Donnerstag, 21. Juni 2018

15 Jahre Indexfonds in Deutschland ETFs - günstig, aber gefährlich passiv

Risiken der ETFs: Was Anleger wissen müssen
Fotos
DPA

Vor 15 Jahren startete in Deutschland der Handel mit börsennotierten Indexfonds, kurz ETFs. Anleger stecken seither viel Geld in die Fonds, das Anlagesegment wächst rasant - und ebenso die Gefahren, die damit einhergehen.

Von 0 auf 331,6 in 15 Jahren, so lautet die Erfolgsgeschichte der ETFs hierzulande in Kurzform. 331,6 Milliarden Euro, so viel Geld verwalten Stand heute sämtliche Indexfonds zusammen, die an der Deutschen Börse gehandelt werden. Und exakt 15 Jahre ist es her, dass der Handel mit diesen Fonds in Deutschland begann.

Weitere Zahlen, die den Vormarsch dieses Finanzprodukts dokumentieren, gibt es zur Genüge. Weltweit existieren inzwischen mehr als 5000 börsengehandelte Indexfonds, schreibt der Branchenriese Blackrock in einer Anlegerinformation. Jeder fünfte Dollar, der in Aktienfonds investiert wird, fließt inzwischen in einen ETF. Vor 15 Jahren ist es laut CNN noch jeder zehnte gewesen.

Insgesamt, so die Statistik, stecken rund um den Globus bereits etwa 2,6 Billionen Dollar in diesen Fonds. Tendenz: steigend.

Die Gründe für den Erfolg der Indexfonds vor allem bei institutionellen Investoren sind weithin bekannt: Studien zeigen immer wieder, dass herkömmliche Fondsmanager selten besser sind als der Markt, in dem sie sich bewegen. Indexfonds gelingt es dagegen aufgrund ihrer Konzeption ziemlich genau, die Entwicklung einer vorgegebenen Benchmark nachzuzeichnen.

Damit sind sie en Gros nicht nur stärker als die aktiv verwaltete Konkurrenz - sie bieten diese Leistung auch noch zu deutlich geringeren Kosten (siehe Tabelle). Und ein Indexfonds auf den Performance-Index Dax gibt Anlegern außerdem die Gelegenheit, die ausgeschütteten Dividenden der Dax-Konzerne zunächst steuerfrei einzustreichen.

Unterschiede aktives und passives Fondsmanagement
Passive Indexfonds Aktive Aktienfonds
Anlageziel Nachbildung eines Referenzindexes Schlagen des Referenzindexes
Verwaltungskosten etwa 0,1 bis 0,5 % pro Jahr etwa 1,5 % pro Jahr
Anschaffungskosten einmalig etwa 0,25 % einmalig bis zu 5 %
Gewinnbeteiligung Entfällt bis zu 20 % der Jahresrendite
Kosten über 10 Jahre bei Anlage von 20.000 Euro etwa 580 €¹ etwa 4.400 €²
¹Rendite von 5 % pro Jahr, Verwaltungsgebühr von 0,2 % pro Jahr, Kaufkosten von 5 € +0,25 % des Anlagebetrags, Unterschied zwischen Kauf und Verkaufskurs: 0,05 %
²Rendite von 5 % pro Jahr, Ausgabeaufschlag 5 %, Verwaltungsgebühr 1,5 % pro Jahr, ohne Gewinnbeteiligung
Quelle: Finanztip (Stand: 9. Oktober 2014)

Kein Wunder also, dass kaum eine andere Anlageform in den vergangenen Jahren eine solche Erfolgsgeschichte hingelegt hat. Aktuelle Zahlen des Fondsanbieters Lyxor zeigen, dass gerade in den vergangenen Monaten das Interesse europäischer Investoren an ETFs stark gestiegen ist. Vor allem die Ausrichtung auf europäische sowie japanische Aktien ist gefragt, so Lyxor.

