Sonntag, 29. Mai 2016

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Anlageskandal Prozess gegen Wölbern-Chef Schulte beginnt im Mai

Ab Mai vor Gericht: Mediziner und Wölbern-Invest-Chef Heinrich Maria Schulte
Wölbern Invest
Ab Mai vor Gericht: Mediziner und Wölbern-Invest-Chef Heinrich Maria Schulte

Der Anlageskandal um Heinrich Maria Schulte, Inhaber und Chef des Fondshauses Wölbern Invest, geht in die heiße Phase: Das Landgericht Hamburg hat den Termin für den Prozessbeginn gegen Schulte festgelegt. Der Vorwurf: Untreue in Hunderten Fällen.

Hamburg - Der Anlageskandal um Heinrich Maria Schulte, Inhaber und Chef des Fondsemissionshauses Wölbern Invest, strebt seinem Höhepunkt entgegen: Vom Landgericht Hamburg wurden jetzt die Anklage gegen Schulte zugelassen und die Prozesstermine festgelegt. Das teilte eine Sprecherin des Gerichts auf Anfrage von manager magazin online mit.

Demnach beginnt der Prozess gegen Schulte am 19. Mai dieses Jahres um 13 Uhr in Saal 209 des Gerichtsgebäudes am Hamburger Sievekingplatz. Verhandelt wird der Fall mit dem Aktienzeichen 630 KLS 1/14 nach Auskunft der Gerichtssprecherin vor der Großen Strafkammer 30 des Landgerichts mit dem Vorsitzenden Richter Hartmut Loth. Festgelegt wurden zunächst 15 Verhandlungstage, verteilt auf die Monate Mai bis August.

Schulte steht im Mittelpunkt eines der großen Anlageskandale der letzten Zeit. Er soll aus geschlossenen Fonds von Wölbern Invest Millionensummen unrechtmäßig abgezweigt haben. Betroffen davon sind mehrere Dutzend Beteiligungsgesellschaften, wobei es sich in der Mehrzahl um Immobilienfonds handelt. Insgesamt haben sich bis zu 40.000 Anleger an den Fonds beteiligt.

Die konkreten Vorwürfe gegen Schulte gehen aus der Anklageschrift hervor, die die Staatsanwaltschaft Hamburg schon vor Wochen eingereicht hatte. Demnach wird dem Mediziner und Finanzinvestor Untreue in 360 Fällen zur Last gelegt. Der Angeschuldigte soll insgesamt 147,3 Millionen Euro veruntreut haben, so die Staatsanwälte. Den Betrag habe Schulte von Wölbern-Invest-Fondsgesellschaften zunächst auf zwei Konten der Wölbern Invest B.V. in den Niederlanden transferiert.

Geld landete offenbar auf Schultes Privatkonto

Von dort, so erläuterte die Staatsanwaltschaft bereits früher gegenüber manager magazin online, sollen unter anderem 84,6 Millionen Euro auf ein Konto der Wölbern Group KG, 18,2 Millionen Euro auf ein Konto der Wölbern Invest KG sowie weitere 750.000 Euro auf ein Privatkonto Schultes geleitet worden sein.

Von dem Konto der Wölbern Group KG schließlich sollen laut Staatsanwaltschaft unter anderem 40 Millionen Euro ebenfalls auf ein Privatkonto des Fondshauschefs geflossen sein. Darüber hinaus soll Schulte von diesem Wölbern-Group-Konto "privat veranlasste Verfügungen" in Höhe von etwa zehn Millionen Euro vorgenommen haben.

Sprich: Nach Ansicht der Staatsanwälte hat der Mediziner wohl in dieser Höhe private Rechnungen mit Fondsgeldern bezahlt.

Heinrich Maria Schulte sitzt seit einer Razzia im September 2013 in Untersuchungshaft und war für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen nicht zu erreichen. Sein Strafverteidiger ließ auf Anfrage von manager magazin online wissen, es solle keine Stellungnahme zu den Vorwürfen abgegeben werden. Vor dem Zugriff der Ermittler im Herbst 2013 hatte Schulte allerdings mehrfach abgestritten, Gelder aus Fonds von Wölbern Invest unrechtmäßig abgezweigt zu haben.

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