Dienstag, 24. Mai 2016

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Privilegien der Staatsdiener (IV) Wie das Finanzamt Beamte begünstigt

In seinem neuen Buch rechnet der Wirtschaftsprüfer Torsten Ermel vor, was deutsche Beamte wirklich verdienen. In einer fünfteiligen Serie stellt der Autor seine wichtigsten Thesen vor, die für viel Gesprächsstoff sorgen dürften - nicht nur unter den Staatsdienern.

Viele Bürger haben das unbestimmte Gefühl, zu viel Steuern zu zahlen. Kaum ein Laie durchblickt das komplizierte Steuerrecht, etliche Normalverdiener sind hilflos angesichts der vielen Vorschriften und Ausnahmen. Sie fühlen sich dem Fiskus ausgeliefert. So richtig mit jemandem darüber sprechen kann man auch nicht, selbst gegenüber Freunden legt ja niemand gern seine Finanzen offen.

Und wer sich keinen teuren Steuerberater leisten kann oder will und bei der Steuererklärung nicht schummeln möchte, muss sich damit abfinden, am Ende meistens der Dumme zu sein - jedenfalls als Arbeitnehmer oder Rentner. Beamte und Pensionäre können sich dagegen entspannt zurücklehnen. Auch in Steuerdingen hat der Staat bestens für sie gesorgt.

Sonderausgaben

Angestellte Arbeitnehmer wie Beamte können einen Teil ihrer Sozialversicherungsbeiträge steuerlich als Sonderausgaben geltend machen. Bei Arbeitnehmern sind das 64 Prozent vom Anteil am Rentenversicherungsbeitrag, die Krankenversicherungskosten sind in voller Höhe abzugsfähig, sämtliche weiteren Versicherungen nur, wenn der Höchstbetrag von 1900 Euro pro Jahr nicht überschritten wird.

Torsten Ermel
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    Tectum Verlag
    Neugier und Gerechtigkeitssinn haben den Bankkaufmann und BWLer Torsten Ermel (Jahrgang 1966) zur Beschäftigung mit den Einkünften von Beamten gebracht. Er ist Steuerberater und Wirtschaftsprüfer in Bielefeld und plädiert für mehr Gerechtigkeit sowie für eine politische Reform des Beamtentums.
Diese Grenze wird bei Arbeitnehmern aber regelmäßig bereits durch die Anrechnung der Krankenversicherungsbeiträge überschritten - weshalb weitere Sozialversichungsaufwendungen praktisch überhaupt nicht absetzbar sind.

Beamte hingegen zahlen keinen Beitrag in die Rentenversicherung, ihre Beiträge zur Altersversorgung sind damit zu 100 Prozent steuerfrei, nicht nur zu 64 Prozent. Bei der Krankenversicherung gibt es keine Unterschiede zu den Arbeitnehmern, die Beiträge können zu 100 Prozent geltend gemacht werden. Da aber ja der Posten Rentenversicherung bei Beamten in der Rechnung fehlt, erreichen sie die Höchstgrenze von 1900 Euro nicht so schnell.

Und Beiträge zur Arbeitslosenversicherung müssen die unkündbaren Staatsdiener ohnehin nicht zahlen - während Arbeiter und Angestellte ihre Beiträge für diese Zwangsversicherung auch noch versteuern müssen.

Arbeitnehmer zahlen also mehr Steuern als Beamte, weil sie statt 100 nur 64 Prozent ihres eigenen Beitrags zur Rentenversicherung absetzen können und den eigenen Beitrag zur Arbeitslosenversicherung in der Regel gar nicht.

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