Mittwoch, 28. Juni 2017

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Trotz Abstufung Spanien und Frankreich gewinnen Anleger

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Den ersten großen Markttest nach der reihenweisen Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit haben die Euro-Länder bestanden. Sowohl Spanien als auch Frankreich fanden am Donnerstag reißenden Absatz für ihre Anleihen. Die Zinsen für ihre Schulden sanken teils deutlich.

Madrid/Paris - Spanien kann sich derzeit auch bei langlaufenden Staatsanleihen wieder günstiger verschulden. Bei der ersten Auktion von 10-jährigen Papieren nach der Herabstufung durch die Ratingagentur S&P bot Spanien den Anlegern am Donnerstag eine Rendite von 5,403 Prozent und damit weniger als zuletzt. Zum Vergleich: Ende 2011 konnte das hoch verschuldete Land die Investoren nur noch mit Zinsen von fast sieben Prozent locken. Ein solch hohes Niveau gilt für die Refinanzierung von Staaten mittelfristig als untragbar.

Spanien platzierte am Donnerstag auch Anleihen mit Laufzeiten bis 2016 und 2019 und sammelte insgesamt rund 6,6 Milliarden Euro ein. Geplant war nur ein Volumen von bis zu 4,5 Milliarden. Bereits Anfang der Woche hatte Spanien bei der Emission von Schuldscheinen mit einer Laufzeit von bis zu 18 Monaten von sinkenden Renditen profitiert.

Auch Frankreich hat seinen ersten richtigen Härtetest nach dem Verlust der Spitzenbonität erfolgreich über die Bühne gebracht. Investoren griffen am Donnerstag beherzt bei einer Versteigerung von Anleihen mit Laufzeiten bis 2014, 2015 und 2016 zu. Frankreich konnte insgesamt knapp 8 Milliarden Euro einsammeln und sein Platzierungsziel somit problemlos erreichen. Die Zinsen, die Frankreich bieten musste, gingen in allen Laufzeitbereichen deutlich zurück. Die Nachfrage nach den Titeln hätte ausgereicht, um mindestens das Doppelte Volumen am Markt unterzubringen.

Nachdem die Ratingagentur Standard & Poor's am vergangenen Freitag Frankreichs Top-Bonität "AAA" kassiert hatte, stand die heutige Anleiheauktion unter besonderer Beobachtung. Obwohl die Rating-Entscheidung laut Experten abzusehen gewesen und an den Finanzmärkten bereits weitgehend eingepreist war, wurde vor der Auktion von einigen Analysten durchaus Enttäuschungspotenzial ausgemacht.

Am Dienstag hatte Frankreich bereits zu deutlich gesunkenen Zinsen 8,6 Milliarden Euro mit Geldmarktpapieren bei Anlegern aufgenommen. Nach bisherigem Stand scheinen die S&P-Herabstufungen Investoren wenig beeindruckt zu haben: Auch eine 1,5 Milliarden Euro schwere Geldmarktauktion des Euro-Rettungsschirms EFSF am Dienstag verlief ausgesprochen erfolgreich. Nach der Herabstufung Frankreichs und Österreichs hatte auch der Krisenfonds seine Spitzenbonität eingebüßt.

Anleihe-Experten erklären die starke Nachfrage bei Versteigerungen kurzer Laufzeiten am Primärmarkt unter anderem mit einer Geldspritze der Europäischen Zentralbank (EZB): Viele Geschäftsbanken hätten aufgrund der günstigen Dreijahreskredite, die die EZB ihnen im Dezember ausgereicht hatte, ausreichend liquide Mittel. Kurzfristige Staatsschuldverschreibungen stellten dafür eine gute Parkmöglichkeit dar. Darüber hinaus hatte sich die Lage am Sekundärmarkt, wo bestehende Staatstitel gehandelt werden, zuletzt spürbar aufgehellt. Die Renditen waren auch hier deutlich rückläufig gewesen.

ak/rtr/dpa-afx

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