Mittwoch, 16. August 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Trendwende am Devisenmarkt Warum der Euro wieder steigen wird

Seit mehr als zwei Jahren dümpelt der Euro knapp über der Paritätsmarke gegenüber dem US-Dollar vor sich hin. Viele Marktteilnehmer erwarten, dass sich die europäische Währung im Jahresverlauf tendenziell abschwächen wird. Einige rechnen sogar mit einem Bruch der Parität. Dieses Szenario fußt darauf, dass die fiskalischen Maßnahmen der neuen US-Regierung sowie die Leitzinserhöhungen der US-Notenbank Fed den Dollar Börsen-Chart zeigen stärken, während die ultra-lockere Geldpolitik der EZB in Kombination mit den erhöhten politischen Risiken in der Eurozone den Euro Börsen-Chart zeigen belasten.

An dieser Sichtweise bestehen jedoch erhebliche Zweifel. Im Gegenteil: Es mehren sich die Anzeichen, dass der Euro mit Blick auf 2018 eine langfristige Trendwende vollführen und deutlich stärker notieren könnte.

Ende des Dollar-Höhenflugs

Daniel Pfändler
  • Copyright:
    Daniel Pfändler ist Portfoliostratege beim unabhängigen Vermögens-verwalter Main Sky Asset Management AG und verfügt über langjährige Erfahrung in der makroökonomischen Analyse und Finanzmarktstrategie.

Die US-Wirtschaft dürfte weiterhin ähnlich wie in den vergangenen Jahren mit rund 2 Prozent wachsen. Während die Geldpolitik weniger akkommodierend wird, dürfte die Fiskalpolitik der Trump-Administration wachstumsunterstützender werden. Allerdings begrenzt das zuletzt wieder gestiegene Budgetdefizit von mehr als 3 Prozent den Spielraum der neuen Regierung. Dies spricht für moderate Fiskalprogramme beziehungsweise für eine deutliche Gegenfinanzierung der angestrebten Steuersenkungen und Infrastrukturausgaben.

Darüber hinaus dürften sich die politischen Prozesse zur Umsetzung der angestrebten Wahlversprechen in die Länge ziehen. Nach der Markteuphorie der vergangenen Monate sollte das damit aufgebaute Enttäuschungspotenzial nicht ignoriert werden. Die US-Notenbank wiederum dürfte die Leitzinsen mittelfristig zwar weiter anheben. Weil der Markt dies aber schon weitgehend einpreist, sollte der Dollar kaum mehr davon profitieren. In Summe spricht dies zwar für einen stabilen US-Dollar, aber nicht für einen weiteren Dollar-Höhenflug.

Kurswechsel der EZB in Sicht

Für den Euro hingegen hellt sich der Ausblick zusehends auf. So haben die Deflationsgefahren in den vergangenen Quartalen abgenommen, das Wachstumsumfeld erscheint aktuell so günstig wie seit Jahren nicht mehr. Der Stimmungsindikator der Europäischen Kommission für die Eurozone ist im Februar auf den höchsten Wert seit März 2011 - also vor dem Ausbruch der Staatsschuldenkrise - angestiegen. Der Echtzeit-Aktivitätsindikator von Bloomberg hat sogar den höchsten Wert seit Januar 2008 erreicht.

Dies hat die EZB an ihrer letzten Sitzung vor zwei Wochen veranlasst, zwar wie erwartet ihre Geldpolitik unverändert zu lassen, aber gleichzeitig ihren sogenannten "Easing Bias" (die Aussage, dass sie zu weiteren Lockerungsschritten bereit ist) abzuschwächen. Dies war der erste Schritt in den Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik. Darüber hinaus hat EZB-Präsident Mario Draghi angedeutet, dass der Rat den "Easing Bias" schon bald ganz kassieren könnte. Auch haben weitere Ratsmitglieder zuletzt erkennen lassen, dass sie darüber nachdenken, ob zuerst die Anleihekäufe eingestellt oder nicht doch eher die Leitzinsen erhöht werden sollten - und wann dies geschehen könnte.

Insbesondere nach den Präsidentschaftswahlen in Frankreich dürfte die EZB den Markt intensiver auf einen bevorstehenden Ausstieg aus den Anleihekäufen und dem Umfeld negativer Leitzinsen vorbereiten. Diese anstehende Wahl hatte aufgrund der Sorge, dass mit Marine Le Pen und dem Front National eine antieuropäische Partei in einem EU-Kernland die Regierung stellen könnte, auf der Gemeinschaftswährung gelastet. Diese Sorge ist geringer geworden.

Nachrichtenticker

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH