Samstag, 16. Dezember 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Bericht über illegale Internet-Casinos Wirecard knickt ein - Paradise Papers rücken Finanzbranche in den Blick

Wirecard: Der Zahlungsdienstleister gerät in den Blick der Behörden

Die Aktien des Zahlungsabwicklers Wirecard Börsen-Chart zeigen haben am Mittwochmorgen mit einem Kurssturz auf einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" reagiert. Die Papiere des Zahlungsabwicklers knickten am Morgen zeitweise um mehr als 5 Prozent ein. Der Datensatz der "Paradise Papers" habe den Blick der Weltöffentlichkeit einmal mehr auf fragwürdige Steuerpraktiken wohlhabender Personen und globaler Konzerne gelenkt - und auf Finanzfirmen in deren Umfeld, heißt es.

Die Enthüllungen der "Paradise Papers" über dubiose finanzielle Praktiken haben nun auch die deutsche Finanzbranche erreicht. Mehrere deutsche Banken werden dem Bericht der "SZ" zufolge verdächtigt, mit illegalen Internet-Casinos Geschäfte zu machen und systematisch gegen deutsche Gesetze zu verstoßen. Einige Geldhäuser wie die DZ-Bank, die Postbank und die Hypovereinsbank nähmen Geld für unerlaubte Glücksspielangebote entgegen, berichteten "SZ" und NDR am Dienstagabend.

Andere Banken wie die Wirecard Bank führen für Offshore-Glücksspielanbieter Konten, über die Auszahlungen an Spieler abgewickelt würden.

Lesen Sie auch den mm-Report: Wirecard und die 1000 englischen Briefkastenfirmen

Die Zahlungsabwicklung könne "nach hiesiger Einschätzung eine Straftat der Beihilfe zur Veranstaltung von unerlaubtem Glücksspiel" und den "Straftatbestand der Geldwäsche" erfüllen, zitierte die "SZ" das niedersächsische Innenministerium sowie mehrere Banken- und Strafrechtsexperten. Das Ministerium in Hannover sei bundesweit für die Aufsicht über derartige Zahlungsströme zuständig.

Mögliche Straftat: Beihilfe zur Veranstaltung von unerlaubtem Glücksspiel

Die Hypovereinsbank teilte auf dpa-Anfrage mit, "alle geltenden rechtlichen und regulatorischen Vorgaben" zu befolgen, dies umfasse auch "geldwäscherechtliche Verpflichtungen". Die DZ-Bank äußerte laut "SZ"-Bericht, man wolle den Sachverhalt klären.

Die anderen betroffenen Banken gaben der "SZ" zufolge an, sich zu konkreten Kundenbeziehungen nicht zu äußern, sich aber stets an deutsches Recht zu halten. Die Deutsche Presse-Agentur erhielt am Abend zunächst keine Stellungnahmen mehr von den anderen Banken.

In Deutschland sind weitgehend die Länder für die Regulierung von Lotterien, Sportwetten oder Kasinospielen zuständig. Für die meisten Glücksspiele gilt nach wie vor ein staatliches Monopol. Nur für private Sportwettenanbieter wurde der Markt geöffnet. Online-Glücksspiel ist verboten, denn der Staatsvertrag sieht keine bundesdeutschen Online-Casino-Lizenzen vor. Nur einige Ausnahmen sind beschränkt zugelassen.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH