Frankfurt am Main - Die Zitterpartie um die Zukunft der griechischen Staatsschulden hat die Anleger am deutschen Aktienmarkt am Dienstag zu Gewinnmitnahmen verleitet. Der Leitindex Dax
schloss 0,3 Prozent tiefer bei 6419 Punkten, konnte dabei aber dank einer leichten Erholung an der Wall Street einen Großteil seiner zwischenzeitlichen Verluste von bis zu 1,5 Prozent zum Ende hin aufholen.
An den vergangenen sechs Handelstagen hatte der Dax in der Spitze mehr als 5 Prozent zugelegt und bei 6467 Punkten den höchsten Stand seit Anfang August markiert. Der MDax
ging am Ende mit minus 0,9 Prozent auf 9765 Punkte aus dem Handel und der TecDax
verlor 1,8 Prozent auf 735 Punkte.
Aktienhändler Markus Huber von ETX Capital verwies darauf, dass Griechenland mit seinen privaten Gläubigern nach wie vor kein Abkommen über einen Schuldenschnitt erreicht habe. Der Durchbruch bei den Verhandlungen mit Banken und Versicherungen ließ weiter auf sich warten. "Andererseits bleibt es aber beim Optimismus der Anleger", so der Marktbeobachter. Schließlich habe Griechenland zur Vermeidung einer Pleite letztendlich keine andere Wahl.
Knackpunkt der Schuldenschnitt-Verhandlungen ist vor allem der Durchschnittszins für die 30-jährigen Papiere, die die Banken oder Versicherungen im Tausch erhalten. Laut Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker soll dieser Zins deutlich unter 4 Prozent liegen. Für die Banken war dies bisher die Schmerzgrenze.
Griechenland verhandelt bereits seit Wochen mit dem internationalen Bankenverband IIF über den Forderungsverzicht. Die Gespräche standen bereits mehrmals vor dem Scheitern.
Zahlen von Siemens verunsichern Anleger
Für Unmut am deutschen Aktienmarkt sorgte aber auch der Gewinnrückgang bei Siemens. Das Ergebnis des ersten Geschäftsquartals 2011/12 nach Steuern schrumpfte im Jahresvergleich um ein Sechstel auf 1,46 Milliarden Euro. Aktien von Siemens
verbilligten sich im Dax zeitweise um 4 Prozent. Die Aktie konnte die Verluste im späten Handel jedoch eindämmen.
Gewinnmitnahmen bei Commerzbank und Deutscher Bank
Bei der Commerzbank drückten Gewinnmitnahmen die Papiere ins Minus. Sie rutschten zeitweise um bis zu 8,5 Prozent auf 1,78 Euro ab, nachdem sie seit vergangenen Donnerstag mehr als 30 Prozent an Wert gewonnen haben. Schließlich gingen sie mit einem Minus von rund 3 Prozent aus dem Handel.
Vorstandschef Martin Blessing hatte in der letzten Woche angekündigt, die Kapitallücke aus eigener Kraft schließen zu wollen. Trotz der aktuellen Kursverluste ist die Aktie immer noch gut ein Drittel teurer als Anfang Januar.
TecDax: Q-Cells kämpft ums Überleben
Im TecDax
gerieten Q-Cells -Papiere ins Taumeln: Der ums Überleben kämpfende Konzern hat sein Grundkapital aufgezehrt und muss deshalb seine Aktionäre zu einer außerordentlichen Hauptversammlung einladen. Q-Cells fielen zeitweise um 23,3 Prozent auf ein Rekordtief von 0,38 Euro.
Die Pläne zu einem Kapital- und Schuldenschnitt verringerten zwar die Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz, sagte ein Analyst. Er halte die Umsatzziele des Unternehmens allerdings für sehr ehrgeizig. Außerdem sehe das Management offenbar weniger Raum für Einsparungen als er erwartet habe. Im Sog von Q-Cells-Papiere rutschten auch andere Solarwerte wie Solarworld oder SMA Solar um bis zu 4,8 Prozent ab.
Euro verteidigt Marke von 1,30 US-Dollar
Der Euro
hat am Dienstag weiter über der Marke von 1,30 US-Dollar notiert. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,3020 Dollar und damit in etwa so viel wie am Vorabend. Ein Dollar war zuletzt 0,7680 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montagmittag auf 1,3017 (Freitag: 1,2902) Dollar festgesetzt.
Schon seit Tagen profitiert der Euro von einer besseren Stimmung unter den Anlegern. Ausschlaggebend sind zum einen überwiegend positivere Konjunkturdaten sowohl aus dem Euroraum als auch aus den USA. Zum anderen hat sich die Lage in der europäischen Schuldenkrise spürbar entspannt. Dem steht jedoch die Hängepartie beim angestrebten Schuldenschnitt Griechenlands entgegen: Bislang konnte sich die griechische Regierung nicht mit privaten Gläubigern wie Banken und Versicherungen einigen.
Ölpreise leicht gestiegen
Die Ölpreise sind am Dienstag - einen Tag nach dem angekündigten Öl-Embargo der EU gegen den Iran - nur leicht gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent
zur Lieferung im März kostete am Morgen 110,80 US-Dollar. Das waren 22 Cent mehr als zu Wochenbeginn. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI (West Texas Intermediate) stieg ebenfalls nur geringfügig um 26 Cent auf 99,84 Dollar.
Am Montag hatte die EU ein Einfuhrverbot gegen Rohöl aus dem Iran verhängt. Das Verbot gilt für neue Lieferverträge ab sofort, für bestehende Verträge gilt eine Übergangsfrist bis zum 1. Juli. Schon am Montag hatten die Ölpreise mit vergleichsweise geringen Aufschlägen auf das Embargo reagiert. Händler argumentierten, die Sanktionen seien erwartet worden. Hintergrund des Einfuhrverbots ist der Streit um das iranische Atomprogramm. Die Verhandlungen mit dem Iran sind seit langem unterbrochen.
krk/rtr/dpa
© manager magazin online 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH