Käme es tatsächlich soweit, so würde das am hiesigen Aktienmarkt wohl kaum unbemerkt bleiben. Schon in den vergangenen Tagen bewegte sich der Dax
im Gleichschritt mit dem Dow Jones und anderen US-Kursbarometern abwärts. Seit der US-Wahl am 6. November entstanden auch in Frankfurt Kursverluste von rund 5 Prozent. Am heutigen Freitag rutschte der Leitindex sogar wieder unter die Marke von 7000 Punkten.
Doch Chartanalyse hin oder her: Die hervorragendste Eigenschaft der Zukunft ist ja, dass keiner sie kennt. Und am Aktienmarkt gibt es durchaus Optimisten, die düsteren Prophezeiungen wie jener von der RBS widersprechen. Zum Beispiel Felix Schleicher, Partner beim Vermögensverwalter Value Asset Management in München. "Das Unterschreiten von einer großen Zahl wie 13.000 hat meines Wissens überhaupt keine Aussagekraft über die weitere Börsentendenz", sagt er. "Es liegt in der Natur des Menschen, dass er Unsicherheiten hasst und deshalb versucht, irgendwelche Muster zu sehen, die mehr Sicherheit bieten."
Ob das wissenschaftlich und statistisch irgendwie untermauert sei, spiele keine Rolle, so Schleicher zu manager magazin online. Mit seinem Team von Value Asset Management sieht er den US-Markt differenziert. "Auf der einen Seite stehen teure Multis wie Coca-Cola
und McDonald's
im Konsumbereich oder eine Home Depot
", so Schleicher. Deren Kurs-Gewinn-Verhältnisse lägen mit 17 bis 20 schon recht hoch.
Dax-Anleger können nicht aufatmen
Auf der anderen Seite gebe es beispielsweise Berkshire Hathaway
, die nur knapp über Buchwert notiere, sowie Tech-Aktien wie Hewlett-Packard
, Dell
oder Microsoft
. "Die sind spottbillig mit KGVs zwischen drei und acht", sagt der Experte. "Auch die US-Großbanken wie JPMorgan
, Wells Fargo
oder Goldman Sachs
sind im Gegensatz zu der europäischen Konkurrenz in bester Verfassung und weiterhin günstig."
Der Investmentprofi ist sich sicher: "Wenn das Theater um das 'fiscal cliff' vorüber ist, hat die US-Börse allerbeste Chancen."
Doch auch Schleichers Zuversicht hat Grenzen. Und ausgerechnet für den deutschen Aktienmarkt sieht er weniger Chancen. "Die Zusammensetzung des Dax ist eher zyklisch, etwa wegen der Autobauer", sagt er. "Qualitativ gute Titel wie Beiersdorf
sind zudem überteuert." Auch die Energiewende dürfte Deutschland nach Ansicht Schleichers zu schaffen machen und zusammen mit steigenden Löhnen Wettbewerbsfähigkeit kosten. "Das könnte die Kurse letztlich stark belasten."
Kurz gesagt hieße das: Der Alarm der RBS könnte verfrüht gekommen sein. Dax-Anleger können aber möglicherweise trotzdem nicht aufatmen.
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