Donnerstag, 19. Oktober 2017

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Kurzfristiger Ausstieg aus Immobilienkrediten möglich  Der Widerrufsjoker bei Immo-Krediten ist wieder da

Neubauten bei Frankfurt: Wer seinen Kredit zwischen Juni 2010 und März 2016 aufgenommen hat, kann ihn möglicherweise vergleichsweise einfach gegen einen günstigeren tauschen

Es war eine schlechte Nachricht für Tausende Immobilienkäufer und Bauherren, die ihre Objekte mit Bankkrediten finanziert hatten: Im vergangenen Jahr trat ein Gesetz in Kraft, mit dem die Bundesregierung den sogenannten Widerrufsjoker aus der Welt schaffte. Mit diesem Trick war es den Kreditnehmern unter bestimmten Voraussetzungen zuvor möglich gewesen, aus teilweise mehrere Jahre alten Kreditverträgen auszusteigen, beispielsweise um daraufhin neue Darlehen zu günstigeren Konditionen aufzunehmen.

Nun kommt jedoch die gute Nachricht: Der Widerrufsjoker ist zurück. Allerdings nicht ganz der gleiche wie zuvor.

Der Hintergrund: Basis des "Widerrufsjokers" waren jahrelang fehlerhafte Widerrufsbelehrungen, die von Banken und Sparkassen beim Abschluss von Krediten verwendet worden waren. Diese hatten zur Folge, dass die Widerrufsfrist von seinerzeit eigentlich 14 Tagen bei den fraglichen Kreditverträgen nie begann. Der Bankkunde konnte daher auch nach Jahren noch widerrufen, etwa um zu einem günstigeren Darlehen zu wechseln.

Diesem Treiben der Bankkunden schob Berlin 2016 auf Drängen der Geldinstitute zwar einen Riegel vor. Allerdings nur für Kredite, die vor 2010 abgeschlossen worden waren. Gleichzeitig wurde für Kredite ab März 2016 eine Widerrufsfrist von einem Jahr und 14 Tagen eingeführt.

Immobilienkredite jedoch, die zwischen Juni 2010 und März 2016 ausgegeben wurden, sind von der Abschaffung des "Widerrufsjokers" nicht betroffen - doch auch sie enthalten nach Angaben von Fachleuten in vielen Fällen fehlerhafte Widerrufsbelehrungen.

Die Folge: In diesen Fällen kann der Kunde weiterhin, sofern die Voraussetzungen, sprich die fehlerhafte Widerrufsbelehrung, gegeben sind, auch nach Jahren noch widerrufen.

"Banken und Sparkassen haben auch in dem fraglichen Zeitraum zwischen 2010 und 2016 häufig falsche Widerrufsbelehrungen verwendet", sagt Fachanwalt Hartmut Göddecke von der Siegburger Kanzlei Göddecke Rechtsanwälte. "Die Angaben, die die Institute in diesen Belehrungen machen müssen, sind ja nicht weniger geworden."

Eher im Gegenteil. Zudem wichen viele Institute in der Vergangenheit von Mustervorgaben für die Formulierung der Widerrufsbelehrungen ab. Dadurch liefen sie Gefahr, dass diese Belehrungen unwirksam wurden.

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