Freitag, 14. Dezember 2018

Hongkong Glanzloser Börsengang von Prada 

Verhaltene Freude: Teresa Ko von der Hongkonger Börse mit Prada-Chef Patrizio Bertelli (m.) und Ronald Arculli, ebenfalls Börse Hongkong, beim IPO

Der italienische Luxuskonzern Prada hat ein eher maues Börsendebüt in Hongkong gegeben. Die Aktien, die Prada günstiger abgegeben hatte, als ursprünglich geplant, verzeichneten kaum Gewinne. Der Gang auf das Parkett brachte dem Unternehmen rund 1,5 Milliarden Euro ein.

Hongkong/Mailand - Der italienische Luxusmodekonzern Prada hat nach mehreren vergeblichen Anläufen sein Börsendebüt gegeben. Auf dem Wachstumsmarkt Asien, an der Börse von Hongkong, wurde die Aktie am Freitag erstmals gehandelt. Der Verkauf von Anteilen bringt dem wegen seiner Taschen und Schuhe bekannten Traditionsunternehmen knapp 1,5 Milliarden Euro ein - es bleibt aber unter Kontrolle der Familie.

"Wir sind das erste italienische Unternehmen hier an der Börse von Hongkong, und das ist ein historisches Ereignis", sagte Prada-Chef Patrizio Bertelli, der Ehemann von Miuccia Prada, Enkelin des Firmengründers. "Ich bin sicher, dass der chinesische Markt ein interessanter Markt für Luxusmarken ist." Der Börsengang erhöht zudem die Bekanntheit einer Marke.

Prada verkaufte insgesamt rund 423 Millionen Aktien zu 39,50 Hongkong-Dollar (3,55 Euro) pro Stück. Der Kurs der Aktie stieg am Freitag nur leicht auf 39,60 Hongkong-Dollar. Zunächst hatte Prada 48,00 Hongkong-Dollar verlangen und damit rund 1,8 Milliarden Euro einnehmen wollen. Doch bei dem Preis schreckten viele Anleger zurück.

319 Läden, 1900 Angestellte, zwei Milliarden Euro Umsatz

Prada hatte in den vergangenen Jahren mehrfach einen Börsengang geplant, ihn aber jedes Mal wieder abgeblasen, weil die Firma einen Verkauf ihrer Anteile unter Wert befürchtete. Auch nach dem Börsengang in Hongkong hält die Familie 82,5 Prozent der Anteile. Davor waren es 94,9 Prozent. Die italienische Bank Intesa Sanpaolo, die 5,1 Prozent hielt, behielt nur rund ein Prozent an Prada.

Das Unternehmen gibt es seit 1913, als Mario Prada in der Galleria Vittorio Emanuele II in Mailand ein Geschäft für feine Lederwaren eröffnete, und wurde 1919 Lieferant der königlichen italienischen Familie. Seine Enkelin Miuccia übernahm die Leitung Ende der 70er Jahre und baute das Unternehmen zusammen mit ihrem Ehemann kräftig aus: Sie nahm Schuhe ins Sortiment, Brillen, Parfum. 1988 nahm Prada erstmals mit einer Damenkollektion an der Mailänder Modenschau teil.

Heute hat die italienische Firma 319 Geschäfte in aller Welt und 1900 Angestellte. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr rund zwei Milliarden Euro, der Gewinn 250 Millionen Euro - ein Plus von 150 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wozu vor allem die Nachfrage in Asien beitrug. In der Region verkauft Prada mittlerweile am meisten und wächst am schnellsten.

Ende Juni will das nächste italienische Modeunternehmen an die Börse gehen: Salvatore Ferragamo. Das ursprünglich aus Florenz stammende Unternehmen wählte allerdings die Mailänder Börse für sein Debüt. Der Preis für die Aktie liege bei neun Euro, teilte Ferragamo am Donnerstagabend mit. Das Unternehmen will knapp 23 Prozent der Anteile verkaufen und damit rund 375 Millionen Euro einnehmen. Das Geld ist für die Expansion gedacht - nach Asien.

cr/afp

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