Dienstag, 26. Juli 2016

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Windkraftfonds Rückkehr mit Risiken

Windkraftanlagen statt Solar: Immer mehr Anleger investieren in Windkraftprojekte

Nach der massiven Kürzung der Einspeisevergütung für Solarenergie setzen Emissionshäuser wieder auf Fonds, die in Windkraftanlagen investieren. Die Betreiber beteuern, sie hätten aus Fehlern gelernt - doch ein Grundproblem bleibt.

Hamburg - Im Pantheon der Initiatoren Erneuerbarer Energienfonds räumt Helios den Thron für Aiolos. Die Emissionshäuser lassen den Lenker des Sonnenwagens Platz machen für den himmlischen Herrn des Windes. "Anbieter geschlossener Beteiligungsmodelle setzen bei regenerativen Energien jetzt fast ausschließlich auf Windkraft", sagt Markus Lentz, Analyst der Ratingagentur Scope. Von den im bisherigen Jahresverlauf neu emittierten Fonds, die in Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energien investieren, setzten 88 Prozent auf Windturbinen. "Es kam nur noch ein neuer Solarfonds an den Markt", sagt Lentz.

Das war in den vergangenen Jahren anders: Von 2009 bis 2012 hatten Initiatoren vorwiegend Solarfonds aufgelegt, mit denen sich Anleger an Photovoltaikanlagen beteiligen konnten. Diese wandeln Sonnenlicht in elektrischen Strom um, der dann zu staatlich garantierten Festpreisen an die Energiekonzerne verkauft wird.

Weil durch den massiven Ausbau der Solarenergie die Strompreise immer weiter stiegen, haben die meisten europäischen Ländern jedoch die garantierte Einspeisevergütung für Sonnenstrom aus neu errichteten Anlagen kontinuierlich gekürzt oder sogar vollständig gestrichen. Allein in Deutschland wurden die Vergütungssätze für Sonnenstrom aus Freiflächenanlagen seit 2004 sukzessive um 61 Prozent von 0,457 Euro pro Kilowattstunde (kWh) auf aktuell nur noch 0,1794 Euro pro kWh zurückgefahren. 2014 sollen sie nochmals reduziert werden.

Hingegen ist die garantierte Grundvergütung für elektrischen Strom aus Windkraftanlagen seit 2004 nur um 11,5 Prozent auf 0,055 Euro pro kWh zurückgefahren worden.

Gute Resonanz bei Anlegern

Damit ist die Einspeisevergütung für Windenergie aktuell zwar 69 Prozent geringer als für Solarstrom. Allerdings kosten Turbinen in Relation zur Menge des erzeugten Stroms deutlich weniger als Photovoltaikanlagen. "Auf dem Papier können Emissionshäuser deshalb attraktive Renditen für Windkraftanlagen ausweisen", sagt der Münchner Fachanwalt für Kapitalanlagerecht, Peter Mattil.

Die meisten Initiatoren von Beteiligungsmodellen im Bereich regenerativer Energien setzen deshalb nun auf Aiolos. "Windfonds bilden derzeit beinahe die ausschließliche Investitionsmöglichkeit im Bereich Erneuerbarer Energien", sagt Analyst Lentz.

Bei etlichen Anlegern kommen die Beteiligungsmodelle gut an. Schließlich bieten Windfonds die Möglichkeit, mit gutem Gewissen in die Erzeugung sauberer Energien zu investierten - und gleichzeitig die Chance, Renditen erzielen zu können. Der Kalchreuther Initiator Leoniadas Associates konnte jüngst für seine beiden Frankreich-Windfonds XII und XIII in nicht einmal drei Monaten die nötigen 20 Millionen Euro Eigenkapital einwerben. "In den letzten vier Wochen kamen täglich mehr als 500.000 Euro herein", sagt Max-Robert Hug, geschäftsführender Gesellschafter des Emissionshauses.

Die Regensburger Lacuna konnte für ihr Beteiligungsangebot an einem Windpark im bayerischen Töpen ebenfalls in kurzer Zeit die nötigen 4,95 Millionen Euro einsammeln. "Die Platzierung dauerte nur drei Monate", sagt Unternehmenssprecherin Olga Sarezki.

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