Samstag, 22. September 2018

Schuldenblase der Weltwirtschaft Warum McKinsey für eine Vermögensabgabe wirbt

Besonders schön: Ein orangefarbener Lamborghini auf der Maximilianstraße in München

2. Teil: Wachstum unterhalb des natürlichen Trends

Hierin liegt die entscheidende Ursache für den zunehmenden deflationären Druck und das immer geringere Wachstum der hoch verschuldeten Länder und der Weltwirtschaft insgesamt. Gehen wir davon aus, dass der durchschnittliche Zinssatz, der auf die Schulden zu bezahlen ist, bei fünf Prozent liegt, sieht man, dass der größte Teil der neuen Schulden nur noch dazu dient, die Zinsen auf den alten Schulden zu bedienen, aber nicht mehr um Mehrnachfrage zu generieren. Die fünf Prozent klingen angesichts des tiefen Zinsniveaus hoch, doch muss man im Hinterkopf haben, dass:

  • die Zinsen in den letzten Jahren gefallen sind, diese Senkung aber erst verzögert auch für bestehende Schulden gilt.
  • das Zinsniveau weltweit noch nicht auf dem Niveau der Schweiz und Deutschlands angekommen ist.
  • Nicht jeder Schuldner sich zu so günstigen Konditionen finanzieren kann, wie der Staat.

Die neuen Schulden bewirken folglich kein weiteres Wirtschaftswachstum. Damit nähert sich die Wachstumsrate der Wirtschaft dem natürlichen Trend, getrieben vom Wachstum der Erwerbsbevölkerung und der Produktivität. Beides stagniert oder schrumpft jedoch.

Damit nicht genug. Weil einige Sektoren versuchen die Schulden zu senken, sinkt die Nachfrage überproportional. Nachdem wir jahrelang dank Aufschuldung ein Wachstum oberhalb des natürlichen Potentials generiert haben, droht nun also ein Überschießen in die andere Richtung: Wachstum unterhalb des natürlichen Trends. Warnungen vor der säkularen Stagnation haben hier ihren Ursprung, wenngleich ihnen eine falsche Analyse der Ursachen zugrunde liegt.

Die im Zuge des schuldenfinanzierten Booms aufgebauten Überkapazitäten verstärken den deflationären Druck zusätzlich. Wenn es um die Bedienung von Schulden geht, steht die Beschaffung von Liquidität im Vordergrund. Wenn es nur noch darum geht, Liquidität zu beschaffen und nicht um die Deckung der Vollkosten, ist ein Umschlagen in eine Deflation eine realistische und erhebliche Gefahr.

Die Politik versucht dies zu verhindern und mit allen Mitteln das erforderliche Wachstum der Schulden zu Zinszahlungszwecken nach unten zu drücken, damit

  • mehr neue Schulden zu Nachfrage führen und damit die Realwirtschaft beleben.
  • die Schuldner in der Lage bleiben, ihren Verpflichtungen nachzukommen.
  • der Druck zum Schuldenabbau - dem "Deleveraging" - verringert wird.
  • tiefe Zinsen potentielle Schuldner, die noch über Verschuldungskapazität verfügen, dazu verleiten, schuldenfinanziert zu konsumieren oder investieren.

In den letzten Jahren ist es gelungen, neue Schuldner vor allem in China und den asiatischen Schwellenländern zu finden. Diese haben geholfen, die Weltwirtschaft zu stabilisieren. Nun, nachdem die Verschuldung erfolgt ist, fehlt auch diese Zusatznachfrage und die Schuldner bemühen sich ebenfalls Schulden zu senken, vor allem wenn diese in US-Dollar aufgenommen wurden.

Spätestens sobald die Zinsen weltweit bei Null angekommen sind, kommt diese Politik jedoch an ihr Ende.

Seite 2 von 3

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH