22.11.2011
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Börse

Bankentitel im Ausverkauf

Absturz: Das Papier der Commerzbank fiel am Dienstag unter die Marke von 1,20 Euro
dpa

Absturz: Das Papier der Commerzbank fiel am Dienstag unter die Marke von 1,20 Euro

Der Dax beschleunigt seinen Kursrutsch und hat binnen 7 Handelstagen rund 8 Prozent an Wert verloren. Anleger trennen sich in großem Stil von Finanztiteln: Die Commerzbank verliert nach Gerüchten über eine wachsende Kapitallücke rund 15 Prozent ihres Börsenwertes.

New York / Frankfurt am Main - Die Unsicherheit über die Zukunft der Euro-Zone sowie schwache US-Konjunkturdaten haben am Dienstag die Kurse an den europäischen Aktienmärkten erneut belastet.

Der Dax Chart zeigen schloss am Dienstag auf Xetra 1,2 Prozent im Minus auf einem Tagestief bei 5537 Zählern. An der New Yorker Wall Street gab der US-Leitindex Dow Jones Chart zeigen im frühen Handel um 0,5 Prozent nach.

Der Dax liegt derzeit knapp 20 Prozent niedriger als zu Jahresbeginn 2011. Auch an der Wall Street sind die wichtigsten Indizes auf Jahressicht wieder in den roten Bereich gerutscht.

Zu den Kursverlusten am Dienstag trug ein unerwartet schwaches Wachstum der US-Wirtschaft im dritten Quartal bei. Das Bruttoinlandsprodukt hatte von Juli bis Oktober nach einer zweiten Schätzung nur zwei Prozent zugelegt. In der ersten Schätzung war das US-Handelsministerium noch von einem annualisierten Plus von 2,5 Prozent ausgegangen.

Schuldenkrise: Merkel lehnt Euro-Bonds weiter ab

Zugleich bleibt die Euro-Zone im Fokus. Die Ablehnung von Eurobonds durch die Bundesregierung wurde von einigen Anlegern als Verkaufsargument benutzt. "Einige hatten wohl gehofft, dass Kanzlerin Merkel allmählich ihre Meinung ändert", sagte ein Händler. Nachdem sich dies nicht bestätigt habe, sei der Dax wieder unter Druck gekommen. Die Kanzlerin hatte die Diskussion über gemeinsame Anleihen der Euro-Zone als "nicht sehr passend" zurückgewiesen.

Commerzbank bricht ein - Aktie bald nur noch ein Pennystock?

Anleger trennten sich im großen Stil von Finanzwerten - allen voran von Papieren der Commerzbank Chart zeigen , die 15 Prozent auf 1,15 Euro einbrachen. Zeitweise war die Aktie bis auf 1,12 Euro gefallen. Damit ist die Aktie der teilverstaatlichten Bank nicht mehr weit vom Pennystock-Niveau entfernt.

Händler nannten Spekulationen auf eine bevorstehende Kapitalerhöhung als Grund für die Verkäufe. Reuters hatte unter Berufung auf Finanzkreise bereichtet, das Geldhaus brauche deutlich mehr Kapital als bisher angenommen. Das Institut wolle den Bedarf bis Mitte 2012 über den Abbau von Risikopositionen (RWA) decken, hieß es in den Kreisen.

Experten halten eine Kapitalerhöhung bei der Commerzbank angesichts des niedrigen Kursniveaus für wenig wahrscheinlich. Im Sog der Commerzbank fielen die Titel der Deutschen Bank um über 3 Prozent. Auch europaweit ging es mit den Finanzwerten wieder in den Keller.

Aktien von Thomas Cook brechen ein - auch Tui gerät unter Druck

Für Aufsehen sorgte zudem der Kurssturz des britisch-deutschen Reiseveranstalters Thomas Cook an der Londoner Börse. Thomas Cook hatte eingeräumt, dass sich die finanzielle Lage im Oktober verschlechtert habe. Deshalb habe der Reiseveranstalter, zu dem die Marken Neckermann und Öger Tours gehören, mit Blick auf die bevorstehende umsatzschwache Wintersaison Verhandlungen mit den wichtigsten Banken über seine Kreditlinien aufgenommen.

Die Aktien von Thomas Cook notierten am Nachmittag mit 11,65 Pence 71 Prozent im Minus. Dies zog auch die Papiere der Konkurrenten Tui Travel Chart zeigen Travel und Tui Chart zeigen um 8,7 beziehungsweise um über 12 Prozent in den Keller.

Lufthansa schwach - Gerüchte um Cargo

Dem Branchendruck konnten sich auch die Aktien der Lufthansa nicht entziehen: Sie verloren über drei Prozent. Händler verwiesen auf Medienberichte, wonach die Fluggesellschaft die Kapazitäten im Frachtverkehr für das erste Halbjahr 2012 wegen abflauender Nachfrage um mindestens 20 Prozent gekürzt habe.

HP-Zahlen belasten Infineon

Zu den Verlierern zählten nach der Bilanzvorlage von Hewlett-Packard indes Technologiewerte, die auch europaweit mit einem Abschlag von 0,83 Prozent im Branchenindex den schwächsten Sektor stellten. Die Aktien von Infineon Chart zeigen gaben ebenfalls deutlich nach.

Ausverkauf am Rentenmarkt geht weiter

Am Rentenmarkt setzte sich der Ausverkauf fort. Selbst die deutschen Anleihen - bislang als Hafen der Sicherheit gesucht - standen nicht mehr ganz so hoch im Kurs wie zuvor und pendelten meist um ihr Vortagesniveau. Besonders unter Druck standen die zehnjährigen belgischen Anleihen, deren Renditen erstmals seit Sommer 2008 wieder über fünf Prozent stiegen. Die Anleger quittierten damit die desolate innenpolitische Lage des Landes, das seit den Wahlen vor 18 Monaten quasi ohne Regierung da steht.

Der Euro Chart zeigen verharrte am Dienstag unter der Marke von 1,35 Dollar. Am frühen Morgen stand der Euro bei 1,3483 Dollar. Ein Dollar kostete damit 0,7414 Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,3458 (Freitag: 1,3576) Dollar festgesetzt.

Die Ölpreise haben ihre Talfahrt der vergangenen Handelstage vorerst gestoppt. Trotz des schweren Rückschlags im Kampf gegen die Schuldenkrise in den USA legten die Preise im asiatischen Handel leicht zu. Am frühen Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Chart zeigen mit Auslieferung im Januar 107,35 Dollar und damit 47 Cent mehr als am Vortag. Ein Fass der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) verteuerte sich leicht um zwölf Cent auf 97,04 Dollar.

mg/dpa-afx

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