Sonntag, 23. September 2018

Schuldenblase der Weltwirtschaft Warum McKinsey für eine Vermögensabgabe wirbt

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3. Teil: Was ist zu tun?

McKinsey rechnet vor, dass angesichts der Demografie und der geringen Produktivitätsfortschritte nicht damit gerechnet werden kann, dass wir aus den Schulden herauswachsen. Im Gegenteil erwartet McKinsey, dass die Schulden auch weiterhin schneller wachsen als die Wirtschaft. Dies ist übrigens deckungsgleich mit der Annahme der Credit Suisse, die spiegelbildlich davon ausgeht, dass die Vermögen weiterhin schneller als die Wirtschaft wachsen.

Doch was ist zu tun? McKinsey macht ganz konkrete Vorschläge zur Eindämmung des Schuldenproblems. Diese reichen von leichteren Privatinsolvenzen, modifizierten Hypotheken, die die Preisentwicklung der Immobilie berücksichtigen, bis hin zur sogenannten "makroprudenziellen" Überwachung und Steuerung von Kreditvergabe, Schuldenständen und Immobilienpreisen, um Blasen und damit Krisen zu verhindern.

Mit Blick auf die Staaten schlägt McKinsey Privatisierungen und Effizienzsteigerung vor. Sicherlich alles richtig - aber vermutlich nicht ausreichend, um die Schuldenlast in den Griff zu bekommen.

Deshalb erwähnt McKinsey ausdrücklich zwei weitere Möglichkeiten mit der Schuldenlast umzugehen:

  • Höhere Vermögenssteuern oder einmalige Vermögensabgaben. Dies finde ich deshalb besonders interessant, weil sich McKinsey damit offen für eine Maßnahme ausspricht, die bei der eigenen Klientel nur begrenzt Zustimmung findet, wie eine Umfrage am WEF gezeigt hat. Dass die Regierungen in diese Richtung denken könnten, habe ich schon 2011 prophezeit.
  • Oder aber den Trick über die Zentralbankbilanz: "Moreover, debt owned by central banks could be replaced upon maturity indefinitely, eliminating the future need to raise taxes or reduce government spending, with interest payments remitted to the national treasury."- Klartext: Die Notenbanken sollen die Staatsanleihen auf der eigenen Bilanz in ewige Anleihen wechseln (was Griechenland gerade fordert) und die Zinszahlungen umgehend wieder als Gewinn an die Staaten ausschütten.Irland hat uns dies schon vorgemacht.

Wenngleich ich eine offene Schuldenrestrukturierung für effizienter, fairer und risikoloser halte, glaube ich nicht, dass die Politik sich traut diesen Weg zu gehen. Stattdessen wird die Option mit der Zentralbankbilanz immer realistischer. Vor allem dann, wenn sich so namhafte Institutionen wie McKinsey öffentlich dafür aussprechen. Damit sind wir in genau dem Szenario, vor dem die Bank für Internationalen Zahlenausgleich lautstark gewarnt hat.

Mit Blick auf die Politik der EZB habe ich dieses Szenario schon mehrfach diskutiert. Nur wenn die Lösung der Krise über die Bilanz der Notenbank angestrebt wird, kann man das neue Programm der EZB verstehen. Offen bleibt nur, wie das Problem der privaten Überschuldung gelöst werden kann. Hierzu müssten die Staaten die Banken im großen Umfang finanzieren, um eine entsprechende Abschreibung des privaten Schuldenüberhangs zu ermöglichen.

Alles spricht dafür, dass wir vor der direkten Monetarisierung der Schulden durch die Notenbanken stehen. Japan ist auf diesem Weg am weitesten vorangeschritten, Europa und die USA dürften im Zuge der nächsten Krise, die angesichts der Schuldendynamik unabwendbar ist, schnell aufholen. Die Konsequenzen sind völlig offen. Befürworter sehen als einzigen schmerzfreien Weg aus der Krise, Kritiker als Einstieg in die Zerrüttung des Geldwertes. Eines ist sicher: Es ist ein einmaliges Experiment.

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