Freitag, 15. Dezember 2017

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Vermögensverwalter Blackrock Angst vor dem schwarzen Riesen

Blackrock-Zentrale in New York: Unscheinbarer Koloss

Still und leise ist Blackrock zum weltgrößten Vermögensverwalter aufgestiegen. Doch mittlerweile wächst die Kritik an der Machtfülle des 4,7 Billionen Dollar schweren Finanzkolosses. Sogar am jüngsten Börsenabsturz soll er angeblich schuld sein.

Larry Fink wirkt nicht gerade so, wie man sich den mächtigsten Menschen der Finanzwelt vorstellt. Mit seiner Halbglatze und der randlosen Brille könnte der 62-Jährige auch ein Versicherungsvertreter sein. Doch glaubt man seinen Kritikern, dann täuscht dieser Eindruck gewaltig. Für sie ist der Chef des US-Vermögensverwalters ein Strippenzieher, der mit seinen Milliarden Dollar schweren Investments über Wohl und Wehe von Großkonzernen und ganzen Volkswirtschaften entscheidet.

Da ist zum Beispiel Carl Icahn, Multimilliardär und Großinvestor, der kürzlich im US-Börsensender CNBC vor Finks Marktmacht warnte. "Wir steuern auf eine Klippe zu", beschrieb Icahn die Situation an den Finanzmärkten. "Alle sitzen in einem Partymobil und trinken und feiern. Und wer schiebt das Ding an? Larry Fink und Janet Yellen."

Bei Yellen ist die Sache klar: Sie ist Chefin der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed), der wohl wichtigsten Geldinstitution der Welt. Seit der Finanzkrise 2008 hält die Fed die Zinsen auf ultraniedrigem Niveau und hat so zum Boom an den weltweiten Aktienmärkten beigetragen. In der kommenden Woche wollen Yellen und ihre Kollegen darüber entscheiden, ob sie den Leitzins erstmals seit fast sechs Jahren wieder anheben - eine Entscheidung mit Folgen für die Finanzströme rund um den Globus. Einige Experten fürchten unkontrollierbare Abstürze auf Devisen-, Aktien- und Anleihemärkten.

Doch was soll Fink so gefährlich machen?

Seine Firma Blackrock ist eine gigantische Erfolgsgeschichte. 1988 als kleiner Anleihehändler unter dem Dach der Private-Equity-Gesellschaft Blackstone gestartet, stieg das Unternehmen unter Finks Führung zum größten Vermögensverwalter der Welt auf. 4,7 Billionen Dollar verwaltet Blackrock mittlerweile. Das Geld kommt von großen Investoren, wie etwa Staatsfonds oder der kalifornischen Pensionskasse Calpers, ebenso wie von kleinen Anlegern, die 50 Euro pro Monat in einen Fondssparplan stecken. Erst das Vermögen seiner Kunden verleiht Blackrock seine enorme Bedeutung.

Jahrelang hat sich die breite Öffentlichkeit kaum für Blackrock interessiert. Selbst in der Finanzwelt galt der Vermögensverwalter als langweilig. Während die großen Investmentbanken in New York, London oder Frankfurt Milliardenübernahmen einfädelten und die Hedgefonds mit Unsummen geliehenen Geldes waghalsige Deals stemmten, verfolgten Finks Leute ein vergleichsweise einfaches Geschäftsmodell: Sie sammelten von den Anlegern so viel Geld wie möglich und investierten es weltweit in Anleihen, Aktien und anderen Wertpapiere.

Das besondere dabei: Rund zwei Drittel des verwalteten Vermögens steckt in sogenannten ETFs oder ähnlichen Produkten. Also in Fonds, die nur die Entwicklung von Aktien- oder Anleiheindizes nachbilden. Diese Produkte sind weltweit enorm erfolgreich. Gut drei Billionen Dollar haben Anleger weltweit mittlerweile allein in ETFs gesteckt. Etwa ein Drittel davon entfällt auf die Blackrock-Tochter iShares.

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