Samstag, 23. Juli 2016

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Regulierung des Bankensystems Warum die Politik die Rolle der Banken falsch versteht

Krisenzeit: Nach mehreren Jahrzehnten des Kreditbooms befindet sich das Finanzsystem an die Grenze des Zusammenbruchs

"Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh", meinte der Autopionier Henry Ford. So gesehen ist es gut, dass eine Umfrage unter britischen Abgeordneten ergeben hat, dass noch 9 von 10 denken, das Geld werde ausschließlich vom Staat geschaffen. Getrost kann man davon ausgehen, dass es um das Verständnis bei unseren Abgeordneten und in der breiten Öffentlichkeit nicht anders gestellt ist.

Obwohl die Zentralbanken der Welt einen anderen Eindruck erwecken, haben sie nur sehr indirekt und schwach Einfluss auf die Entwicklung der Geldmenge, nämlich über den Zinssatz und die geforderte Mindestreserve, die Banken bei ihnen hinterlegen müssen. Dabei folgen sie dem was das Bankensystem macht - nicht umgekehrt.

Wenn die Bank einen Kredit gewährt, kann sie dies tun, ohne zuvor eine Spareinlage bekommen zu haben. Sie schafft das Geld also aus dem Nichts - lateinisch "fiat", weshalb man von einem Fiat-Geldsystem spricht. Dies ist solange nicht problematisch, wie der Kredit gegen vernünftige Sicherheit begeben wird, denn dann steht dem neu geschaffenen Geld ein entsprechender Vermögenswert entgegen. Das Geld ist also durch ein werthaltiges Asset gedeckt.

Problematisch wird erst, wenn die Sicherheiten nicht werthaltig sind oder aber - zum Beispiel in einer Blase - zu hoch bewertet waren und plötzlich stark an Wert verlieren. Banken- und Finanzkrisen sind dann die zwangsläufige Folge.

Daniel Stelter
Diese zu verhindern war ein Hauptgrund für die Gründung von Zentralbanken die im Krisenfall als "Lender of Last Resort" einspringen sollten. Allerdings mit harten Auflagen. Walter Bagehot, Herausgeber des Economist und Bankenexperte hat dazu schon 1873 klare Regeln aufgestellt: Demnach sollte die Zentralbank im Krisenfall nur solventen Banken helfen, gegen die Hinterlegung von sehr guten Sicherheiten, zu einem hohen Strafzins. Mit diesen Regeln wollte er sicherstellen, dass die Banken vorsichtig agieren und ihre Geldschöpfungsfähigkeit nicht missbrauchen, um schlechten Schuldnern gegen unzureichende Sicherheiten Geld zu geben.

Mit Blick auf die Eurokrise und vor allem die derzeitige Griechenlandpolitik müssen wir allerdings feststellen, dass die genannten Grundsätze alle über Bord geworfen wurden. Die EZB gibt Banken, die faktisch insolvent sind, Kredite gegen fragwürdige Sicherheiten, zu einem Zinssatz von fast Null. Dies zeigt, wie schlimm es um das Finanzsystem nicht nur in Griechenland im Jahre sechs der Krise gestellt ist.

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