Dienstag, 11. Dezember 2018

Schroders und Lloyds planen neuen Vermögensverwalter Der Kampf um das 124-Milliarden-Euro-Mandat

Die Margen im Kreditgeschäft sind im Keller. Die Lloyds Banking Group lotet neue Möglichkeiten im Geschäft der Vermögensverwaltung aus - zusammen mit dem Londoner Top-Asset-Manager Schroders

In Großbritannien zeichnet sich nach verschiedenen Berichten womöglich der größte Zusammenschluss in der Vermögensverwaltungsbranche der vergangenen Jahre ab. Laut Bloomberg sprechen der britische Vermögensverwalter Schroders und die Lloyds Banking Group über eine Zusammenlegung ihres Wealth-Management-Geschäfts.

Kommentatoren des Finanznachrichten- und Datenlieferanten halten den sich anbahnenden Deal strategisch für sinnvoll: Lloyds wolle seine in den vergangenen Jahren gesunkenen Gebühreneinnahmen steigern und der 214 Jahre alte Fondsmanager Schroders könnte mit einem größeren Vermögen und einem zusätzlichen Vertriebskanal von 1750 Filialen rechnen.

Eine treibende Kraft des sich anbahnenden Deals dürfte neben fallenden Gebühren und drastisch sinkenden Margen aus dem klassischen Kreditgeschäft auch die Neuausschreibung eines rund 124 Milliarden Euro (109 Milliarden Pfund) (€) schweren Asset-Management-Mandats sein. Lloyds hatte im Februar 2018 angekündigt, der bis dato federführenden Aberdeen Standard Investments das Mandat zu entziehen und will es nun neu vergeben.

Standard Life Aberdeen verlangt 250 Millionen Pfund Kompensation

Aberdeen Asset Management und Standard Life waren 2017 zu Standard Life Aberdeen (SLA) verschmolzen. Aberdeen hatte dabei die 2014 erworbene Scottish Widows Investment in die Ehe eingebracht - und damit einen Acht-Jahres-Vertrag zur Verwaltung der Vermögenswerte von Scottish Widows, dem Versicherer von Lloyds.

Lloyds wolle mit der Neuausschreibung vermeiden, dass eine Vermögensverwaltungstochter des Mitbewerbers Standard Life künftig das eigene Portfolio verwaltet. SLA allerdings wähnt hier Vertragsbruch und fordert den Berichten zufolge eine Kompensationszahlung von mindestens 250 Millionen Pfund.

Schroders habe derzeit angeblich die besten Aussichten auf einen Zuschlag des Mandats. Denn der Vermögensverwalter wolle laut "Financial Times" (FT) in diesem Fall seine Vermögensverwaltungstochter Cazenove Capital an Lloyds verkaufen beziehungsweise in ein Joint Venture einbringen.

Die Unternehmen bestätigten am Montag den Berichten zufolge lediglich Gespräche über eine Kooperation in der Vermögensverwaltung, ein Zusammenschluss sei noch längst nicht ausgemacht - ein mögliches Portfolio-Mandat erwähnten sie in diesem Kontext nicht.

Auch Blackrock buhlt offenbar um das lukrative Mandat

Laut Bloomberg und FT soll sich unter anderem auch der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock um das Mandat beworben haben. Sky news zufolge, die ebenfalls darüber berichteten, könnte Lloyds an der Allianz 50,1 Prozent halten und Schroders den Rest.

Sollte Schroders Lloyds überzeugen, könnte der Vermögensverwalter sein Ergebnis um 5 bis 7 Prozent steigern, schätzen Analysten von UBS. Auch sollte der zukünftige Zugang zu einem Pool älterer Sparer verlockend sein: Rund 15 Prozent der Lloyds-Kunden seien älter als 70 Jahre, schreibt Bloomberg.

Offen aber bliebe, ob eine neue Plattform Schroder-Lloyds, die gemeinsam von einem Top-Asset-Manager und einer Bank betrieben wird, die Kunden tatsächlich ansprechen werde. Andere Plattformen nutzten ein Netzwerk von Finanzberatern, die nicht an eine einzige Institution gebunden sind.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH