Und der Rest der Welt? Auch am US-Aktienmarkt sind viele Papiere derzeit unterbewertet, sagt Hersh Cohen, Chief Investment Officer der Legg Mason-Tochter ClearBridge Advisors. Das gelte insbesondere für viele Blue-Chips. "Die Kurse amerikanischer Aktien berücksichtigen ein sehr negatives Szenario, und hochwertige Aktien nehmen sogar den denkbar schlechtesten Ausgang vorweg", so Cohen. "Die Unternehmen sind gut bei Kasse und bei Dividenden sowie Aktienrückkäufen stark engagiert."
Cohen setzt besonders auf international bekannte Unternehmen. "Wir favorisieren Spitzenunternehmen, deren KGVs nachgegeben haben und die mittlerweile so negativ eingeschätzt werden, dass es pessimistischer kaum noch geht", sagt er. Als Beispiele nennt er Microsoft
, Exxon
und Walmart.
Für asiatische Aktien dagegen sehen die Aussichten wohl weniger rosig aus. Der Grund: Die hohe Inflation dort bereitet den Experten Kopfschmerzen. Zudem leidet der asiatische Export unter der US-Konjunkturschwäche.
"Nur allzu gerne würden wir sagen können, dass Asien-Anleger am 1. Januar in einer inflationsfreien Welt aufwachen werden", schreibt das britische Investmenthaus Schroders in einem Marktausblick. "In einer Welt, in der sich die Exportnachfrage wie von Zauberhand erholt hat, die Weltwirtschaft deutlich anzieht, Volatilität und Schuldenberge verschwunden sind und sich China als Retter in der Not erweist." Das werde aber leider nicht passieren.
Vorsicht vor Zweckoptimismus
Vielmehr dürften die Probleme, die das Jahr 2011 mit sich gebracht hat, den Anlegern auch 2012 zu schaffen machen, so Schroders-Asien-Experte Richard Sennitt. "Uns stehen zwölf schwierige Monate bevor", schreibt er.
Eine Ausnahme macht möglicherweise Japan, wo nach wie vor der Wiederaufbau nach der verheerenden Katastrophe 2011 für Dynamik sorgen könnte. "Der japanische Markt ist derzeit besonders günstig bewertet", sagt Shogo Maeda, Leiter japanische Aktien bei Schroders. "Ausgehend von den Marktbewertungen in den Jahren 2008 und 2009 preisen japanische Aktien ein recht pessimistisches Szenario ein. Deshalb halten wir Kursgewinne im Jahr 2012 für möglich."
Fazit: In Bezug auf die Entwicklung der Börsen im kommenden Jahr überwiegen die zuversichtlichen Töne. Und die Argumente, die die Anlageexperten vorbringen, klingen einleuchtend.
Allerdings wurde auch in den vergangenen Monaten immer wieder so argumentiert - der Börsenaufschwung ließ dennoch auf sich warten. "Es fällt schwer, Ende 2011 nicht zu einer gewissen Vorsicht zu mahnen", sagt daher Aktienstratege Buzaré von Dexia Asset Management. "Die letzten Monate waren lehrreich. Das Ausmaß der Krise und ihr Tempo wurden allgemein unterschätzt."
Zurückhaltung ist also wohl trotz allem weiterhin angebracht. Schließlich sollte nicht vergessen werden: In den Ausblicken der Investmentprofi steckt immer auch eine gehörige Portion Zweckoptimismus.
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