Dienstag, 24. Oktober 2017

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Nur kein Neid Warum Erben gerecht ist

Nur kein Neid: Bei unzähligen vererbten Immobilien haben die Erben schon lange vor dem Erbfall bei Instandhaltung, Reparaturen und Erweiterungen mit angepackt und oft auch Geld investiert.

Wem ist eigentlich diese pauschale Verleumdung eingefallen, dass Erben "leistungsloser Erwerb" wäre? Wer hat damit angefangen, Erbschaften einfach so als "unverdientes Vermögen" zu bezeichnen? Das ist ja eine nette Wortspielerei mit der Doppeldeutigkeit von "Verdienst", aber nur weil sich etwas leicht dahinsagen lässt, wird es nicht unbedingt wahrer.

In der politischen Auseinandersetzung ist es tatsächlich kein seltenes Phänomen, dass eingängige Sprüchlein unhinterfragt nachgeplappert werden. In der laufenden Diskussion um die Gerechtigkeit des Erbens - durch die notwendige Reform der Erbschaftssteuer in Gang gesetzt - findet sich das in besonderem Maße.

Ein paar Beispiele:

Wirklich allgegenwärtig ist dieses Diktum von der Leistungslosigkeit der Erben in Bezug auf das Erbe. Tatsächlich gibt es aber zum Beispiel wohl kaum ein Familienunternehmen, bei dem nicht alle Familienmitglieder immer wieder unentgeltlich mitanpacken müssen und schwierige Phasen im Betrieb oft erhebliche Belastungen und Verzicht im Privaten bedeuten. Gerade bei kleinen Unternehmen hängt der Erfolg vielfach mittelbar und unmittelbar vom Zutun der ganzen Familie ab, egal auf wessen Konto der "Verdienst" gebucht wird.

Gerd Maas
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    Gerd Maas - Jahrgang 1967, verheiratet, zwei Kinder - ist Unternehmer und Publizist und engagiert sich seit vielen Jahren beim Verband "Die Familienunternehmer ¿ ASU e.V." und beim "Bund der Steuerzahler". Als Autor und Blogger setzt sich Maas für Ludwig Erhards Idee der sozialen Marktwirtschaft ein.
Oder wie will man die Leistung bewerten, wenn bei einem großen Firmenerbe ganz selbstverständlich die Verpflichtetheit gegenüber einer entsprechend großen Belegschaft mitübertragen wird? Bei unzähligen vererbten Immobilien haben die Erben schon lange vor dem Erbfall bei Instandhaltung, Reparaturen und Erweiterungen mit angepackt und oft auch Geld investiert. Und, dem Totsagen der Familie zum Trotz, wird zahllos die Vorsorge der Erblasser mit der Fürsorge der Nachkommen am Lebensabend vergolten. Wie kann man sich erdreisten, das leistungslos zu nennen? Und selbst wenn jemand ein Vermächtnis wirklich aus heiterem Himmel bekommt: Warum sollten wir ihm in einer freien Gesellschaften sein Glück neiden?

Die Beugung der Realität durch die Wortwahl beginnt aber noch früher: Es wird stets vom Erben gesprochen, kaum vom Schenken. Denn nur durch das Ableben des Schenkers kann man den Vorgang ausschließlich als ein Einkommen des Begünstigten konstruieren. Vererben und Verschenken ist aber genau das Gleiche, nur dass beim Schenken viel deutlicher wird, dass es sich in erster Linie um eine Verfügung des Schenkers über sein Eigentum handelt, das er aus gespartem und bereits versteuertem Einkommen gebildet hat.

Aus besonders hoch versteuertem Einkommen, denn sparen kann man nur, was nach Abzug der Lebenshaltungskosten übrigbleibt; bei unserem linear-progressiven Einkommensteuertarif ist das Ersparte damit stets das mit den jeweils höchsten Grenzsteuersätzen belegte Einkommen. Da stellt sich die Frage: Was geht es den Staat an, ob ich meinen selbstgebackenen Kuchen selber esse oder mit anderen teile?

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