Freitag, 27. Mai 2016

Euro-Krise "Wir enden in einer Fiskalunion"

Euro in Schwierigkeiten: Die Krise wird noch lange dauern, meint Tom Elliott von JP Morgan

Griechenland wankte, Irland taumelt - und wie geht es weiter? Es läuft auf eine Fiskalunion in der Europäischen Union zu, meint Tom Elliott, Global Strategist bei JP Morgan Asset Management.  Dieses Szenario sei wahrscheinlicher als der Austritt einzelner Länder.

mm: Herr Elliott, kaum ist Griechenland aus den Schlagzeilen, rückt Irland die EU-Schuldenkrise wieder ins Bewußtsein. Ist es der Beginn einer neuen Krise?

Elliott: Die Krise wird weiter und weiter gehen. Ich denke, für die Zukunft zeichnen sich daher zwei Szenarien ab. Szenario eins: einige Länder scheren aus der Währungsunion aus, zum Beispiel Deutschland. Nummer zwei: wir enden in einer Fiskalunion. Und dieses Szenario halte ich für das wahrscheinlichere.

mm: Eine Fiskalunion trotz der massiven Widerstands von Ländern wie Österreich, Frankreich oder Deutschland, die sich auch schon gegen die Einführung von Euro-Bonds wehren?

Elliott: Ja. Aber das dauert natürlich viele Jahre.

mm: Derweil schimpfen viele ausländische Beobachter über die harte Haltung der deutschen Kanzlerin, Angela Merkel …

Elliott: Ich finde das etwas übertrieben. Was soll die Bundeskanzlerin ihrer Bevölkerung aber auch anderes erzählen? Sie ist ein einer sehr schwierigen Situation.

mm: Wird der Euro durch den vielstimmigen Streit der europäischen Politiker zerrieben? Im Wochentakt gibt es neue Streitpunkte.

Elliott: Ich denke nicht, das die Politiker zu offen über solche Themen reden. Zwar hat Kommissionspräsident Manuel Barroso Merkel verwarnt, sie möge über manche Dinge lieber nicht sprechen. Merkel indes wird bestraft, weil sie fragt, was denn nach 2013 geschieht, wenn der Schutzschirm endet. Dabei ist das eine sehr berechtigte Frage. Frau Merkel steht unter gewaltigem Druck. Aus deutscher Sicht kann man da schon zynisch sein.

mm: Aber hat sie nicht durch solche Einwürfe die Finanzierungskosten für Irland und Co. nach oben getrieben?

Elliott: Die Spreads für irische Anleihen sind bereits vorher angestiegen.

mm: Die Diskussion um Inflation oder Deflation scheint von den akuten Entwicklungen überlagert zu sein - oder täuscht das?

Elliott: Es mag etwas untergegangen sein, aber es bleibt das prägende Thema. Und sie schlägt ja auf alles durch. In einer Inflation kann ich nach einer Gehaltserhöhung fragen, in einer Deflation nicht - es gibt ja viele, die meinen Job machen würden.

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