Sonntag, 29. Mai 2016

"Fat Cats" sahnen ab Das sind die Topverdiener in Großbritannien

Öl-Chefs, Versicherer und ein Werbe-König: Das sind die Topverdiener in Großbritannien
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Corbis; Reuters; dpa; Experian; Hargreaves Lansdown; Relx Group

Kuriose Rechnung mit ernstem Hintergrund: Der britische Think Tank High Pay Centre hat den heutigen Dienstag zum "Fat Cat Tuesday" ernannt. Nach Angaben der Organisation ist es der Tag im Jahr 2016, in dessen Verlauf die Top-CEOs der britischen Wirtschaft bereits so viel verdient haben werden, wie ein durchschnittlicher Arbeiter im ganzen Jahr.

Mit der Kalkulation will High Pay Centre auf die erhebliche Ungleichheit der Bezahlung in der Wirtschaft aufmerksam machen. Ein Thema, das nicht nur in Großbritannien heiß diskutiert wird.

Als"Fat Cats" - fette Katzen - bezeichnet der Think Tank dabei Firmenlenker wie Martin Sorrell. Der Chef des Werbe- und Medienkonzerns WPP erhielt allein im Jahr 2014 Bezüge von nicht weniger als 43 Millionen Pfund (58,3 Millionen Euro) und ist damit Topverdiener auf der Insel.

Zum Vergleich: Hierzulande stand im gleichen Jahr der seinerzeitige Volkswagen-Chef Martin Winterkorn an der Spitze des Gehaltsrankings, mit einer gegenüber Sorrell und anderen britischen Großverdienern eher durchschnittlichen Summe von knapp 16 Millionen Euro.

Seriöser Warnruf oder Kneipen-Ökonomie?

Um den "Fat Cat Tuesday" zu errechnen, geht High Pay Centre jedoch von Durchschnittswerten aus. So beträgt das durchschnittliche Jahresgehalt der CEOs aus dem britischen Aktien-Leitindex FTSE 100 nach Rechnung der Organisation 4,96 Millionen Pfund. Demgegenüber steht ein Jahresgehalt des durchschnittlichen Arbeitnehmers in Großbritannien von 27.645 Pfund.

Die Folge: Die Vorstandschefs brauchen laut High Pay Centre lediglich 22 Stunden, um jene knapp 28.000 Pfund zu kassieren. Unter der Annahme, dass die Manager zwölf Stunden am Tag arbeiten und kaum Urlaub nehmen, passieren sie die Marke theoretisch also bereits am zweiten Arbeitstag des Jahres, dem heutigen Dienstag.

Die Ansichten über die Seriosität dieser Rechnung gehen allerdings auseinander. Der "Fat Cat Tuesday" mache einmal mehr das Dauerproblem der unfairen Gehaltsunterschiede deutlich, meint HPC-Chef Stefan Stern. Einerseits.

Andererseits gibt es Ökonomen, die von "Kneipen-Ökonomie" sprechen. "Die Klage macht keinen Sinn", schreibt beispielsweise Sam Bowman, Chef des Adam Smith Wirtschaftsinstituts in London, in einer Mitteilung. "Es sei denn, High Pay Centre wüsste einen besseren Weg, die Arbeit der Führungskräfte von Firmen zu bewerten, als diese Firmen selbst."

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