Mittwoch, 27. Juli 2016

Millionenlöcher in Fonds Wölbern-Opfer planen Mammutklage gegen Schultes frühere Berater

Skyline von Rotterdam: Viele Fonds von Wölbern Invest haben in Immobilien in den Niederlanden investiert

Während im Gericht gegen Ex-Wölbern-Chef Heinrich Maria Schulte wegen möglicher Untreue verhandelt wird, tut sich draußen eine neue Front auf: Beinahe 30 geschädigte Fonds prüfen enorme Schadensersatzansprüche gegen Schultes Ex-Berater. Im Fokus: eine prominente Anwaltskanzlei.

Hamburg - Im Anlageskandal um das Fondshaus Wölbern Invest und dessen ehemaligen Chef Heinrich Maria Schulte rücken dessen einstige Berater in den Fokus. Nach Informationen von manager magazin online prüfen geschädigte Parteien derzeit intensiv mögliche Schadensersatzansprüche gegen Firmen und Personen, die Schulte zur Seite standen, als er die Transaktionen vornahm, die gegenwärtig im Untreueprozess gegen ihn beleuchtet werden. Namentlich richtet sich das Augenmerk der Wölbern-Opfer vor allem auf die international tätige Kanzlei Bird & Bird, die bundesweit mehrere Niederlassungen unterhält. Der Kanzlei könnte eine millionenschwere Klage ins Haus stehen.

Hintergrund: Schulte steht derzeit wegen des Vorwurfs der gewerbsmäßigen Untreue in 360 Fällen in Hamburg vor Gericht. Im Zeitraum von August 2011 bis September 2013 soll er insgesamt 147 Millionen Euro aus etwa 30 geschlossenen Immobilienfonds von Wölbern Invest unrechtmäßig entnommen und zum Teil für private Dinge zweckentfremdet haben. Es ist einer der größten Anlageskandale seit Jahren, mit an die 40.000 geschädigten Anlegern.

Schulte und seine Verteidiger haben die Vorwürfe vor Gericht bereits zurückgewiesen. Dabei verweisen der Angeklagte und seine Anwälte regelmäßig auf Berater, die ebenfalls in die komplexen Finanztransaktionen involviert gewesen seien.

Insbesondere die Namen der Kanzlei Bird & Bird sowie der dort zur fraglichen Zeit beschäftigten Anwälte Ole Brühl und Frank Moerchen sind im Gerichtssaal regelmäßig zu hören. Laut Verteidigung haben die Anwälte Schultes Geldentnahmen aus den Fonds juristisch unter die Lupe genommen und gutgeheißen.

Anwälte residieren zur Untermiete

Auch Staatsanwalt Heyner Heyen hatte schon zu Beginn des Prozesses im Mai klar gemacht, dass die Rolle von Beratern geklärt werden müsse. Wie Heyen diese Rolle einschätzt, geht aus der 115-seitigen Anklageschrift hervor, die er gegen Schulte verfasst hat. Darin widmet er auch den Aktivitäten von Bird & Bird einige Abschnitte.

Demnach hatte Schulte die Juristen von Bird & Bird offenbar laufend an seiner Seite. Das deckt sich auch mit Aussagen, die Zeugen im laufenden Prozess bereits vor Gericht gemacht haben. So entwarf die Kanzlei für das Wölbern-Management Vertragswerke, erstellte Gutachten und ähnliches. Erleichtert wurde die enge Zusammenarbeit wohl durch die Tatsache, dass Bird & Bird im Bürogebäude in der Hamburger Hafencity als Untermieter der Wölbern Invest KG gleich ein Stockwerk tiefer residierte.

In der Klageschrift von Staatsanwalt Heyen, die manager magazin online vorliegt, erscheint Bird & Bird allerdings in keinem guten Licht. So wird etwa deutlich, dass die Anwälte in einem entscheidenden Punkt, als es nämlich um die erforderliche Zustimmung der Anleger zu Geldentnahmen aus ihren Fonds ging, offenbar zunächst eine vergleichsweise restriktive Rechtsauffassung vertraten. Diese Meinung, die Schultes Handeln möglicherweise gebremst hätte, wurde jedoch später - womöglich auf Wunsch oder Drängen des Klienten - offensichtlich aufgeweicht.

Noch im Sommer 2013, wenige Wochen vor Schultes Verhaftung im September also, hat zudem offenbar Bird & Bird im Auftrag Schultes ein Konzept erarbeitet, mit dem die Liquiditätsabschöpfungen aus den Wölbern-Fonds um einen weiteren Zeitraum hätten verlängert werden sollen. Wegen dieses Anliegens hatte der seinerzeitige Wölbern-Chef zuvor bereits bei einer anderen Kanzlei in Berlin angefragt. Die lehnte den Auftrag aber zu dem Zeitpunkt bereits mit offenbar ernsthaften Bedenken ab.

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