Frankfurt am Main - Die Kursrally am Aktienmarkt geht weiter: Mit Erleichterung aufgenommene Geschäftzahlen der beiden US-Großbanken Morgan Stanley und Bank of America haben den europäischen Aktienmärkten am Donnerstag weiteren Auftrieb gegeben. Vor allem Finanzwerte legten in den USA und in Europa deutlich zu.
Weitere Impulse erhoffen sich Anleger durch die Zahlen von Intel und Google, die heute nach US-Börsenschluss ihre Quartalszahlen melden.
Der Dax
schloss auf Xetra 0,9 Prozent fester bei 6416 Zählern. Das ist der höchste Stand seit knapp vier Monaten. An der Wall Street legte der Dow Jones
im frühen Handel unterdessen 0,2 Prozent zu.
Analyst Christian Schmidt von der Helaba sieht eine gestiegene Risikobereitschaft der Anleger. So sind die Anleihenauktionen von Spanien und Frankreicherfolgreich verlaufen. Schmidt warnte aber, seitens der europäischen Schuldenkrise gebe es "noch viele Ungereimtheiten", etwa mit Blick auf die Fortsetzung der Verhandlungen in Athen über einen Schuldenschnitt.
ThyssenKrupp legt zu - möglicher Verkauf der Werke in USA und Brasilien
Zu den größten Gewinnern im Dax gesellten sich auch ThyssenKrupp
, nachdem manager magazin berichtet hatte, der Stahlkonzern erwäge einen Verkauf der verlustreichen neuen Werke in den USA und Brasilien.
Commerzbank klettert zweistellig - Blessing verzichtet auf Staatshilfe
Als Reaktion auf die Vorstellung der Pläne zur Stärkung der Kapitalbasis schossen Commerzbank
bis zu 15 Prozent in die Höhe. Insgesamt wechselten mehr als 145 Millionen Papiere den Besitzer - mehr als doppelt so viel wie an einem gesamten Durchschnittstag. Knapp zwei Drittel aller gehandelten Aktien von Dax-Unternehmen waren Commerzbank-Papiere.
DZ-Bank-Analyst Christoph Bast wertete die Pläne des Instituts zur Stärkung der Kapitalbasis sehr positiv. Die Bilanzrisiken seien deutlich stärker reduziert worden als gedacht. Außerdem lägen die Gewinnziele für das erste Halbjahr 2012 wohl über den Markterwartungen.
Allianz und Deutsche Bank sehr fest
Im Fahrwasser des Commerzbank-Kurssprungs zogen die Aktien des Großaktionärs Allianz
deutlich an. Auch Deutsche Bank
gewannen knapp 9 Prozent hinzu - hier stützten auch die Zahlen der US-Großbanken. Der europäische Bankenindex legte am Donnerstag mehr als 5 Prozent zu.
Wall Street: Bank of America und Morgan Stanley gefragt
Die Aktien von Bank of America
und Morgan Stanley stiegen als Reaktion auf die Geschäftszahlen um 7,7 beziehungsweise 11,1 Prozent. "Bank of America hatte ein solides Quartal", urteilte Finanzexperte Allerton Smith von Moody's Analytics. "Die Kapitalquoten sind gestiegen, die Liquidität ist besser und es gibt einen deutlichen Rückgang bei den Problem-Krediten."
Peter Cardillio, Chef-Volkswirt bei Rockwell Global Capital, verwies darauf, dass der Verlust bei Morgan Stanley geringer ausgefallen sei als befürchtet. Gemeinsam mit den zuletzt ermutigenden US-Konjunkturdaten dränge dies die schlechten Nachrichten aus Europa zurück.
Leise Zweifel: Warten auf Griechenland
"Die Leute erwarten bald eine Einigung zwischen Griechenland und seinen Anleihe-Gläubigern", betonte Aktienstratege Jeremy Batstone-Carr vom Brokerhaus Charles Stanley. Schließlich bedürfe es einiger Wochen, bis die Verträge unterschriftsreif seien. Sonst drohe dem Land die Zahlungsunfähigkeit. Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos stellte die Klärung der meisten offenen Fragen bis Freitag in Aussicht. Die griechische Regierung verhandelt seit Wochen mit ihren privaten Gläubigern über die Details eines Programms, das einen freiwilligen Verzicht auf einen Teil der Forderungen vorsieht. Der Sanierungsbeitrag privater Investoren ist eine Bedingung für die Auszahlung weiterer Not-Kredite von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF).
Aurubis mit Umsatz- und Gewinnsprung
Im MDax
ging es für die Papiere von Aurubis
nach Zahlen um 0,83 Prozent auf 41,22 Euro hoch. Der Kupferkonzern bleibt nach einem Umsatz- und Gewinnsprung im Geschäftsjahr 2010/2011 (Ende September) trotz der Konjunkturabkühlung zuversichtlich. Analysten hatten im Schnitt insgesamt eine etwas schwächere Entwicklung erwartet. Das Urteil bei Händlern fiel uneinheitlich aus. Ein Börsianer lobte, dass das Unternehmen im vierten Quartal zum Teil etwas besser als erwartet abgeschnitten habe. Ein anderer Händler betonte dagegen, dass Aurubis beim Gewinn im Gesamtjahr nicht ganz an seine Schätzungen herangereicht habe. Den Ausblick werteten beide Börsianer als sehr vorsichtig.
Die Aktien von ProSiebenSat.1
stiegen nach einem "Handelsblatt-"Bericht um 1,55 Prozent auf 17,06 Euro. Demnach hat sich Deutschlands größter Fernsehkonzern exklusiv die Filme und Serien des größten Hollywood-Studios Warner Bros. gesichert. Damit haben die Münchener den Erzrivalen RTL ausgestochen, wie der Verhandlungsführer von ProSiebenSat.1 der Zeitung bestätigte. Sicher habe ProSieben da kein Schnäppchen gemacht, aber RTL habe zuletzt immer sehr gute Einschaltquoten mit den Warner-Filmen gehabt, kommentierte ein Händler. So sei das Geld also gut investiert und der Zuschlag positiv für den ProSieben-Kurs.
Euro kaum verändert, Ölpreise höher
Der Kurs des Euro
hat sich am Donnerstag im frühen Handel wenig bewegt. Händler sprachen von einer Verschnaufpause nach den kräftigen Gewinnen vom Vortag. Die europäische Gemeinschaftswährung notierte am Morgen bei 1,2862 Dollar und damit kaum verändert gegenüber dem Vortag. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch noch auf 1,2831 (Dienstag: 1,2790) Dollar festgesetzt.
Die Ölpreise haben im Einklang mit den steigenden Aktienmärkten in Asien Kursgewinne verbucht. Händlern zufolge beflügeln Gerüchte über eine Lockerung der Kreditvergabe in China die Märkte. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent
zur Lieferung im März kostete im frühen Handel 111,48 Dollar. Das waren 82 Cent mehr als am Mittwoch. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI (West Texas Intermediate) zur Lieferung im Februar stieg um 86 Cent auf 101,45 Dollar.
Laut Gerüchten aus dem Handel will China die Mindestreservevorschriften für seine Geschäftsbanken lockern. Auf diese Weise solle die Kreditvergabe angekurbelt und so der anhaltenden Wachstumsverlangsamung entgegengewirkt werden. Anleger reagierten mit steigender Risikofreude auf die Nachrichten. Zudem treibt weiterhin der schwelende Konflikt zwischen Iran und den westlichen Industrieländer die Preise für Rohöl.
mg/dpa-afx
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