Samstag, 23. Februar 2019

Dax-Geflüster Das späte Comeback der USA

Noch sind nicht alle Lichter aus: Das Kapitol in Washington, Zentrum der US-Politik - auch der Wirtschaftspolitik

Noch entstehen nicht so viele Jobs wie erhofft, doch die US-Konjunktur nimmt offenbar Fahrt auf. Das ist gut für viele Dax-Unternehmen, die zum Teil extrem auf den Boom der Schwellenländer ausgerichtet sind. Über Lebenszeichen aus den USA können sich zum Beispiel Anleger von VW, Daimler und BMW freuen. 

Hamburg - Seit Freitagnachmittag ist es amtlich: Die US-Wirtschaft befindet sich offenbar in besserer Verfassung als noch vor Wochen angenommen. Die Zahl der Jobs außerhalb der Landwirtschaft stieg in den Vereinigten Staaten im Dezember um mehr als 100.000, teilte die US-Regierung mit. Die Vormonatszahlen wurden zudem nach oben revidiert.

Die Arbeitslosenquote ist außerdem auf 9,4 Prozent gefallen und ist so niedrig wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Fed-Chef Ben Bernanke sprach am Freitag vor dem Kongress von "hoffnungsvollen Zeichen" für die Konjunktur.

Auch andere Indikatoren deuten darauf hin, dass die US-Wirtschaft endlich Fahrt aufnimmt: Mehrere Einkaufsmanagerindizes etwa zeigen ein deutliches Wachstum an. Die Auftragszahlen steigen vielerorts ebenso wie die Bauausgaben. Und am Immobilienmarkt ziehen die Mieten an, während die Leerstände sinken.

Es scheint so, als zeigten die massiven Konjunkturhilfen aus Washington endlich Wirkung. Erst kürzlich hatten sich Regierung und Kongress auf ein gewaltiges Steuerpaket geeinigt und die Steuererleichterungen für mittlere Einkommen wie auch für Spitzenverdiener verlängert. Und die Fed pumpt seit Monaten gigantische Summen in die Märkte.

Die Experten von der Commerzbank jedenfalls sind optimistisch und haben ihre Prognose für das US-Wachstum im laufenden Jahr um einen vollen Prozentpunkt nach oben geschraubt - von 3 auf 4 Prozent. Der Konsens unter den Fachleuten insgesamt, so die Commerzbank, liegt bei etwa 2,7 Prozent, mit steigender Tendenz. "Ich würde die Daten vom Arbeitsmarkt als Anzeichen für eine anhaltende Belebung werten", ergänzte Analyst Oliver Pursche von Gary Goldberg Financial Services.

Geht es der US-Wirtschaft gut, geht es auch deutschen Exporteuren gut

Die Entwicklung erfreut auch die Anleger am deutschen Aktienmarkt. Der Dax Börsen-Chart zeigen reagierte zunächst mit einem Zickzackkurs auf die US-Jobdaten, konnte sein Minus bis Xetra-Schluss jedoch in Grenzen halten. Automobilwerte wie VW und Daimler legten gegen den Trend zu.

Der Grund liegt auf der Hand: Geht es der US-Wirtschaft gut, dann geht es auch den deutschen Exporteuren gut. Mit einem jährlichen Volumen von mehr als 54 Milliarden Euro sind die USA das zweitgrößte Ziel deutscher Ausfuhren nach Frankreich (81 Milliarden Euro).

Und gerade in der aktuellen Situation kommt vielen Firmen hierzulande eine wieder auflebende Nachfrage aus den Vereinigten Staaten besonders zupass. Die deutsche Konjunktur befindet sich nach dem beeindruckenden Comeback im vergangenen Jahr zwar weiter auf stabilem Expansionspfad. Und die Exporteure haben dazu einmal mehr den größten Teil beigetragen. Allein im dritten Quartal 2010 erhöhten sich die deutschen Exporte um satte 21,5 Prozent. Insgesamt betrug das Plus in den ersten drei Quartalen 19 Prozent, so das Statistische Bundesamt.

Gefährliche Abhängigkeit von Fernost

Viele Unternehmen stützen ihren Erfolg jedoch mehr und mehr auf das Wachstum von Schwellenländern wie Chinas. Und die rasante Entwicklung dort, so meinen skeptische Beobachter, eröffnet zwar gewaltige Absatzchancen. Sie sei jedoch auch mit erheblichen Risiken und Unwägbarkeiten verbunden.

Das beste Beispiel ist die deutsche Autoindustrie, die in China in den vergangenen Jahren eine sagenhafte Erfolgsgeschichte geschrieben hat. Volkswagen Börsen-Chart zeigen setzt dort inzwischen so viele Fahrzeuge ab wie in keinem anderen Land auf der Welt. Auch für Daimler Börsen-Chart zeigen, BMW Börsen-Chart zeigen und Porsche Börsen-Chart zeigen wird die Volksrepublik nach Einschätzung von Analysten spätestens 2015 der größte Absatzmarkt sein. Anlässlich des Deutschland-Besuchs von Chinas Vize-Premierminister Li Keqiang stehen Volkswagen und Daimler vor dem Abschluss neuer Milliardenverträge. "In China", so Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB, "haben die deutschen Autohersteller aufgrund der geringen Fahrzeugdichte das größte Absatzpotenzial."

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