Donnerstag, 21. September 2017

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Dax-Geflüster Vorsicht, Bullenfalle!

Optimisten in der Falle: Wer an der Börse im falschen Moment auf steigende Kurse setzt, erleidet Verluste

Erfreuliche Konjunkturdaten und die Aussicht auf einen Schuldenschnitt für Griechenland sowie frisches Kapital für europäische Banken machen Anlegern Hoffnung. So kletterte der Dax seit dem großen Einbruch im August um 20 Prozent. Doch Vorsicht: Noch ist die Krise alles andere als vorbei.

Hamburg - Krise? Welche Krise? Das könnte man denken, wenn man sich an der Börse die Kursentwicklung der vergangenen Wochen anschaut. Von Ende Juli bis Anfang September war der Dax Börsen-Chart zeigen heftig eingebrochen. Seither hat er jedoch wieder um rund 20 Prozent zugelegt, sodass inzwischen erneut der Sprung über die Marke von 6000 Punkten getestet wird.

Haben die Anleger die Euro-Schuldenkrise also abgehakt? Haben sie ihre Sorgen um die Konjunktur in vielen Ländern Europas sowie in den USA vergessen? Es hat ganz den Anschein, als hätten die Bullen, die Optimisten also, an der Börse wieder die Oberhand.

Doch Vorsicht, erfahrene Börsianer kennen die Bullenfalle: Ein zuversichtlicher Anleger steigt in den Markt ein, weil er von steigenden Kursen ausgeht - und wird dann abrupt vom Gegenteil überrascht. Es spricht einiges dafür, dass genau diese Gefahr zurzeit am Aktienmarkt besteht.

Denn was sind die Gründe für die aktuellen Kursanstiege? Da ist zum einen der konjunkturelle Ausblick, der inzwischen nicht mehr ganz so düster erscheint, wie noch vor Wochen. Deutschland etwa scheint noch einmal glimpflich davon zu kommen, eine erneute Rezession steht hierzulande offenbar nicht bevor. Zuletzt kamen am Donnerstag die führenden Forschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten zu dieser Vorhersage.

Kaum Gründe für einen echten Börsenaufschwung

Zum anderen haben offenbar die jüngsten Entwicklungen in der Euro-Schuldenkrise die Sorgen der Anleger ein wenig gemildert. Offensichtlich erkennt nun auch die EU-Spitzenpolitik, dass an einem Schuldenschnitt für Griechenland kein Weg vorbeiführt. Zudem sollen Europas Banken mit mehr Eigenkapital ausgestattet werden, damit sie einen solchen Forderungsausfall besser verkraften können.

"Für die aktuelle Kursrallye sind hauptsächlich zwei Grunde zu nennen", sagt Wolfgang Leoni, Chief Investment Officer und Mitglied des Vorstands Sal. Oppenheim. "Zum einen haben sich die Konjunkturdaten stabilisiert, vor allem in den USA. Zum anderen gibt es die Phantasie, dass die Bundeskanzlerin und der französische Staatspräsident in ihrem angekundigten Programm zur Lösung der Schuldenkrise Maßnahmen verkunden, die weit über die bisher realisierten Lösungsansätze hinausgehen."

Schließlich, so berichten Fachleute, spielen technische Gründe eine wichtige Rolle: Viele Anleger hätten sich in den vergangenen Wochen für weiter fallende Kurse positioniert und seien durch Kursanstiege auf dem falschen Fuß erwischt worden. Als Reaktion mussten sie sich mit Papieren eindecken, was die Kurse zusätzlich angetrieben habe (der so genannte Short-Squeeze).

Die Frage ist nun: Sind das Gründe genug, um einen anhaltenden Börsenaufschwung zu rechtfertigen? Die Antwort fällt nicht schwer: offensichtlich nicht.

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