Samstag, 15. Dezember 2018

Kurzfristiger Ausstieg aus Immobilienkrediten möglich  Der Widerrufsjoker bei Immo-Krediten ist wieder da

Neubauten bei Frankfurt: Wer seinen Kredit zwischen Juni 2010 und März 2016 aufgenommen hat, kann ihn möglicherweise vergleichsweise einfach gegen einen günstigeren tauschen

2. Teil: Hat die ING-Diba ein gewaltiges Problem?

So entstand ein offenbar gewaltiges Problem für die Baufinanzierungsbranche. Nach Schätzung von Alexander Krolzik, Baufi-Experte der Verbraucherzentrale Hamburg, existiert auch aus der Zeit von 2010 bis 2016 bundesweit eine siebenstellige Zahl an Immobilienkrediten mit fehlerhaften Widerrufsbelehrungen.

Allein die Sparkassen sind nach Schätzung Krolziks mit einer großen Zahl an Verträgen dabei. Sie machten einen ähnlichen Fehler wie andere Banken auch: Die Sparkassen haben zunächst den Begriff "Aufsichtsbehörde" in die Widerrufsbelehrung eingeführt, obwohl es dazu keine Verpflichtung gab. Und dann versäumten sie es, die Aufsichtsbehörde konkret zu benennen, was ebenfalls ein Manko darstellt. Der Fall hat es bereits Ende vergangenen Jahres bis vor den Bundesgerichtshof gebracht (Az. XI ZR 434/15).

Einen anderen Kreditgeber großen Kalibers, der ebenfalls von dem Problem betroffen sei, will die Interessengemeinschaft (IG) Widerruf aus Eschborn bei Frankfurt ausgemacht haben. Nach Angaben des Sprechers der IG, Roland Klaus, können "einige hunderttausend" Kunden der ING-Diba, die ihre Verträge nach 2010 abgeschlossen haben, ebenfalls den "Widerrufsjoker" ziehen.

  1. "Die Diba sagt selbst, dass sie derzeit insgesamt rund 850.000 Baufinanzierungen ausgegeben hat", so Klaus zu manager-magazin.de. "Davon dürfte nach unserer Schätzung etwa die Hälfte aus dem fraglichen Zeitraum stammen und mehrheitlich von dem Fehler betroffen sein."

Der "Fehler", den die IG Widerruf der Bank unterstellt: Die ING-Diba, Tochter der niederländischen ING-Gruppe und einer der größten Finanzierer privater Immobilienvorhaben in Deutschland, habe es versäumt, die Kreditlaufzeit in ihren Verträgen anzugeben. Damit habe die Bank an entscheidender Stelle "geschlampt", so Klaus, denn diese Laufzeit gehöre zu den gesetzlich geforderten Pflichtangaben.

Die ING-Diba teilt dazu auf Anfrage mit, die Bank könne die Behauptungen der IG Widerruf nicht nachvollziehen. Die Darlehensverträge aus dem Zeitraum 2010 bis 2015 der ING-DiBa enthielten alle gesetzlich vorgeschriebenen Informationspflichten. "Die ING-DiBa bedauert sehr, dass die Kunden immer wieder durch derartige Behauptungen verunsichert werden", so die Bank.

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