Mittwoch, 24. Januar 2018

Kostenfallen bei der Geldanlage Auf welche versteckten Kosten Sie achten sollten

Die Angebote im Bereich der Geldanlage nehmen ständig zu. Robo Advisors sollen eine Wunderwaffe der Zukunft werden. Vermögende Kunden können auf vielfältige Dienstleistungen zurückgreifen. Vielen Anlegern fällt es dabei schwer, den Überblick zu behalten - insbesondere bei den Kosten.

Wenn wir uns die Depots von Kunden ansehen, die zu uns wechseln, sind wir oft erstaunt, wie ahnungslos die Kunden bei ihren tatsächlichen Depotkosten sind, die dann die versprochene Rendite erheblich schmälern, nicht selten sogar negativ übertreffen.

Wie hoch sind nun die durchschnittlichen Kosten für Depots? Die sogenannte Total Expense Ratio (TER) kann quer über die gesamte Fondsbranche mit 2 Prozent angenähert werden. Darin nicht enthalten sind gewinnabhängige Provisionen und Transaktionskosten. Eine Studie des Petersmann Instituts belegt, dass sich Transaktionskosten im Bereich von 0,50 Prozent des Anlagevolumens belaufen.

Was wird bei diesen Gebühren aus 100.000 Euro in zehn Jahren? Unterstellt man eine konstante Wertentwicklung von 5 Prozent jährlich und vernachlässigt performanceabhängige Gebühren, so zeigt sich: Im ersten Jahr können sich die Gesamtkosten auf 7,5 Prozent summieren (der einmalige Ausgabeaufschlag von 5 Prozent findet oftmals leider immer noch Anwendung) , in den neun Folgejahren auf jährliche 2,5 Prozent.

Im zehnjährigen Betrachtungszeitraum bewegen sich somit die Gesamtkosten grob gerechnet bei rund 30 Prozent der angelegten Summe. Bei einer Wertsteigerung von rund 50.000 Euro abzüglich Kosten im Bereich von 30.000 Euro verbleibt somit ein (zu versteuernder) Gewinn nach zehn Jahren von knapp 20.000 Euro. Und das auch nur, wenn die Performance jährlich wirklich 5 Prozent beträgt und keine zusätzlichen Kosten durch performanceabhängige Gebühren hinzukommen. Bei einer jährlichen Inflationsrate von 2 Prozent wäre auch dieser Gewinn verloren.

Banken wollen ihre eigenen Produkte verkaufen, die grundlegende Aufgabe des Bankberaters bleibt also dieselbe: Die Gewinn-Marge pro Kunde hoch zu halten! Dabei haben die Vertriebspartner der Bank das Interesse, ihre Produkte in hohem Volumen zu platzieren. Entsprechende Vertriebsvorgaben sind vom Berater zu erfüllen. Zudem sorgen Bestandsprovisionen in unterschiedlicher Höhe dafür, dass der Berater bei der Depotzusammenstellung auch seine ganz persönlichen Interessen verfolgt. Nur wenige Kunden überblicken, welche Gebühren letztendlich an wen zu entrichten sind.

Diese Intransparenz der Produkte ist in Wahrheit nur Mittel zum Zweck. Die Marge pro Kunde muss schließlich erhöht oder hoch gehalten werden. Vertriebsfolgeprovisionen ("Kickbacks") sind ein beliebtes Mittel zur Vertriebssteuerung und setzen oft falsche Anreize für den Berater. Schnell ist man in dieser Konstellation "alles aus einer Hand" bei einer Gesamtgebührenbelastung zwischen 2,5 und 3 Prozent pro Jahr angelangt. So entstehen am Ende Depots, die den Interessen des Kunden nicht wirklich entsprechen und außerdem zu teuer sind.

Unabhängige Vermögensverwalter haben in der Regel nicht diese Produktinteressen, doch kann es auch hier zu unnötigen Kosten kommen, beispielsweise wenn das Depot diverse Fonds enthält. Wer zehn verschiedene Fonds in seinem Depot hält, engagiert zehn verschiedene Fondsmanager - wobei jeder mit seinem Fonds eine eigenständige Strategie verfolgt und keine Kenntnis darüber hat, dass er zusammen mit anderen Fondsmanagern für die Gesamtstrategie eines einzelnen Depots verantwortlich ist.

Er kennt seine Kunden überhaupt nicht! Das Resultat: Gegenläufige Effekte. Fondsmanager A verkauft Aktie X, parallel kauft Fondsmanager B dieselbe Aktie. Die strategische Auswirkung für das Gesamtdepot ist gleich null - der Kunde bezahlt jedoch beide Manager und trägt zusätzlich die Transaktionskosten. Bei einer Vielzahl von Fonds kommt es zwangsläufig zu diesen Überschneidungen. Unzählige Einzelwerte befinden sich daher zwei-, drei- oder mehrfach im Depot. So werden unsinnige Kosten zuhauf produziert.

Fazit: Suchen Sie sich Ihren Vermögensverwalter sorgfältig aus, vermeiden Sie die Interessenkonflikte der Bankberatung, verlangen Sie volle Transparenz bei den Gebühren und eine nachvollziehbare Strategie - damit profitieren Sie letztendlich gemeinsam mit Ihrem Vermögensverwalter vom Portfolioerfolg!

Torsten Reidel ist Geschäftsführer von Grüner Fisher Investmentsund schreibt hier als Gastkommentator. Gastkommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.

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