Samstag, 30. Juli 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Deutsche Privatanleger "Unglaubliche Angst vor Kapitalverlust"

Geldanlage: Was den Deutschen wichtig ist
Fotos
Getty Images

Deutsche Privatanleger müssen ihre hohe Risikoscheu ablegen, wollen sie unter dem Strich nicht weiter Geld verlieren, mahnt Goldman-Sachs-Manager Markus Weis. Der Experte sagt, wie sich mit einem überschaubaren Risiko ordentliche Renditen erzielen lassen und wo er Anlagechancen sieht.

mm: Herr Weis, Goldman Sachs begibt sich ein wenig in die Niederungen der privaten Geldanlage in Deutschland. Das überrascht.

Weis: Wir machen diese Umfrage schon länger, sprechen die Privatanleger aber lediglich indirekt über unsere Kunden wie Banken und Sparkassen an. Diese versuchen wir mit unseren Produkten und Themen zu überzeugen. Auf diesem Markt sind wir in Deutschland seit gut fünf Jahren präsent, mit wachsendem Erfolg.

mm: Holen wir den Privatanleger dort ab, wo er derzeit vor allem sein Geld anlegt - auf schlecht verzinsten Bankkonten. Welchen Tagesgeldzins zahlt denn Ihre Bank?

Weis: Da muss ich ganz ehrlich passen. Ich schaue weniger auf den Zins beim Thema Tagesgeld, weil ich das nur als kleine Liquiditätsreserve betrachte. Wichtiger ist für mich, welche Themen der Kapitalmarkt bietet und dass hier sauber diversifiziert wird.

mm: Diversifikation ist nicht gerade die Stärke der Deutschen. Das Gros ihres fünf Billionen Euro hohen Geldvermögens haben sie vergleichsweise ertragsschwach bei Banken und Versicherern angelegt. Aktien spielen kaum eine Rolle. Wie haben Sie Ihr Geld gestreut?

Weis: Ich denke nicht, dass meine persönliche Geldanlage hier jetzt im Fokus stehen sollte. Wir stellen in unserer Studie fest, mit 54 Prozent Zuspruch ist des Deutschen liebstes Kind bei der Geldanlage tatsächlich immer noch das Sparbuch …

mm: … die Risikoaversion der Deutschen ist also nach wie vor hoch.

Weis: Absolut. Wie offensichtlich diese Risikoscheu ist, überrascht uns allerdings. Wenn gut 76 Prozent der Anleger sagen, die Sicherheit des Investments hat für sie oberste Priorität und weniger als 10 Prozent legen Wert auf Rendite, dann ist das schon erschreckend.

mm: Was sind die Gründe für die Risikoscheu?

Weis: Die Wertpapieranlage spielt in der Kultur der Deutschen eine untergeordnete Rolle. Das Basiswissen darüber ist hierzulande auch deutlich schwächer ausgeprägt als zum Beispiel in angelsächsischen Ländern. Zudem hatten jene Privatanleger, die sich im vergangenen Jahrzehnt an den Kapitalmarkt trauten, die Erfahrung gleich zwei schwerer Kapitalmarktkrisen mit empfindlichen Verlusten zu überstehen. Diese negativen eigenen Erfahrungen oder die vieler Freunde und Bekannter hat sie nachhaltig geprägt und ihre Risikoaversion vermutlich noch verstärkt.

mm: Stichwort Erfahrungen - ob nun US-Kreditverbriefungen, spanische Immobilien oder dubiose Schiffsfinanzierungen. Die Löcher, in denen viele Deutsche nach Rat ihrer Bankberater Milliarden versenkt haben, sind zahlreich. Ist nicht eher ein tiefes Misstrauen zentraler Grund für ihre Risikoaversion?

Weis: Schlechte Beratungserfahrungen mögen sicherlich eine Rolle spielen. Der zentrale Grund liegt meines Erachtens aber eher in der fehlenden Auseinandersetzung mit der Materie und der im Grunde unumstrittenen Erkenntnis, dass ein Teil des Vermögens jeweils in Immobilien, Renten aber auch Aktien angelegt sein sollte. Diese Erkenntnis ist bei vielen deutschen Sparern nicht präsent.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH