Frankfurt am Main - Konjunkturoptimismus der Aktienanleger hat den Dax
am Montag zeitweise auf den höchsten Stand seit anderthalb Jahren getrieben. Der Leitindex zog in der Spitze um 1,1 Prozent an auf 7488 Zähler. Unerwartet schwache US-Konjunkturdaten trübten die Stimmung am Nachmittag allerdings. Die Zuschläge bröckelten ab, der Dax ging nur noch 0,4 Prozent höher bei 7435 Zählern aus dem Handel.
"Grundsätzlich baut man darauf, dass die globale Konjunktur in Fahrt kommt, die Daten aus den USA haben allerdings ins Bewusstsein gerückt, dass es holprig wird", sagte ein Händler.
Chinas Industrie nimmt Fahrt auf
Hauptgrund für die Zuversicht der Investoren war die Tatsache, dass die chinesische Industrie im November zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr wieder gewachsen ist. Die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft setze so ein Hoffnungszeichen für die globale Konjunktur, sagten Börsianer.
Spanien beantragt Bankenhilfe
Für zusätzlichen Schub hatte am frühen Nachmittag die Nachricht gesorgt, dass Spanien bei der EU einen formellen Hilfsantrag für seine Banken gestellt hat. Seit Wochen war darauf spekuliert worden. "Das ist der einzig vernünftige Schritt für die Institute, und deshalb wird das vom Markt honoriert", erklärte ein Händler.
Griechenland kauft Anleihen zurück
Zur positiven Grundstimmung an den europäischen Börsen trug auch bei, dass das griechische Angebot zum Rückkauf von Staatsanleihen höher liegt als von vielen erwartet. Der Leitindex in Athen zog um 1,3 Prozent an und damit deutlich stärker als der breite europäische Markt. Der Index für die griechische Bankenbranche stieg sogar um 5,8 Prozent. Die Geldhäuser gehören zu den größten Gläubigern des griechischen Staates.
Wall Street schwächer: ISM-Index stimmt Anleger skeptisch
Der Dämpfer für die hiesigen Börsen, der die Gewinne am Nachmittag zum Bröckeln brachte, kam aus den USA mit dem ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe. Dieser Statistik zufolge ist die Industrie der weltgrößten Volkswirtschaft im November überraschend geschrumpft und bietet damit das schwächste Bild seit mehr als drei Jahren. Investoren an der Wall Street reagierten zurückhaltend: Der Dow Jones
lag zu Handelsschluss in Europa 0,2 Prozent im Minus.
HeidelbergCement und Post gefragt
Zu den größten Gewinnern zählten die Titel von HeidelbergCement
, die um 0,9 Prozent zulegten. Die Aktien befinden sich seit Mitte November im Aufwärtstrend und wurden am Montag zusätzlich von der Nachricht beflügelt, dass der Konzern im strategisch wichtigen afrikanischen Markt sein Geschäft ausbaut. Auch Deutsche Post zogen um 0,8 Prozent an, was Börsianer mit einem gut anlaufenden Weihnachtsgeschäft erklärten.
ThyssenKrupp-Aktien gefragt
ThyssenKrupp-Aktien
zählten nach Berichten über ein Kaufangebot in Höhe von drei Milliarden US-Dollar für die defizitäre Sparte Steel Americas ebenfalls zu den Gewinnern im Dax. Zwar liegt der genannte Betrag Börsianern zufolge unter den jüngsten Erwartungen, ein Analyst verwies allerdings auf die mittlerweile günstige Bewertung der Papiere. Zudem hat ThyssenKrupp-Vorstand Jürgen Claassen nach Ermittlungen wegen Luxusreisen sein Amt niedergelegt.
Neue Machtverteilung bei EADS stützt die Aktie
Im MDax
gewannen die Aktien von EADS
2,7 Prozent. Der Luft- und Raumfahrtkonzern ringt um eine neue Machtverteilung, im Zuge dessen die Bundesregierung auf schnelle Vereinbarungen über eine neue Aktionärsstruktur drängt. Vertreter der Regierungen von Deutschland, Spanien und Frankreich sowie der Unternehmen Lagardere und Daimler
seien seit Samstag in intensiven und konstruktiven Verhandlungen über eine neue Beteiligungsstruktur. Offenbar spekulierten einige Anleger darauf, dass EADS im Rahmen dieses Deals eigene Aktien zurückkaufe, sagte ein Börsianer.
Euro klettert weiter
Der Euro
ist trotz der Abstufung der Kreditwürdigkeit der Euro-Rettungsfonds ESM mit Gewinnen in die neue Handelswoche gestartet und deutlich über die Marke von 1,30 Dollar gestiegen. Am frühen Morgen erreichte die Gemeinschaftswährung zeitweise 1,3046 Dollar und damit ein neues Monatshoch. Im weiteren Handel fiel der Kurs wieder etwas zurück und stand zuletzt bei 1,3023 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag noch auf 1,2986 (Donnerstag: 1,2994) Dollar festgesetzt.
Ölpreise höher
Die Ölpreise sind mit leichten Gewinnen in die neue Handelswoche gestartet. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent
zur Januar-Lieferung 111,55 Dollar. Das waren 32 Cent mehr als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 14 Cent auf 89,05 Dollar.
mg/la/dpa-afx/reuters
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