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26.08.2011
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Altersvorsorge

Aktiencrash tropft an Betriebsrenten ab

Von Lutz Reiche

Kein Grund zur Panik: Für Pensionszusagen steht auch der Arbeitgeber mit seinem Betriebsvermögen ein
Corbis

Kein Grund zur Panik: Für Pensionszusagen steht auch der Arbeitgeber mit seinem Betriebsvermögen ein

470 Milliarden Euro haben Beschäftigte in Deutschland für ihre Betriebsrente angespart, vielfach indirekt in Aktien. Peter Doetsch und Herwig Kinzler von dem Beratungshaus Mercer sagen im Interview, warum das trotz jüngster Kursstürze an der Börse kein Grund zur Sorge ist.

mm: Herr Doetsch, in der Diskussion um die Altersvorsorge gerät die Absicherung über den Betrieb oft in den Hintergrund. Wie viel Menschen in Deutschland sorgen über den Betrieb für das Alter vor oder beziehen bereits eine Betriebsrente?

Doetsch: Aus allen verfügbaren Statistiken ziehe ich den Schluss, dass mindestens jeder zweite Beschäftigte in Deutschland eine betriebliche Altersversorgung erhält und jeder zweite Rentner eine Betriebsrente bezieht. Wir reden also über mindestens 25 Millionen Menschen, die über eine Betriebsrente oder Ansprüche daraus für das Alter abgesichert sind.

mm: Lässt sich das auf Branchen und Betriebe herunterbrechen?

Doetsch: Die Verbreitung der betrieblichen Altersvorsorge unterscheidet sich in der Tat deutlich nach Betriebsgröße und Branche: Bei großen Unternehmen liegt der Prozensatz bei über 95 Prozent, bei Kleinbetrieben sind es unter 50 Prozent. Im Baugewerbe, in der chemischen Industrie oder im Bankenbereich zum Beispiel werden aufgrund von Tarifverträgen fast 100 Prozent erreicht. In einigen anderen Branchen sieht es dagegen schlecht aus.

mm: Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Selbstständige zahlen in Pensionskassen, Versorgungswerke oder große Pensionsfonds ein. Lässt sich das Vorsorgevermögen dieser Einrichtungen beziffern?

Doetsch: Die Daten, die uns dazu zur Verfügung stehen, sind leider nicht ganz aktuell. Im Jahr 2009 lag das gesamte Vorsorgevermögen bei 468,2 Milliarden Euro, wobei über die Hälfte auf Direktzusagen entfiel. Bei Pensionskassen belief sich das Volumen auf 111,5 Milliarden und bei Direktversicherungen auf 51,5 Milliarden Euro.

mm: Bei den Dax-Konzernen klaffte zwischen den Pensionszusagen und Pensionsvermögen zuletzt eine Lücke von rund 84 Milliarden Euro. Demnach sind lediglich 66 Prozent der Zusagen mit Kapital gedeckt. Müssen sich die Beschäftigten Sorgen machen?

Doetsch: Klares Nein, sie müssen sich keine Sorgen machen. Der Deckungsgrad hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Er lag schon mal unter 30 Prozent, und selbst da musste niemand befürchten, leer auszugehen. Denn bei der in Deutschland vorherrschenden internen Finanzierung steht der Arbeitgeber selbst mit seinem gesamten Betriebsvermögen für die Zusagen ein. Im Falle einer Insolvenz springt der Pensionssicherungsverein (PSV) und damit die Solidargemeinschaft der vielen Tausend Mitglieder ein. Selbst Mega-Insolvenzen wie der AEG-Vergleich oder die Arcandor-Insolvenz hatte der PSV vergleichsweise glimpflich überstanden und letztlich nur für eine kurze Zeit einen deutlich höheren Beitrag von seinen Mitgliedern fordern müssen.

mm: Wie hoch ist der Deckungsgrad in anderen betrieblichen Einrichtungen jenseits der großen Dax-Rentenkassen?

Doetsch: Dazu gibt es keine Statistik. Bei Direktversicherungen, die nach der Direktzusage die am weitesten verbreitete Form der betrieblichen Altersversorgung darstellt und insbesondere bei Kleinstbetrieben vorherrscht, ist begrifflich immer eine volle Deckung gegeben - Beleihungen kommen in der Praxis kaum vor. Direktzusagen haben kleine und mittlere Betriebe häufig für ihre Geschäftsleiter. Ansprüche daraus sind ebenfalls häufig über Versicherungen oder Fonds voll gedeckt. Unterstützungskassen wiederum wurden in letzter Zeit primär als rückgedeckte Unterstützungskassen gegründet. Diese sind - wie Direktversicherungen - grundsätzlich voll über den Versicherungsvertrag ausfinanziert. Es gibt aber auch noch alte, rein mit sogenannter Polsterfinanzierung versehene Unterstützungskassen.

Unter dem Strich gehe ich davon aus, dass der Deckungsgrad für die drei genannten Durchführungswege wegen des höheren Anteils versicherungsförmiger Zusagen über dem der Dax30-Unternehmen liegt.

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Zur Person

Peter Doetsch ist Geschäftsführer der Mercer Deutschland GmbH und leitet den Bereich betriebliche Altersversorgung von Mercer in Central Europe.

Zur Person

Herwig Kinzler ist Leiter des Bereichs Investment Consulting von Mercer in Central Europe. Die Unternehmensberatung beschäftigt weltweit 18.000 Mitarbeiter, 600 davon in Deutschland. Hier berät Mercer vor allem in den Bereichen betriebliche Altersversorgung, Vergütung, M&A Investmentfragen.








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