Von Richard Haimann und Christoph Rottwilm
Hamburg - Die Börse liebt Übernahmespekulationen. Und bei den zum Großteil im MDax
notierten Immobiliengesellschaften gibt es gegenwärtig eine sehr heiße: Die Wohnungsgesellschaft Deutsche Wohnen
steht offenbar kurz davor, ein Angebot zum Erwerb der Essener Gagfah
abzugeben. Die Deutsche Wohnen prüfe, dem US-Investor und Gagfah-Mehrheitseigner Fortress ein Angebot zu unterbreiten, erfuhr manager magazin online aus Frankfurter Finanzkreisen. "Investmentbanken bereiten sich bereits auf einen solchen Deal vor", sagte ein Insider.
Weder die Deutsche Wohnen noch die Gagfah wollten sich auf Anfrage dazu äußern. Nach Angaben eines Investmentbankers ist Fortress jedoch durchaus an einem Verkauf interessiert.
Der Deal würde exakt ins Bild passen, das die Branche derzeit abgibt: Es ist wieder Musik im Sektor der Immobilien-AGs. Schon im vergangenen Jahr legten die Kurse der Aktien zum Teil enorm zu. Nun erwarten Experten eine neue Phase der Dynamik, unter anderem bestimmt durch Übernahmen und Fusionen.
So sehen es beispielsweise die Analysten von Close Brothers Seydler (CBS), die der Branche jüngst eine ausführliche Studie widmeten. Die Unternehmensgröße zählt, lautet ein Fazit der Studie. Und externes Wachstum sei der beste Weg dahin. Die M&A-Aktivitäten (M&A = Mergers & Akquisitions, zu deutsch: Fusionen und Übernahmen) der deutschen Wohnungsgesellschaften könnten daher demnächst zunehmen, meint CBS.
Dabei befinden sich die Firmen nach Einschätzung der Experten in einer ausgezeichneten Ausgangslage. Auf der einen Seite stehen viele klamme Kommunen, die sich gezwungen sehen, zunehmend Wohnungsbestände abzugeben. Schon 2012 gab es nach langer Zeit erstmals wieder eine Reihe von Verkäufen umfangreicher Immobilienportfolios.
Groß frisst klein
Die Immobilienunternehmen ihrerseits kommen angesichts günstiger Kapitalmärkte und dem allgemeinen Interesse an Sachwertinvestments wieder leichter an frisches Geld, beispielsweise über Kapitalerhöhungen. Zudem spielt ihnen bei der Kreditaufnahme das Zinstief in die Karten.
Doch wer kommt als Firmenkäufer in Frage? Und wer als Übernahmeziel? "Grundsätzlich gilt: Groß frisst klein", erläutert CBS-Vorstand Roger Peeters gegenüber manager magazin online. "Im aktuellen Umfeld sehen wir die Deutsche Wohnen als stärksten Kandidaten auf der Käuferseite. Dafür spricht auch, dass das Unternehmen gerade eine neue Kapitalerhöhung durchgeführt hat und noch über weiteres genehmigtes Kapital verfügt." Laut Peeters verfügt die an der Börse etwa 2,2 Milliarden Euro schwere Deutsche Wohnen bereits über ein gut gemanagtes Portfolio mit geringem Leerstand - und will weiter wachsen.
Auch Dieter Thomaschowsky, Geschäftsführer des Analysehauses Investment Research in Change IC, vermutet Schluckreiz vor allem bei der Gesellschaft mit Sitz in Frankfurt und Berlin. "Vorstandschef Michael Zahn will den Konzern mit Macht vergrößern", sagt er.
Als Übernahmekandidaten gelten für CBS-Analyst Felix Parmantier auf der anderen Seite beispielsweise die TAG
sowie die GSW
. Für die Deutsche Wohnen kommt jedoch auch nach seiner Einschätzung am ehesten die Gagfah in Frage. "Die Portfolien beider Gesellschaften ergänzen sich", sagt er. "Und die Gagfah
wird an der Börse derzeit günstig gehandelt."
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