Samstag, 19. Januar 2019

Geständnis am 57. Verhandlungstag des Fondsanlage-Skandals Letzter Wölbern-Angeklagter steht kurz vor Verurteilung

Firmenschild der früheren Wölbern-Gruppe in der Hamburger Hafencity
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Firmenschild der früheren Wölbern-Gruppe in der Hamburger Hafencity

Die strafrechtliche Aufarbeitung des Geldanlageskandals um das Hamburger Fondshaus Wölbern Invest steht kurz vor ihrem wohl letzten Höhepunkt: Mit Thomas K. legte nach Informationen von manager-magazin.de in dieser Woche der frühere Generalbevollmächtigte von Ex-Wölbern-Chef Heinrich Maria Schulte ein umfangreiches Geständnis vor dem Landgericht Hamburg ab. Er tat dies am 57. Verhandlungstag, beinahe eineinhalb Jahre nach Eröffnung des Prozesses.

Nun erwartet K. sein Urteil, welches den Informationen von manager-magazin.de zufolge zu einer Freiheitsstrafe zwischen einem Jahr und sechs Monaten und einem Jahr und zehn Monaten führen dürfte. Da der Strafrahmen damit nicht mehr als zwei Jahre betrüge, bestünde die Möglichkeit, dass die Strafe für K. auf Bewährung ausgesetzt wird. Dies war K. zuvor für den Fall des Geständnisses von Seiten des Gerichts in Aussicht gestellt worden.

Das Strafverfahren gegen K. begann bereits im September 2017. Seinerzeit wurde auch der Prozess gegen zwei frühere Anwälte der Kanzlei Bird & Bird eröffnet. Allen drei Angeklagten warf die Staatsanwaltschaft im Wölbern-Komplex Beihilfe zur schweren Untreue vor. K. sowie einem der beiden Bird & Bird-Anwälte wurde zudem der Vorwurf der direkten Täterschaft der Untreue in einem besonders schweren Fall gemacht.

Inzwischen wurden die Verfahren gegen die Männer von Bird & Bird allerdings wieder eingestellt beziehungsweise in einem Fall formal vorläufig eingestellt. K. ist damit der einzige, der noch wegen des Wölbern-Anlageskandals in einem Strafprozess vor Gericht steht.

Hintergrund: K. soll als Generalbevollmächtigter dem Ex-Wölbern-Chef Schulte bei dessen Tun geholfen haben. Schulte war bereits 2015 zu 8,5 Jahren Haft verurteilt worden. Der seinerzeitige Wölbern-Inhaber hat laut Urteil vom April 2015 zwischen August 2011 und September 2013 insgesamt mehr als 147 Millionen Euro aus geschlossenen Fonds seines Emissionshauses entnommen und über eine in den Niederlanden ansässige Tochterfirma unrechtmäßig zweckentfremdet. Abzüglich Rückzahlungen von rund 31 Millionen Euro blieben offene Posten von rund 115 Millionen Euro, so die Richter. Rund 50 Millionen Euro davon seien in den privaten Bereich Schultes geflossen.

K. fungierte in der fraglichen Zeit im Hause Wölbern als "rechte Hand" Schultes. Sein Geständnis legte er Prozessbeobachtern zufolge, die namentlich nicht genannt werden wollten, die jedoch als zuverlässig einzustufen sind, am Dienstag dieser Woche vor der 18. Großen Strafkammer des Landgerichts in Hamburg ab. Diese Information sowie der mögliche Strafrahmen von bis zu einem Jahr und zehn Monaten, den der Richter gegenüber K. in Aussicht gestellt hat, wurde manager-magazin.de zudem inzwischen von einer Sprecherin des Gerichts bestätigt.


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Bei seinem Geständnis sagte K. den Beobachtern zufolge, ihm sei die aussichtslose Lage der Wölbern-Gruppe bereits seit 2011 bewusst gewesen. Er habe jedoch die Augen davor verschlossen beziehungsweise sich von Beteuerungen Schultes und anderer Beteiligter blenden lassen.

Zudem bat K. offenbar darum, von einer Bestrafung abzusehen, da diese seine aktuelle berufliche Existenz gefährden würde. Diesem Wunsch dürfte das Gericht aller Wahrscheinlichkeit nach aber kaum nachkommen.

Der Prozess soll am Dienstag, den 15. Januar, mit den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung fortgesetzt werden.

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