Sonntag, 11. Dezember 2016

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Schadensersatzklage Wölbern-Fonds schielen auf Versicherungs-Millionen

Blick auf Warschau: Der Fonds Polen 01, der in der Metropole investiert hat, beteiligt sich ebenfalls an der Schadensersatzklage

In den Kassen der Fonds von Wölbern Invest fehlen nach dem Skandal um Ex-Firmenchef Schulte weiter Millionen. Sieben Fonds verklagen jetzt gemeinsam einen Ex-Geschäftsführer - sie hoffen, dass dessen Haftpflichtversicherung für den Schaden einsteht.

Hamburg - Bei ihren Bemühungen, Millionenlöcher in ihren Kassen zu stopfen, haben einige Fonds des lädierten Emissionshauses Wölbern Invest eine neue Geldquelle ausgemacht: die Vermögensschadenhaftpflichtversicherung (D&O-Versicherung) des ehemaligen Managements von Wölbern Invest.

Insgesamt sieben Wölbern-Immobilienfonds haben sich zusammengeschlossen und den ehemaligen Wölbern-Geschäftsführer Patrick Hemmingson auf Schadensersatz verklagt. Laut Klageschrift, die manager magazin online vorliegt, fordern die Fonds Entschädigung in Höhe von zunächst knapp drei Millionen Euro. Nach Angaben von Christoph Schmidt jedoch, umtriebiger Wölbern-Anleger und Geschäftsführer des an der Klage beteiligten Fonds Polen 01, beträgt die Schadenssumme der sieben Fonds insgesamt beinahe 30 Millionen Euro.

Fondsgeschäftsführer Christoph Schmidt
Die Forderung in der Klage sei zunächst aus Kostengründen niedrig angesetzt worden, so Schmidt. Sie könne jederzeit auf die volle Summe von 30 Millionen Euro erhöht werden. Ebenso könnten sich möglicherweise noch weitere Fonds der Klage anschließen.

Die Rechnung begleichen würde nach dem Kalkül der Kläger am Ende allerdings nicht Ex-Wölbern-Geschäftsführer Hemmingson alleine, sondern im Wesentlichen die D&O-Versicherung des Unternehmens. Nach Angaben Schmidts steht sie für bis zu 20 Millionen Euro pro Jahr ein.

Der Beklagte Hemmingson saß bis zuletzt neben Ex-Wölbern-Chef Heinrich Maria Schulte in der Geschäftsführung zahlreicher Immobilienfonds des Unternehmens.

Beklagter aus Effizienzgründen

Schulte steht derzeit in Hamburg wegen des Vorwurfs der gewerblichen Untreue vor Gericht. Er soll zwischen August 2011 und September 2013 insgesamt 147 Millionen Euro auf den geschlossenen Immobilienfonds von Wölbern Invest zweckentfremdet und veruntreut haben, was Schulte selbst bestreitet.

Nach wie vor fehlen Millionensummen in den Fondskassen. Im Falle der sieben Immobilienfonds, die jetzt klagen, beträgt das Liquiditätsloch eben jene insgesamt knapp 30 Millionen Euro, die ersetzt werden sollen. Im Einzelnen handelt es sich auf Klägerseite neben Polen 01 um die Fonds Holland 56, Holland 57, Holland 62, Holland 63, Österreich 01 und Österreich 04.

Nach Angaben von Fondsgeschäftsführer Schmidt richtet sich die Klage vor allem aus Effizienzgründen gegen Ex-Geschäftsführer Hemmingson und nicht gegen den ehemaligen Wölbern-Chef Schulte persönlich. Die Fragen des möglichen Vorsatzes sowie des laufenden privaten Insolvenzverfahrens könnten die Sache bei Schulte verkomplizieren, so Schmidt.

Auch gegen Hemmingson, der kürzlich im Schulte-Prozess als Zeuge aufgetreten war, ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg wegen möglicher Beihilfe. Für eine Stellungnahme war der frühere Wölbern-Mann nicht zu erreichen.

Themenseite: Alles über den Wölbern-Anlageskandal

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