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07.04.2012
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Immobilien
Wieder Wetten auf US-Häusermarkt

Seit den Spitzenzeiten im Jahr 2006 sind die Häuserpreise in den USA um mehr als 30 Prozent gefallen, selbst 2011 gaben sie um 4 Prozent nach
REUTERS

Seit den Spitzenzeiten im Jahr 2006 sind die Häuserpreise in den USA um mehr als 30 Prozent gefallen, selbst 2011 gaben sie um 4 Prozent nach

Der Niedergang des US-Häusermarkts hatte die Welt in eine Krise gestürzt. Noch immer liegen die Preise für Immobilien in den Staaten am Boden, es ist unklar, ob oder wann sie sich erholen. Das hält die Spekulanten an der Wall Street nicht davon ab, wieder Wetten einzugehen.

New York/Frankfurt am Main - Die Schamfrist an der Wall Street scheint abgelaufen: Ausgerechnet der Investmentgigant Goldman Sachs - einer der wenigen Profiteure des Immobilien-Crashs vor fünf Jahren - rührt bei Großanlegern die Werbetrommel für einen neuen Fonds, der auf die Erholung des US-Häusermarkts setzt. Ebenfalls mit von der Partie sind einige der Hedgefonds-Manager, die seinerzeit am aggressivsten auf den Zusammenbruch spekuliert hatten. Die Wette könnte allerdings nach hinten losgehen.

Denn fast fünf Jahre nach dem Kollaps gleicht der Häusermarkt noch immer einem Patienten in Schockstarre. Gelingt die Wiederbelebung? Die jüngsten Veröffentlichungen statistischer Daten zeichnen ein diffuses Bild. Im Zuge der einsetzenden konjunkturellen Erholung scheint sich neben dem Arbeitsmarkt endlich auch der Immobiliensektor etwas zu stabilisieren. Von einem wirklichen Aufschwung kann aber noch keine Rede sein.

Seit den Spitzenzeiten im Jahr 2006 sind die Häuserpreise um mehr als 30 Prozent gefallen, selbst 2011 gaben sie um 4 Prozent nach. Damit stehen die Hausbesitzer unter anhaltendem Druck: Darlehen im Volumen von mehr als 150 Milliarden Dollar (114 Milliarden Euro) konnten letztes Jahr nicht pünktlich zurückgezahlt werden und über zehn Millionen Schuldner stehen mit Summen in der Kreide, die den Wert ihrer Immobilien übersteigen. Die Hypothek ist "unter Wasser", heißt das in der Fachsprache.

Vor diesem Hintergrund muten die "attraktiven Investitionsmöglichkeiten", mit denen die US-Investmentbank Goldman Sachs Chart zeigen für seinen neuen Fonds "U.S. Housing Recovery" wirbt, etwas euphemistisch an. Die Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg konnte einen Blick in den Verkaufsprospekt erhaschen. Goldman selbst nahm auf Anfrage keine Stellung.

Gewinner der Immobilienblase 2007

Goldman hatte vor dem Platzen der US-Immobilienblase 2007 im großen Stil auf sinkende Häuserpreise gesetzt - und damit viel Geld verdient. Kritiker werfen der Firma allerdings vor, die Gewinne auf Kosten ihrer Kunden gemacht zu haben. Die Bank soll ihren Klienten noch verbriefte Hypothekenkredite angedient haben, als sie selbst schon lange das Vertrauen in diese Anlageform verloren hatte. Davon zumindest sind mehrere US-Senatoren und die Börsenaufsicht SEC überzeugt. Sie machten regelrecht Jagd auf Goldman. Die SEC brummte der Bank in einem Fall eine Strafe von 550 Millionen Dollar auf.

Als Tippgeber und Partner mit im Boot war damals der New Yorker Hedgefondsmanager John Paulson - auch er sammelt schon länger wieder die mit Hypotheken hinterlegten Wertpapiere ein, die in der Finanzkrise so viele Anlageportfolios vergiftet und die Märkte an den Rand des Kollaps gebracht hatten. Komplettiert wird die Riege der "Totengräber", die inzwischen auf die Wiederauferstehung des US-Häusermarkts setzen, durch den texanischen Hedgefonds-Manager Kyle Bass und den ehemaligen Deutsche-Bank-Star-Händler Greg Lippmann.

Ob der Markt auf die Beine kommt ist ungewiss

Bei ihrer Wette auf die Wiederbelebung des Immobilienmarkts wähnen die Spekulanten einen mächtigen Verbündeten an ihrer Seite: die US-Notenbank, die Federal Reserve (Fed). Sie wendet seit dem Jahr 2008 immer neue Milliardensummen auf, um den Markt durch Ankäufe hypothekenbesicherter Wertpapiere zu beleben. Doch die Fed dürfte ihr Engagement eher zurückfahren. Die ultralockere Geldpolitik, zu der auch der Ankauf von Immobilienanleihen zählt, soll bis auf weiteres nicht ausgeweitet werden.

Ob der Markt von selbst wieder auf die Beine kommt, ist ungewiss. Dass der NAHB-Index, ein von der nationalen Organisation der Wohnungsbauunternehmen ermitteltes Stimmungsbarometer, inzwischen den besten Wert seit Juni 2007 erreicht hat, beeindruckt Experten wenig. "Die negative Dynamik lässt nach - mehr nicht", sagt Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank.

Die Skepsis scheint angebracht. Der bis März deutlich gestiegene Index steht bei 28 Punkten, doch erst ab 50 Zählern wird ein Aufschwung signalisiert. Stefan Schilbe, Chefvolkswirt beim Bankhaus HSBC Trinkaus, resümiert: "Es ist erst ein kleiner Schritt getan, und der Immobilienmarkt bleibt eine Achillesferse der US-Wirtschaft."

Von Hannes Breustedt, dpa

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