Dienstag, 24. Oktober 2017

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Mid- und Small Caps "Small bleibt beautiful"

Klein aber wendig: Im Ringen um Rendite haben kleine Aktien - sogenannte Small Caps - weltweit immer wieder die Nase vor hochkapitalisierten Titeln

MDax und SDax notieren auf Rekordniveau - Nebenwerte lassen den Dax weit hinter sich. Auch weltweit haben die "Kleinen" die Nase vorn. Trotz sportlicher Bewertung sieht Stefan Scheurer von Allianz Global Investors noch Potenzial für Midcaps und sagt, wo ein Investment lohnen könnte.

mm: Herr Scheurer, MDax Börsen-Chart zeigen und SDax Börsen-Chart zeigen lassen den Dax Börsen-Chart zeigen seit Jahresbeginn weit hinter sich - eine deutsche Besonderheit in diesem Jahr?

Scheurer: Die Nebenwerte haben derzeit tatsächlich einen starken Lauf, ihr Kurszuwachs seit Jahresbeginn fällt mit jeweils rund 30 Prozent fast doppelt so hoch aus wie der des Dax. Die Outperformance der Kleinen ist aber kein singulär deutsches Phänomen und lässt sich rückblickend schon länger beobachten.

mm: Das heißt?

Scheurer: Gemessen am MSCI Large Cap Total Return konnten die großen Werte seit der Jahrtausendwende weltweit zwar um 80 Prozent zulegen. Analog hat sich der Small Cap Index aber fast verdreifacht. Das heißt, global anlegende Investoren sind in der lang anhaltenden Niedrigzinsphase mit kleinen Werten unter dem Strich bis jetzt deutlich besser gefahren.

mm: Global - doch stimmt die These auch für einzelne Märkte?

Scheurer: Durchaus, das Phänomen zeigt sich auch für einzelne Regionen. In Nordamerika zum Beispiel legten die Small Caps seit 2001 mit 9 Prozent im Jahresschnitt dreimal so stark zu wie die großen Werte. In Europa war das Kursplus mit 8 Prozent mehr als viermal so hoch wie das der Large Caps. Selbst im rezessionsgeplagten Japan gewannen die kleinen Werte jährlich 3,6 Prozent hinzu, während große japanische Aktien im Schnitt 0,4 Prozent verloren. Sowohl global als auch regional fällt die Bilanz der vergangenen 13 Jahre also deutlich zugunsten der geringer kapitalisierten Werte aus.

mm: On the long run mag die Rechnung ja aufgehen. Doch wissen wir, dass gerade in Abschwungphasen Anleger Nebenwerte mitunter wie eine heiße Kartoffel fallen lassen.

Scheurer: Das Abwärtsrisiko der Nebenwerte in Abschwungphasen ist sicherlich nicht zu unterschätzen. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass Anleger nicht alles auf eine Karte setzen und breit diversifizieren. Bricht die Konjunktur ein, leiden kleinere, spezialisierte Firmen oft ungleich stärker als breiter aufgestellte Großkonzerne. Das kann, muss aber nicht auch für ihre Aktienkurse gelten. Die These von der heißen Kartoffel trifft aus historischer Perspektive jedenfalls nicht durchgängig zu.

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