Montag, 30. Mai 2016

Geldanlage Vermögenspreise stiegen 2015 im Rekordtempo

München: Mit Immobilien lässt sich das Vermögen mehren

Wer hat, dem wird gegeben. Dieser Spruch war im Jahr 2015 besonders wahr. Selten zuvor konnten die Reichen in Deutschland ihr Vermögen so schnell mehren wie im vergangenen Jahr.

Laut dem Vermögenspreisindex des Flossbach von Storch Research Institutes lagen die Preise für Sach- und Finanzvermögen im vierten Quartal 2015 (Oktober bis Dezember) 7,8 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Das ist die höchste Steigerungsrate seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2005.

Die Zahlen, die SPIEGEL ONLINE vorliegen, sind auch deswegen so bemerkenswert, weil die Verbraucherpreise im vergangenen Jahr nur sehr langsam zulegten - im Schnitt um 0,3 Prozent. Viele Produkte wie Heizöl, Benzin, Fleisch, Milch, Fernseher oder Computer wurden sogar billiger. Auch die Produzentenpreise, die Unternehmen für Vorprodukte zahlen, gingen mit 2,4 Prozent deutlich zurück (siehe Grafik).

Den Vermögenspreisindex berechnen Institutschef Thomas Mayer und seine Kollegen vier Mal im Jahr aus einer ganzen Reihe verschiedener Einzeldaten. Dabei fließen die Wertentwicklungen von Finanzvermögen wie Aktien, Spareinlagen und Lebensversicherungen mit ein, aber auch die des sogenannten Sachvermögens, wozu neben Immobilien auch Anteile an mittelständischen Familienunternehmen sowie Sammlerobjekte wie Oldtimer, Gemälde oder teure Weine gehören.

Seit rund drei Jahren entwickeln sich Vermögens- und Verbraucherpreise drastisch auseinander. Während die Verbraucherpreise nur sehr langsam stiegen, schossen die Vermögenspreise nach oben.

Im vergangenen Jahr erhöhten sich die Finanzvermögen zwar nur um 0,7 Prozent, bei den Sachvermögen ging es dagegen mit 9,5 Prozent so stark nach oben wie nie zuvor. Während sich Immobilien als wichtigster Wert dieser Kategorie um 5,9 Prozent verteuerten, stiegen Betriebsvermögen sogar um 24,5 Prozent. Die Preise für Sammler- und Spekulationsobjekte legten um 15,4 Prozent zu.

Diese sehr ungleiche Preisentwicklung hat auch soziale Auswirkungen. Wer Immobilien, teure Kunstobjekte oder gar eine eigene Firma besitzt, gehört ohnehin zu den Wohlhabenden und wurde in den vergangenen Jahren immer reicher.

Laut Mayers Modellrechnungen sind die Vermögen der obersten zehn Prozent der deutschen Haushalte so seit Ende 2010 um rund 38 Prozent gestiegen. Die untersten 20 Prozent konnten ihr Vermögen dagegen nur um 19 Prozent mehren.

Am schlechtesten schnitt demnach die untere Mittelschicht ab: Ihr Vermögen legte nur um knapp zehn Prozent zu. Grund dafür ist, dass Haushalte in dieser Gruppe nach Annahme der Ökonomen ihr Vermögen vor allem in schlecht verzinsten Sparguthaben bei der Bank halten und nur vergleichsweise wenig Immobilien besitzen.


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