Donnerstag, 14. Dezember 2017

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Börsen-Vorschau Schicksalswoche für Griechenland

Börse in Athen: Die Regierung Tsipras muss rasch eine Reformliste vorlegen - Mitte April droht Athen das Geld auszugehen

Vor Ostern erwarten Anleger keine großen Sprünge an den Märkten. Allerdings gilt das nicht für die Börse in Athen. Und auch Daimler und Beiersdorf geraten vor den Feiertagen noch einmal in den Blick.

Börsianer gehen davon aus, dass der Dax in der Woche vor Ostern die Marke von 12.000 Zählern nicht mehr zurückerobern wird. "Nach dem starken Jahresauftakt scheint die Luft erst einmal raus zu sein", sagte LBBW-Analyst Uwe Streich. Die Profi-Anleger seien dabei, Kasse zu machen und sich an die Seitenlinie zu stellen. Schließlich beläuft sich das Dax -Plus seit Jahresanfang immer noch auf satte 20 Prozent.

Doch Kurs-Rücksetzer werden laut Börsianern von vielen Anlegern weiterhin gerne als Einstieg genutzt. In Summe dürfte der Index also kaum vom Fleck kommen.

Am Freitag blieb der Dax Börsen-Chart zeigen mit einem Schlusskurs von 11.868 Punkten in Sichtweite seines Rekordhochs, auf Wochensicht verlor er jedoch 1,4 Prozent.

Auch Helaba-Strategin Claudia Windt zufolge ist es Zeit für eine Verschnaufpause am Aktienmarkt. Mit dem Ende der Berichtssaison gingen ein wenig die Themen aus. "Der Ausblick der deutschen Unternehmen auf das Jahr fiel eher verhalten aus, Geldpolitik und Euro-Schwäche sind bereits überproportional in den Kursen berücksichtigt worden", ergänzte sie.

Griechenland und Jemen dürften Investoren beschäftigen

Zu Wochenbeginn dürfte das Thema Griechenland wieder stärker in den Fokus der Anleger rücken. Die Führung in Athen wollte ihre Reformvorschläge bis spätestens Montag auf den Tisch legen. Wirtschaftsminister Georgios Stathakis äußerte zuletzt die Erwartung, dass sein Land sich mit der Eurogruppe auf weitere finanzielle Hilfen einigt. "Fakten dazu fehlen jedoch", urteilten die Analysten der National-Bank. "Außerdem wäre die Eurogruppe gut beraten, wenn sie die Mittel nicht auf Grundlage von Reformvorschlägen freigibt, sondern erst einmal die Umsetzung in Gesetze und deren Vollzug abwartet."

Griechenland hat noch Geld bis Mitte April

Wenn keine finanzielle Hilfe mehr fließt, geht dem Land Regierungskreisen zufolge voraussichtlich am 20. April das Geld aus. Die neue griechische Regierung ringt seit Wochen mit den Euro-Partnern und dem IWF um die Auszahlung weiterer Milliarden aus dem zweiten Hilfspaket. Inzwischen sind auch die Privatisierungspläne des Hafens von Piräus offenbar wieder in Gang gekommen - Athen ist auf die Einnahmen dringend angewiesen.

Genau beäugt wird auch die Militäraktion unter Führung Saudi-Arabiens im benachbarten Jemen, sagte Windt. Am Aktienmarkt schlug das bislang zwar keine hohen Wellen, aber es kam am Ölmarkt bereits zu Verwerfungen.

Die Angst vor einer Ausweitung des Konfliktes im Nahen Osten und möglichen Versorgungsengpässen hatte die Rohöl-Preise zeitweise nach oben getrieben.

US-Arbeitsmarktbericht am Karfreitag - Abschwächung im ersten Quartal

Zudem stehen einige Konjunkturdaten auf der Agenda. Der stets mit Spannung erwartete US-Arbeitsmarktbericht wird am Karfreitag veröffentlicht, an dem die großen Börsen weltweit allerdings geschlossen bleiben. Deshalb können die Marktteilnehmer auf die Zahlen erst nach dem Osterfest reagieren.

Die schwächere Konjunkturentwicklung in den USA zum Jahresstart wird sich laut Commerzbank-Stratege Christoph Balz in einem schwächeren ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe (Mittwoch) und auch am Arbeitsmarkt bemerkbar machen.

Hauptversammlungen von Beiersdorf und Daimler

Der Commerzbank zufolge dürfte die US-Notenbank (Fed) das aber als temporäre Schwäche ansehen. Die Experten des Geldhauses rechnen mit einer Zinswende eher für September. Auch die Mehrheit der führenden Wall-Street-Banken geht nicht davon aus, dass die Fed früher mit ihren Zinsanhebungen beginnen wird.

Bei den Unternehmen warten Anleger auf diverse Hauptversammlungen. Am Mittwoch lädt der Autobauer Daimler seine Aktionäre ein, am Dienstag Beiersdorf. Nur noch einige wenige Geschäftszahlen stehen aus, unter anderem von QSC und ElringKlinger.

An der Wall Street beginnt dann nach Ostern schon wieder die neue Bilanzsaison. Sie wird traditionell vom Aluminiumproduzenten Alcoa Börsen-Chart zeigen eingeläutet, der am 8. April seine Zahlen präsentiert.

von Anika Ross, Reuters

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