Doch mit zunehmender Marktbedeutung werden auch die skeptischen Stimmen zum Phänomen Indexfonds lauter. Immer wieder weisen Kritiker auf mögliche Risiken und Gefahren hin, die die Ausbreitung des ETF-Marktes mit sich bringen könnte.

Über alle diese Risiken, die wir in dieser Bilderstrecke zusammengefasst haben, wird zwar immer wieder gerne diskutiert. Dabei scheint aber klar: Das meiste davon stellt eher eine theoretische Gefahr dar und/oder dürfte erst in ferner Zukunft virulent werden, sofern bis dahin die Bedeutung der Indexfonds noch weiter steigt.

Ein möglicher Schwachpunkt des Systems Indexfonds jedoch gewinnt schon jetzt zunehmend an Bedeutung. Kein geringerer als Charles Munger, 91-jähriger US-Milliardär und seit Jahrzehnten kongenialer Partner von Star-Investor Warren Buffett an der Spitze der US-Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway, warnte davor vor einigen Tagen auf einer Konferenz in den USA. Indexfonds seien dauerhafte Aktienbesitzer, die "niemals verkaufen", sagte Munger. "Das gibt ihnen eine Macht, die sie nicht richtig nutzen."

ETFs: Buffett-Partner Charlie Munger stört der Mangel an Aktivität

Der Altmeister des Anlagegeschäfts spricht damit einen Punkt an, der auch andere Investmentprofis stört: Indexfonds verhalten sich nicht nur bei der Auswahl der Aktien, die sie kaufen, passiv. Sie bleiben es zumeist auch, wenn es darum geht, Anlegerrechte auszuüben, beispielsweise bei der Mitbestimmung auf Hauptversammlungen. Dass das bei einem wachsenden Anteil der Indexfonds am gesamten Aktienkapital zunehmend problematisch wird, liegt auf der Hand.

Indexfonds stimmen nur selten gegen das Management von Unternehmen, schreibt CNN Money zu dem Thema. Als der Branchenriese Vanguard 2013 einmal von dieser Linie abgewichen sei und sich gegen den Vorstand von Hewlett-Packard positioniert habe, sei das ein so seltenes Ereignis gewesen, dass es Schlagzeilen gemacht habe.

Tatsächlich machen die Fondsanbieter keinen Hehl aus ihrer Zurückhaltung. "Wir enthalten uns grundsätzlich unserer Stimme", sagt beispielsweise Hermann Pfeifer, Deutschlandchef der französischen ETF-Schmiede Lyxor, im Gespräch mit manager magazin online. "ETF bilden passiv einen vorgegeben Index ab. Deshalb halten wir es für richtig, auf Entscheidungen einzelner im Index enthaltener Unternehmen keinen aktiven Einfluss zu nehmen."

Pfeifer hält die Diskussion ohnehin für wenig relevant. Schließlich sei der Anteil der Indexfonds an den Aktiengesellschaften gemessen am gesamten Kapital noch immer gering, so der Manager der Tochtergesellschaft der Großbank Société Générale.

Zahlen, die CNN Money aufführt, deuten aber in eine andere Richtung. Am Beispiel des iPhone-Bauers Apple Börsen-Chart zeigen, immerhin das Unternehmen mit der weltweit größten Marktkapitalisierung, zeigt der Sender auf, dass Indexfonds von Vanguard, Blackrock oder State Street zusammen bereits etwa 12 Prozent des Aktienkapitals halten. Das ist eine Menge Macht für so wenige Hände, so CNN.

Der US-Sender rät Anlegern deshalb, sich bei der Wahl eines ETFs nicht nur über Kosten und Performance zu informieren, sondern auch darüber, wie sich die Investmentgesellschaft in der Frage der Stimmausübung positioniert.

Die Risiken der ETFs: Was Anleger wissen müssen

Überblick: Das sind die besten Dividenden-Aktien im Dax

Newsletter von Christoph Rottwilm

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH