Freitag, 14. Dezember 2018

Börsengang des Onlinenetzwerks Facebook-Prospekt lässt Fragen offen

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg dürfte der Börsengang zu einem der reichsten Menschen der Welt machen

Facebook hat seinen Börsenprospekt veröffentlicht und damit den ersten Schritt an die Börse unternommen. Das Emissionsvolumen ist vergleichsweise bescheiden, das Umsatzwachstum rasant. Doch die Zahlen wecken Zweifel an einer Bewertung von bis zu 100 Milliarden Dollar.

New York - Am späten Mittwoch veröffentlichte das weltgrößte soziale Netzwerk seinen Börsenprospekt, mit dem es bei Investoren für seine Aktien wirbt. Entsprechende Papiere wurden Handelsschluss an der Wall Street bei der US-Aufsichtsbehörde SEC eingereicht. Einen Termin für den eigentlichen Gang aufs Parkett gibt es noch indes noch nicht. Gründer Mark Zuckerberg könnte damit auf einen Schlag zu einem der reichsten Menschen der Erde werden. Sollte das soziale Online-Netzwerk auf Anhieb auch unter Aktienhändlern genügend "Freunde" finden, steht der endgültige Schritt aufs Börsenparkett wohl in drei bis vier Monaten bevor.

Bei der Emission der Aktien wolle Facebook fünf Milliarden Dollar (3,94 Milliarden Euro) erlösen, hieß es in den der Börsenaufsicht vorgelegten Unterlagen. In den kommenden Monaten wird die Finanzabteilung des Unternehmens die Nachfrage der Investoren abschätzen. Die endgültige Summe dürfte in diesem Zeitraum noch weiter ansteigen. Acht Jahre nach der Gründung an der Universität von Harvard wird das Online-Netzwerk damit voraussichtlich zu den wertvollsten Unternehmen der Welt gehören.

Facebook verbindet heute gut 800 Millionen Nutzer, von denen nur ein Viertel im Heimatmarkt sitzen. "Bei sozialen Netzwerken ist Facebook der Platzhirsch schlechthin. Es ist die Firma, an der sich alle messen", sagte kurz vor der offiziellen Bekanntgabe des Börsengangs der Analyst Michael Gartenberg von der Beratungsfirma Gartner.

Wie das Börsenprospekt weiter verrät, wächst Facebook rasant und verdient auch Geld, vor allem mit Werbeeinnahmen: Im vergangenen Jahr blieben unterm Strich eine Milliarde Dollar übrig, 2010 waren es 606 Millionen Dollar und 2009 immerhin schon 229 Millionen Dollar. Der Umsatz lag zuletzt bei 3,7 Milliarden Dollar, ein Plus von 88 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Zuckerberg hat weiter das Sagen

Viele Investoren stellen sich aber die Frage, ob diese Zahlen die kolportierte Firmenbewertung von 75 bis 100 Milliarden Dollar rechtfertigen. Facebook selbst lässt in dem Börsenprospekt noch keine Rückschlüsse zu, welchen Wert das Management dem Unternehmen zumisst. Weder wird die Anzahl der auszugebenden Aktien angegeben, noch der Preis für das einzelne Papier.

Bis zum eigentlichen Börsengang, der für das späte Frühjahr oder den Sommer erwartet wird, wird Facebook die Informationen noch nachreichen. Dann wird auch feststehen, von wie vielen Anteilen sich Gründer Mark Zuckerberg selbst trennt. Noch klafft an dieser Stelle im Prospekt eine Lücke. Zuckerberg hält laut den Angaben gut 28 Prozent der Anteile. Das gesamte Management kommt auf 70 Prozent, der Rest liegt bei Finanzinvestoren. Allerdings haben nicht alle Aktien auch das gleiche Stimmrecht - und der Besitzer damit den gleichen Einfluss auf die Geschicke des Unternehmens.

Zuckerberg selbst hält Aktien der Klasse B mit zehn Stimmen, während Anleger beim Börsengang A-Aktien mit nur einer Stimme erhalten werden. Damit hat Zuckerberg auch künftig das Sagen bei seinem Baby Facebook. Weil andere Anteilseigner ihm ihre Stimmen übertragen haben, kommt Zuckerberg momentan sogar auf 57 Prozent aller Stimmrechte. Zuckerberg wollte die Kontrolle über sein Unternehmen lange gar nicht aus der Hand geben. Statt eines Börsengangs sammelte er in mehreren nicht öffentlichen Finanzierungsrunden Geld von großen Investoren ein. Mehrfach schlug er milliardenschwere Kaufangebote aus, zuletzt vom Internetriesen Google.

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