationsraten von 2 Prozent und mehr angesichts einer Verzinsung, die je nach Laufzeit zwischen 0 und einem Prozent liegt, sehr hoch sind. Und das ist ja ein Wesensmerkmal einer "Financial Repression", die wir als Grundlage unseres Inflationsszenarios sehen: Wir haben einen negativen Realzins. Wenn Sie heute eine zehnjährige Bundesanleihe kaufen, dann wissen Sie, dass Sie damit in den nächsten zehn Jahren einen mehr oder weniger starken Vermögensverlust machen werden.

mm: Und wie lange geht es noch so weiter, bevor nach Ihrer Erwartung die Inflation anzieht?

Flossbach: Das geht gut, solange jemand die Schulden kauft. Treten die Investoren irgendwann in einen Käuferstreik, bleibt nur noch die Zentralbank, wie es in einigen Ländern schon der Fall ist. Ein immer größerer Teil der Staatsanleihen befindet sich ja schon im Besitz der jeweiligen Notenbanken. Das ist "Financial Repression" pur.

mm: Diese "Financial Repression", die Ihnen vorschwebt, wie sieht die genau aus?

Flossbach: "Financial Repression" ist das Mittel, das es Staaten ermöglicht, ihre Schuldenquoten per Inflation zu senken. Das Wesentliche ist der negative Realzins, der künstlich gedrückt wird. Und zwar durch die Zentralbanken, die entweder Bonds kaufen oder, wie in Amerika, den Leitzins dauerhaft niedrig halten. Begleitet wird dies durch Maßnahmen wie Basel III oder Solvency II, mit denen Banken und Versicherungen der Kauf von Staatsanleihen schmackhaft gemacht wird. Andere Anlagen dagegen werden den Investoren eher verlitten. Hinzu können Facetten kommen, die wir jetzt noch nicht sehen, beispielsweise das Besitzverbot bestimmter Anlagen ...

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