Samstag, 25. März 2017

Börse Staatslenker zerstritten - Dax taucht ab

Gespräche festgefahren: Die Staatslenker Papandreou, Sarkozy und Merkel (v.l.) kommen in wichtigen Fragen nicht voran

Vor dem EU-Gipfel zur Lösung der Schuldenkrise zeigen sich Europas Staatslenker zerstritten. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die geplante Regierungserklärung zum Europäischen Rat kurzfristig abgesagt. Der Dax beschleunigt seine Talfahrt.

Frankfurt am Main - Noch immer keine klare politische Linie zur Euro-Rettung: Spekulationen über eine mögliche Verschiebung des EU-Gipfels am Wochenende haben am Donnerstagnachmittag den Börsen zugesetzt.

Der Dax Börsen-Chart zeigen beendete den Xetra-Handel 2,5 Prozent tiefer auf 5766 Punkten. Für den MDax Börsen-Chart zeigen ging es am Donnerstag um 2,5 Prozent auf 8.705 Punkte nach unten. Der TecDax Börsen-Chart zeigen büßte aufgrund von Kursgewinnen einiger Schwergewichte lediglich 1,33 Prozent auf 679,85 Punkte ein.

Am späten Nachmittag drehte ferner die Wall Street ins Minus und beschleunigte damit die Abwärtsbewegung der wichtigsten deutschen Indizes.

Der Euro drehte ebenfalls ins Minus und notierte bei 1,3734 Dollar.

Wie die Zeitung "Die Welt" berichtete, schließt die Bundesregierung eine Verschiebung des von den Finanzmärkten mit Spannung erwarteten Gipfels nicht aus, weil die Verhandlungen über den Einsatz eines Hebels für den Euro-Rettungsschirm EFSF stockten.

Aus Koalitionskreisen hieß es, der EU-Gipfel werde am Wochenende zwar stattfinden, aber keine Entscheidung über eine EFSF-Hebelwirkung treffen.

"Die Querelen vor dem Gipfel belasten", sagte ein Händler in Frankfurt. "Die Erwartungen sind sehr hoch gewesen, so dass sich so etwas natürlich in Enttäuschung niederschlägt", sagte der Händler. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte kategorisch ausgeschlossen, dass sich der Krisenfonds EFSF wie von Frankreich gefordert weitere Mittel über die Europäische Zentralbank beschaffen könnte .

Europas Banken brauchen bis zu 340 Milliarden Euro

Deutlich nach unten ging es für die Aktien der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, die fast 5 Prozent einbüßten. Die Anteilsscheine der Commerzbank Börsen-Chart zeigen hingegen verloren nur 0,9 Prozent. Börsianer verwiesen unter anderem auf eine Barclays-Studie. Darin heißt es, dass unter Annahme verschiedener Szenarien der Kapitalbedarf der europäischen Banken zwischen 174 und bis zu 340 Milliarden Euro liegen könnte.

Bislang sei der Markt von 100 bis 220 Milliarden ausgegangen, sagte ein Händler. Andere Marktteilnehmer nannten wiederum einen Bericht der "Financial Times", wonach sich der Kapitalbedarf auf lediglich 70 bis 90 Milliarden Euro belaufen könnte.

Belastet von einer negativen Studie fielen die Papiere von ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen um 4 Prozent. Cheuvreux hatte zuvor das Kursziel um zehn Euro auf 34,00 Euro gesenkt, die "Outperform"-Einstufung aber beibehalten.

Glasfaserkabelhersteller Adva erzielt höhere Marge

Im TecDax kletterten die Aktien von Adva Optical Börsen-Chart zeigen nach der Vorlage von Quartalszahlen um knapp 10 Prozent. Ein Händler lobte die Marge des Glasfaserkabelspezialisten. Zudem sei das ausgegebene Margenziel für das vierte Quartal besser als erwartet, obwohl die Umsatzprognose etwas unter den Annahmen des Marktes geblieben sei.

Nokia überrascht mit schwarzen Zahlen

Ein überraschender Gewinn im dritten Quartal hat die Titel von Nokia Börsen-Chart zeigen am Donnerstag an die Spitze des EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen katapultiert. Die Aktien des weltgrößten Handy-Herstellers schossen um 10,5 Prozent auf 4,95 Euro nach oben und waren damit so teuer wie seit Ende Mai nicht mehr. Die Nokia-Papiere sind in diesem Jahr bisher um 36 Prozent abgerutscht, da der Konzern auf dem hart umkämpften Markt für Smartphones lange Zeit den Anschluss verloren hatte.

Der französische Elektronikkonzern Schneider Electric Börsen-Chart zeigen hat seine Gewinnaussichten erneut leicht nach unten korrigiert, worauf die Papiere als Schlusslicht im EuroStoxx Börsen-Chart zeigen um mehr als 7 Prozent abrutschten. Der starke Schweizer Franken belastet derweil die Geschäfte des weltgrößten Lebensmittelkonzerns Nestle. Die Titel gaben um 0,4 Prozent nach.

Am Rentenmarkt steuerten die Anleger die als sicher geltenden zehnjährigen deutschen Bundesanleihen an. Die Kurse stiegen, die Renditen gingen leicht zurück auf 2,027 Prozent nach 2,071 Prozent am Vortag.

Spanien konnte sich trotz einer erneuten Herabstufung der Kreditwürdigkeit zu teilweise deutlich günstigeren Konditionen refinanzieren. Insgesamt habe das Land 3,91 Milliarden Euro mit Anleihen längerer Laufzeit platziert, teilte die spanische Notenbank am Donnerstag in Madrid mit. Obwohl die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit des Euro-Mitglieds zu Beginn der Woche um zwei Stufen zurückstufte, lag der Zinssatz einer zehnjährigen Anleihe bei 5,433 Prozent. Im Juli musste das Land bei einer vergleichbaren Auktion noch 5,896 Prozent akzeptieren.

Die Ölpreise sanken im asiatischen Handel. Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent Börsen-Chart zeigen zur Lieferung im Dezember kostete 108,02 US-Dollar und damit 37 Cent weniger als zum Handelsschluss am Mittwoch. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI (West Texas Intermediate) zur November-Lieferung fiel um 46 Cent auf 85,65 Dollar.

ak/rtr/dpa-afx

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